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Coronavirus: Ausnahmezustand in Frankreich – so ist die Lage

Ausgangssperre gilt bis auf weiteres  

Ausnahmezustand in Frankreich – so ist die Lage

21.03.2020, 16:25 Uhr | Julia Naue, Christian Böhmer, dpa

Coronavirus: Ausnahmezustand in Frankreich – so ist die Lage. Eifelturm in Paris: Wo sonst viele Touristen unterwegs sind, bewacht nun die Armee, wer noch durch die Straßen der Stadt läuft. (Quelle: dpa/Philippe Lavieille)

Eifelturm in Paris: Wo sonst viele Touristen unterwegs sind, bewacht nun die Armee, wer noch durch die Straßen der Stadt läuft. (Quelle: Philippe Lavieille/dpa)

Der Gang zum Supermarkt wird zu einem freudigen Ereignis. Denn Einkaufen ist in Frankreich noch erlaubt. Ansonsten gilt die Ausgangssperre. "Restez chez vous!", lautet die Devise – "Bleibt zuhause!". Aber nicht alle halten sich daran.

Paris im Frühling: Ein Besuch auf dem Eiffelturm, die Mona Lisa im Louvre, ein Stopp im Straßencafé. All das fällt wegen der Corona-Krise derzeit aus. Die Tourismusmetropole wirkt vielerorts leer und ausgestorben. Die meisten Geschäfte sind zu, denn seit Dienstag gilt in Frankreich eine Ausgangssperre. "Restez chez vous!" ("Bleibt zuhause!"), lautet die wenig charmante Anweisung der Behörden – und das in der Kapitale der Mode, der Theater und der schicken Restaurants.

Wer darf raus?

Die Ansage der Regierung ist deutlich: Nur wenn es unbedingt nötig ist, sollen die Menschen das Haus verlassen. Das heißt konkret: Lebensmittel einkaufen, den Arzt aufsuchen, zur Arbeit gehen, wenn das Homeoffice keine Option ist. Auch Sport ist erlaubt. Allerdings nur allein, kurz und in der Nähe der Wohnung. Spazierengehen ist kein Grund, das Haus zu verlassen. Und jeder muss ein offizielles Formular, eine Art Passierschein, dabeihaben. Darauf muss vermerkt sein, warum man vor die Türe geht. Die Polizei kontrolliert strikt, manchmal ist der Ton freundlich, manchmal weniger. Wenn man sich nicht an die Regeln hält, drohen 135 Euro Bußgeld.

Wie sieht der Alltag aus?

Trotz der Einschränkungen fahren Busse und die Métro, auf Baustellen sind Arbeiter unterwegs. Vor einigen Supermärkten gibt es Warteschlangen, in anderen sind nur wenige Kunden anzutreffen. Zahlreiche Menschen tragen eine Gesichtsmaske. Die Stadt dürfte kaum so viele Jogger gesehen haben wie in vergangen Tagen. Bei sonnigem Wetter waren am Seine-Ufer so viele Menschen unterwegs, dass die Regionalzeitung "Le Parisien" ungewöhnlich deutlich zu mehr Verantwortungsbewusstsein aufrief und an Hunderte Tote der Pandemie erinnerte.

Wie ist die Lage außerhalb der Hauptstadt?

Die Ausgangssperre gilt für das ganze Land. Gerade in den klassischen Tourismusregionen greifen Bürgermeister und Behörden durch. Strände werden für Besucher geschlossen. Die Riviera-Metropole Nizza, die so stolz ist auf ihr atemberaubendes Mittelmeerpanorama, sperrt sogar die weltberühmte Flaniermeile Promenade des Anglais.

Hat Staatschef Emmanuel Macron die Lage im Griff?

Macrons TV-Ansprache zu Wochenbeginn gipfelte in den Worten: "Wir sind im Krieg." Der 42-Jährige verkündete die Ausgangssperre und sagte die zweite Runde der Kommunalwahlen im Land ab. Seitdem ist der einstige Senkrechtstarter jeden Tag an der Corona-Front zu sehen, ob im Krankenhaus oder bei Forschern.

Auch der mächtigste Franzose kritisiert seine Landsleute – sie würden auf die Sicherheitsanweisungen der Regierung "à la légère" – also leichtfertig – reagieren. Manche fühlen sich an den immer noch im Land verehrten Weltkriegshelden Charles de Gaulle erinnert, der die Franzosen einmal das "beweglichste und ungehorsamste Volk der Welt" nannte.

Hat die Regierung rechtzeitig gehandelt?

Diese Frage führt zu Streit. Denn die frühere Gesundheitsministerin Agnès Buzyn gab in der Zeitung "Le Monde" ein Interview und meinte, sie habe die Mitte-Regierung von Premier Édouard Philippe bereits im Januar – also sehr frühzeitig – vor der Ausbreitung des Virus gewarnt. Die Ärztin gab dann im Februar ihren Ministerposten auf, um bei den Kommunalwahlen für den Pariser Bürgermeisterposten zu kandidieren. "Als ich das Ministerium verließ, weinte ich, weil ich wusste, dass eine Tsunamiwelle vor uns lag."

Die erste Runde der Wahlen fand am vergangenen Sonntag trotz massiver Kritik noch statt, die Endrunde muss nun später nachgeholt werden. Macrons Erzfeindin Marine Le Pen wirft der Regierung Versagen vor: "Alles wurde zu spät gemacht, die Grenzen wurden nicht schnell genug kontrolliert, wir testen nicht genug Leute, wir haben nicht genug Desinfektionsmittel (und) Masken", moniert die Rechtsaußenpolitikerin vom Rassemblement National.

Wo könnte es brenzlig werden?

Frankreichs Gefängnisse sind ohnehin schon überfüllt. Und nicht wenige befürchten, dass sich dort wiederholen könnte, was bereits in Italien passiert ist: Aufstände, Tote. Es bestehe jederzeit die Gefahr eines starken Anstiegs der Spannungen und die Gefahr von Unruhen, warnen Experten. Mit der Ausgangssperre fallen in den Haftanstalten die Besuche weg.

Auch Therapien und Schulungen für Insassen finden nicht mehr statt. Das sei für die Gefangenen eine extrem schwierige Situation. Hinzu komme, dass sich das Coronavirus schnell ausbreiten könne. Teilweise müssen sich bis zu vier Häftlinge eine Zelle teilen. Mitunter gibt es Schlafsäle mit noch mehr Insassen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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