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Wetter in Deutschland: 20 Grad im Februar – ist das der Klimawandel?


20 Grad im Februar: Ist das die Klimakrise?

Eine Kolumne von Michaela Koschak

Aktualisiert am 15.02.2020Lesedauer: 3 Min.
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Die Frühblüher markieren das Ende der kalten Jahreszeit: Der Februar präsentiert sich wie der Rest des Winters viel zu mild.
Die Frühblüher markieren das Ende der kalten Jahreszeit: Der Februar präsentiert sich wie der Rest des Winters viel zu mild. (Quelle: Privat/imago-images-bilder)
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Die Vögel zwitschern, erste Knospen blühen, die Luft ist mild: Der Februar kommt im Gewand des Aprils. Warum das auf den ersten Blick nicht besorgniserregend ist, auf den zweiten aber schon, erklärt t-online.de-Wetterexpertin Michaela Koschak.

Wenn ich nicht wüsste, dass Mitte Februar ist, würde ich beim Blick auf die Temperaturen denken, es ist Ende März oder gar Anfang April. Geht es Ihnen auch so? Der Winter ist in diesem Jahr ganz und gar unwinterlich: Der Schlitten verstaubt im Keller, denn die meisten Deutschen haben in dieser Saison noch nicht eine Schneeflocke gesehen. Vielerorts gab es nicht einmal strenger Frost.

Dass der Winter nicht winterlich ist, ist nicht nur unser Empfinden, das ist Realität. Der Dezember fiel viel zu warm aus, der Januar war zum Teil einer wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung und auch der Februar wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr winterlich – und auch deutlich zu mild ausfallen. Der halbe Monat ist vorbei und zum Teil liegen wir 3 bis 5 Kelvin über den Normalwerten.

Nun erreicht uns am Wochenende sogar noch ein Schwung echter Frühlingsluft aus Südwesteuropa, sodass überall in Deutschland zweistelligen Temperaturen erreicht werden. Am Oberrhein kann dabei die 20-Grad-Marke geknackt werden. Vereinzelt können Rekorde für die zweite Februardekade purzeln. Das ist zwar nicht normal, aber auch nicht ganz außergewöhnlich. Am 24. Februar 1990 gab es etwa in Baden-Württemberg schon einmal 20 bis 22 Grad.

Deutschland erreichen Luftmassen direkt aus Afrika

So etwas passiert immer mal wieder und ist in der Wetterküche Europas bei bestimmten Wetterlagen durchaus möglich. Dafür muss allerdings so einiges zusammenkommen – und das ist eben selten der Fall. An diesem Wochenende aber passt alles, sodass auf der Vorderseite von einem sehr kräftigen Tiefdruckkomplex Luftmassen direkt aus Afrika bis zu uns gelangen. Mit dabei: ein Orkantief. Da der Wind sehr kräftig ist, trudelt die Warmluft schnell bei uns ein – allerdings ist sie dann auch rasch wieder weg.

Am Sonntagabend können Sie sich aber zum Grillen mit den Nachbarn verabreden und brauchen nicht mal einen Glühwein zum Warmhalten. Gegen Mitternacht werden die Temperaturen von Berlin bis ins Breisgau hinein noch bei 14 bis 17 Grad liegen. Regen und Sturm halten sich in Grenzen – nur im Nordwesten blasen in der Zeit noch Böen der Stärken 8 bis 9.

Danach wird es zwar wieder kühler, von einem wirklichen Wintereinbruch kann aber auch dann nicht reden. Mit Blick auf die Mittelfristprognosen bis Ende Februar, wenn Winter offiziell endet, deutet sich kein Winterwetter mit Schneeballschlachten, zugefrorenen Seen und dicken Eiszapfen an. Das heißt nicht automatisch, dass es gar keinen Winter mehr gibt. Denn auch im März ist ein Kaltlufteinbruch mit Schnee, Frost und Eis möglich – theoretisch.

Der aktuelle Winter ist eine Nullnummer

Somit war der Winter 2019/20 eine Art „Nullnummer“. Und damit passt er in das Bild der immer milder werdenden Winter aufgrund der Klimakrise. Wie bereits erwähnt, kommen solch zeitige Frühlingsanfänge durchaus vor, aber dass die gesamten Wintermonate zu mild ausfallen und es keine Frostphasen gibt, ist durchaus ein schlechtes Zeichen. Dass die meisten gar nicht mehr wissen, was ein Eistag ist (die Höchsttemperatur muss unter null Grad Celsius liegen) und dass in den Mittelgebirgen wegen des fehlenden Schnees kaum Wintersport getrieben werden kann, kann durchaus mit der Klimakrise und damit mit den steigenden Temperaturen in Verbindung gebracht werden. Das wird in den nächsten Jahren beziehungsweise Jahrzehnten wohl „normal“ werden. Es sind zwar durchaus noch Wintereinbrüche möglich, sie werden allerdings wohl die Ausnahme sein. Der Trend zu milderen Wintern wird in diesem Jahr wieder bestätigt.

Zudem gab es in letzter Zeit sehr eingefahrene, langanhaltende Wetterlagen: Zunächst Hochdruck, Hochdruck, Hochdruck, was wenig Regen, Sonne oder Hochnebel und kaum Wind bedeutete. Im Moment fühlt sich die Westwindlage bei uns sehr wohl und will gar nicht mehr verschwinden. Dass solche Wetterlagen sich bei uns so lange halten, könnte ebenfalls ein Zeichen der Erderwärmung sein: Der Jetstream, das Starkwindband in der Höhe, das für unser Wetter verantwortlich ist, wird langsamer.

Michaela Koschak ist Wetter- und Klimaexpertin und kennt sich mit der Atmosphäre bestens aus. Wenn Sie manchmal unsicher sind, was es mit der Klimakrise und dem Wetter auf sich hat, lesen Sie die Kolumne unserer Diplom-Meteorologin. Je mehr Sie zum Thema wissen, desto weniger verfallen Sie in Panik und desto bewusster und schonender gehen Sie mit der Umwelt um.

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