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DĂŒrre und Fluten - Wetterextreme treffen Afrikaner hart

Von dpa
Aktualisiert am 22.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Zwei Kinder im SĂŒden von Madagaskar.
Zwei Kinder im SĂŒden von Madagaskar. Die schlimmste DĂŒrre seit 40 Jahren gefĂ€hrdet in dem vor Afrikas OstkĂŒste gelegenen Inselstaat Madagaskar das Leben hunderttausender Menschen. (Quelle: Tsiory Andriantsoarana/WFP/dpa./dpa)
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Bentiu/Mogadischu (dpa) - Die einen sehnen sich nach Wasser fĂŒr ihre verdorrten Felder, den anderen steht es buchstĂ€blich bis zum Hals und höher.

WĂ€hrend in Madagaskar die schlimmste DĂŒrre seit Jahrzehnten herrscht und auch am Horn von Afrika DĂŒrre zunehmend dramatische Ausmaße angenommen hat, leiden im SĂŒdsudan mindestens 850.000 Menschen unter den schlimmsten Fluten seit langem.

Die jĂ€hrlichen Überschwemmungen der Regenzeit haben nicht das benötigte Nass gebracht, sondern die Vernichtung von Ernten, HĂ€usern und Lebensgrundlagen. Extremwetter, das aufgrund des Klimawandels hĂ€ufiger als frĂŒher auftritt, trifft derzeit gleich in mehreren afrikanischen LĂ€ndern die Menschen mit aller HĂ€rte.

Bilder etwa aus dem sĂŒdsudanesischen Bundesstaat Unity sind dramatisch: Teilweise ragen nur die Dachspitzen der Tukuls, der traditionellen RundhĂŒtten, aus den schlammigen Fluten. In Bentiu, einer der grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte der Region, quillt das FlĂŒchtlingslager ĂŒber, das ursprĂŒnglich fĂŒr BinnenflĂŒchtlinge nach ethnischen Konflikten eingerichtet wurde. Nun sind hier die Einwohner ĂŒberfluteter Dörfer gestrandet, nach oft tagelangen FußmĂ€rschen. Die meisten konnten kaum etwas mitnehmen, ihre Ernte ist in den schlimmsten Überflutungen seit Jahrzehnten vernichtet worden. Latrinen stehen unter Wasser, Krankheiten drohen sich auszubreiten.

Lebensgrundlagen zerstört

"Wir haben im Wasser geschlafen", berichtete etwa die BĂ€uerin Nyapuoa Kuol Bachuy Helfern in Bentiu. "Unsere Lebensgrundlagen sind zerstört. Wir haben nichts, um ein neues Leben zu beginnen und fragen uns alle, wie um alles in der Welt wir das ĂŒberleben sollen." Die Familie, die Obst und GemĂŒse anbaute und damit ein vergleichsweise gutes Einkommen hatte, ist plötzlich auf Hilfe angewiesen - wie so viele Menschen des Landes, das ohnehin nach jahrelangem BĂŒrgerkrieg vor seiner UnabhĂ€ngigkeit stark unterentwickelt ist.

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"Wir erleben im SĂŒdsudan, wie Wetterextreme die Lebensgrundlagen der Menschen zerstören: Überschwemmungen werden in Ausmaß und LĂ€nge immer extremer. Das bedeutet fĂŒr die Menschen weniger Ernte und weniger Einkommen, dafĂŒr mehr Hunger und Verzweiflung", sagt Bettina Iseli, Programmdirektorin der Welthungerhilfe, die knapp 400.000 Euro an zusĂ€tzlicher Soforthilfe bereitgestellt hat, um Familien mit dem Nötigsten zu versorgen und die aufgeweichten Deiche zu verstĂ€rken.

Warten auf den Regen

In Teilen Somalias, Äthiopiens und Kenias dagegen warten die Menschen sehnsĂŒchtig auf Regen. Die somalische Regierung hat vor wenigen Wochen den Notstand ausgerufen, das UN-NothilfebĂŒro OCHA von einer dramatischen Lage gesprochen. Nach den jĂŒngsten Berichten sind mehr als 3,2 Millionen Menschen von den Auswirkungen der DĂŒrre betroffen, rund 169.000 sind bislang aus ihren Dörfern geflohen, um anderswo Wasser oder Weideland fĂŒr ihre Tiere zu finden.

"Die derzeitige DĂŒrre hat Lebensgrundlagen zerstört und Familien an den Rand einer Katastrophe gebracht", warnte Khadija Diriye, die somalische Ministerin fĂŒr Katastrophenschutz, am Montag.

Nach UN-EinschĂ€tzungen ist Somalia das Land in Afrika, das am schwersten von DĂŒrre betroffen ist. In den kommenden Monaten könnte die Zahl der Menschen, die wegen der DĂŒrre ihre Dörfer verlassen mĂŒssen, auf bis zu 1,4 Millionen steigen - und die Ernte im Januar dĂŒrfte aktuellen Berechnungen zufolge um 50 bis 60 Prozent unterhalb des Zehn-Jahre-Durchschnitts liegen. "Das Leben der Menschen in Somalia steht auf dem Spiel, und wir haben keine Zeit zu verlieren", betonte Martin Griffith, der Leiter des UN-NothilfebĂŒros OCHA.

Klimawandel besonders zu spĂŒren

TatsĂ€chlich gehört Afrika sĂŒdlich der Sahara zu den Regionen der Welt, in denen die Folgen des Klimawandels besonders dramatische Folgen haben. Auch die HĂ€ufung von DĂŒrren oder Fluten hat zugenommen. "Wir sprechen von sogenannten kaskadischen Effekten", sagt Christoph Gornott, Agrarwissenschaftler am Potsdam-Institut fĂŒr Klimafolgenforschung und Professor an der UniversitĂ€t Kassel. Er befasst sich vor allem mit der Anpassung landwirtschaftlicher Systeme. Von kaskadischen Effekten wird gesprochen, wenn Auswirkungen des Klimawandels wiederum weitere Auswirkungen auf nicht unmittelbar vom Klimawandel betroffene Bereiche haben – es also eine Kette von KlimawandeleinflĂŒssen gibt – und somit bereits bestehende Probleme noch verstĂ€rken.

Ein Beispiel: "In Afrika gibt es meist sehr alte Böden, die hĂ€ufig nĂ€hrstoffarm und erosionsanfĂ€llig sind", erlĂ€utert Gornott. Bei Trockenheit bestehe die Gefahr von Winderosion, bei Fluten wird ein Teil des Bodens vom Wasser weggerissen. Langfristig drohten durch den Klimawandel sinkende landwirtschaftliche ErtrĂ€ge und im Fall von DĂŒrren und Fluten ErnteausfĂ€lle - und das in einer Region, die ohnehin als "vulnerabel", also verwundbar, gilt und mit zahlreichen anderen Problemen zu kĂ€mpfen hat. "Das wiederum hat schnell Auswirkungen auf die ErnĂ€hrungssituation, so wie jetzt in Madagaskar. Diese kaskadischen Effekte haben wir in Europa weniger stark", so Gornott.

Durch den klimawandelbedingten Temperaturanstieg komme es zu einer stĂ€rkeren ErwĂ€rmung der Landmasse. In dem fast ĂŒberall warmen Klima afrikanischer LĂ€nder mache das nicht nur körperliche Arbeit anstrengender, auch auf das Wachstum von Pflanzen haben die verĂ€nderten Bedingungen Auswirkungen. Durch die höhere Temperatur werde zudem dem Boden Wasser entzogen - auch in jenen Gebieten, in denen es mehr als in vergangenen Jahren und Jahrzehnten regnet.

Nicht alle Probleme etwa der Bodenerosion seien auf den Klimawandel zurĂŒckzufĂŒhren, auch Abholzung etwa zur Produktion von Holzkohle spiele eine Rolle. Wichtig sei, ĂŒber die reine Nothilfe hinaus die betroffenen Staaten zu unterstĂŒtzen, Resilienz gegen die Folgen von Klimawandel zu schaffen, beispielsweise durch Aufforstung, betont der Wissenschaftler. "Die Zeit zum Handeln wird immer knapper."

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