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Sturmtief "Sabine" fegt über Deutschland: Wie schlimm wird der Orkan noch?

Orkan über Deutschland  

Haben wir "Sabine" jetzt hinter uns?

Eine Kolumne von Michaela Koschak

10.02.2020, 21:11 Uhr
Orkantief "Sabine": Sturmfluten erreichen Küsten, Fernverkehr läuft wieder an

Am Sonntagabend erreichte Orkantief "Sabine" Deutschland. Sturmfluten haben die Küsten erreicht. Bereits in der Nacht waren vielerorts Bäume entwurzelt worden, der Fernverkehr der Deutschen Bahn läuft seit dem Vormittag wieder an. (Quelle: t-online.de)

Sturmfluten an den Küsten, Kran auf dem Frankfurter Dom: So wütete Orkantief "Sabine" in Deutschland. (Quelle: t-online.de)


Seit Sonntag hat Orkantief "Sabine" über Deutschland gewütet, den Bahnverkehr lahmgelegt, Bäume umgeworfen und für Stromausfälle gesorgt. Jetzt zieht der Sturm ab – was kommt stattdessen?

Puh, was für eine Nacht – für uns Meteorologen natürlich eine sehr aufregende! Stündlich kamen neue Wetterstationsmeldungen herein, wo und wie stark "Sabine" gepustet hat. Auf dem Radarfilm konnten wir genau verfolgen, wo sich die gefährliche Kaltfront des Sturms verstärkt oder geteilt hatte.

Der eine oder andere von Ihnen wird jetzt sicher sagen: "Mein Gott, es war windig, aber die riesige Welle, die ihr Meteorologen da geschoben habt, und die ganze Aufregung in den Medien waren doch etwas übertrieben?" Ja, was da in so einigen Medien verbreitet wurde, war nicht schön und hilfreich. Aber was das Orkantief angerichtet hat, ist nicht von der Hand zu weisen: einige Verletzte, ein lahmgelegter Bahnverkehr in ganz Deutschland, ausgefallene Flüge und Veranstaltungen, viele umgestürzte Bäume auf Straßen, Stromausfälle in Bayern und Baden-Württemberg und "sturmfrei" heute für viele Schulkinder – das passiert nicht alle Tage. Wie es in unseren Wäldern aussieht, ist jetzt noch nicht abzusehen.

Ja, einige Wettermodelle haben etwas übertrieben und noch mehr Wind berechnet, aber wir Experten hatten das mit Böen bis 100 Kilometer pro Stunde und vereinzelten Orkanböen im Flachland schon sehr nah an der Realität vorhergesagt.

Es ist gekommen, wie vorhergesagt

Und ehrlich gesagt, seien Sie bitte froh, dass es nicht schlimmer geworden ist und wir wieder einen Sturm wie "Kyrill" abbekommen haben oder nicht ordentlich gewarnt wurden wie bei "Lothar"! Lieber etwas Vorsicht und es passiert nicht so viel, als danach überrascht sein, dass es so furchtbar gekommen ist, finde ich.

Es ist eigentlich alles genau so gekommen, wie es vorhergesagt wurde, und wir können alle froh sein, dass es bisher in Deutschland noch kein Todesopfer gab – somit haben wir viel richtig gemacht, vernünftig gewarnt, Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Und für alle, die stundenlang ohne Strom zu Hause saßen, die Nacht auf einem Abstellgleis der Deutschen Bahn verbracht haben oder einen Baum auf dem Auto liegen haben – für diejenigen war es schon ein sehr heftiger Sturm.

Das ist ja eigentlich immer so: Derjenige, den es nicht so schlimm erwischt, der schimpft, dass mal wieder "maßlos" übertrieben wurde. Also seien wir alle froh, dass das Orkantief "Sabine" nach Südosten abgezogen ist und wir das Schlimmste überstanden haben.

Was kommt nach "Sabine"?

Es bleibt allerdings weiterhin recht windig. Vor allem heute steht buntes Aprilwetter mit teils heftigen Schauern und Gewittern auf dem Programm, mit Graupel und Schnee bis auf 400 Meter runter.

Durch die noch sehr straffe Höhenströmung sind heute Böen der Stärke 8 bis 10 in tieferen Lagen möglich und Orkanwinde auf den Berggipfeln – das ist nicht zu unterschätzen. In der Nacht erreicht den Süden Deutschlands dann ein kleines Randtief. Dieses wird zum Glück von den Wettermodellen nicht mehr so stark berechnet wie in den letzten Tagen, aber auch hier kann es vor allem in Schauer- und Gewitternähe zu schweren Sturmböen, vereinzelt zu Böen um 100 Stundenkilometer kommen.

Auch morgen tagsüber bleibt es dabei, jedoch werden diese hohen Windgeschwindigkeiten nur noch vereinzelt in Schauer- und Gewitternähe auftreten und die Schauertätigkeit lässt langsam nach.

Aber ab heute Nacht sollte man sich im Flachland, auch im Norden und Westen des Landes, bitte nicht über eine weiße Überraschung wundern, denn in heftigen Schauern kann es bis ganz unten schneien – lange liegen bleiben wird der Schnee zwar nicht, dennoch kann es vorübergehend rutschig auf den Straßen werden und in den Mittelgebirgen kommt bis Mitte der Woche teils ordentlich etwas an Neuschnee zusammen. Jedoch wird sich auch das nicht lange halten, denn zum nächsten Wochenende hin sieht es schon wieder nach Frühlingswetter mit zweistelligen Höchstwerten aus.

An der Nordsee kommt es weiterhin zu Sturmfluten

Durch den starken Wind müssen wir an der Nordsee in den nächsten Tagen immer wieder mit Sturmfluten rechnen, der Pegel kann 1,5 bis 2 Meter über dem mittleren Hochwasser liegen.

Die Hochwasserlage an einigen Flüssen von letzter Woche wird sich zum Glück nicht wieder verschärfen, dennoch sind viele Flüsse randvoll und kleine Gewässer können bei starken Schauern und Gewittern bis morgen noch über die Ufer treten.

Fazit: Das Schlimmste ist wettermäßig überstanden, "Sabine" ist Geschichte, aber windig bleibt es erst mal, weiß werden kann es kurzzeitig und Sturmflut an der Nordsee bleibt ein Thema. Zudem sollte durch das unbeständige Wetter der Regenschirm noch ein paar Tage Pflicht sein. Ich wünsche Ihnen dennoch eine schöne, recht ruhige Woche.

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