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Kleines Auto, gro├čer Kult - 50 Jahre Bobby-Car

Von dpa
16.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Das Bobby-Car gibt es in vielen verschiedenen Farben.
Das Bobby-Car gibt es in vielen verschiedenen Farben. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa./dpa)
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N├╝rnberg/Braunfels (dpa) - Es ist rot, schon von weitem deutlich h├Ârbar und extrem robust: Das Bobby-Car kennt so gut wie jedes Kind. Auch bei Erwachsenen sind die kleinen Rutschautos Kult, denn viele von ihnen rollten selbst schon damit durch die Gegend.

Vor 50 Jahren wurde das Bobby-Car erstmals auf der Spielwarenmesse in N├╝rnberg vorgestellt. Seitdem hat es Garagen, Kinderzimmer und so manche Rennpiste erobert.

K├╝nstler-Editionen

Mehr als 20 Millionen Bobby-Cars sind beim Hersteller Big bisher vom Band gelaufen. Etwa 2000 St├╝ck werden t├Ąglich in dem Werk in Burghaslach direkt an der Autobahn 3 zwischen N├╝rnberg und W├╝rzburg produziert - und l├Ąngst nicht mehr nur der knallrote Klassiker. Mehr als 100 verschiedene, zum Teil limitierte Modelle gab es bislang: in zahlreichen Farben, als Feuerwehr- oder Polizei-Edition oder gestaltet von namhaften K├╝nstlern oder Designern wie James Rizzi und Philippe Starck.

Als das Bobby-Car vor 50 Jahren auf den Markt kam, gab es f├╝r kleine Kinder vor allem nur das Dreirad. Heute konkurriert es mit Laufr├Ądern f├╝r Minis, dreir├Ądrigen Rollern und allerlei Rutschautos. Trotzdem ist die Nachfrage nach dem Bobby-Car nach Angaben des Herstellers ungebrochen. "Es ist das typische Geschenk zur Geburt oder sp├Ątestens zum 1. Geburtstag", erkl├Ąrt Big-Gesch├Ąftsf├╝hrer Thomas R├Âttenbacher. "Wir profitieren auch davon, dass die Generationen, die mit dem Bobby-Car aufgewachsen sind, jetzt selbst Eltern oder teilweise schon Gro├čeltern sind."

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Design-Klassiker

Doch anfangs sah es nicht nach einer Erfolgsgeschichte aus: Das Bobby-Car wurde wegen seiner funktionalen Form mit der ergonomischen Sitzfl├Ąche bel├Ąchelt. Das ├Ąnderte sich allerdings bald. Heute z├Ąhlt der rote Flitzer mit Lenkrad und Hupe nach Ansicht von Branchenkenner Ulrich Texter wie der Lego-Stein zu den Design-Klassikern. "Es ist ein ikonisches Design, das sich an keinem Fahrzeug orientiert. Aber jeder sieht sofort, wof├╝r es da ist."

Im Gegensatz zu anderen Kinderfahrzeugen, die nur in einer bestimmten Zeitspanne interessant seien, sei das Bobby-Car im Grunde alterslos, meint Texter, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Planet Toys". "Da kann man noch mit 10 Jahren drauf rumknattern", hat er bei seinen Kindern beobachtet: "Die knien drauf, damit sie richtig Tempo kriegen." Und auch Erwachsene k├Ânnen mit dem Bobby-Car noch jede Menge Spa├č haben, wie sich nicht nur in diversen Videos auf TikTok beobachten l├Ąsst.

Ein passionierter Sammler

Holger Sp├Ąth, 51 Jahre, von Beruf Metzger, zum Beispiel: Er ist ein Riesen-Fan. Der Hesse f├Ąhrt nicht nur seit langem Bobby-Car-Rennen, sondern sammelt auch alles rund um das legend├Ąre Plastikauto. Mehr als 300 Exponate hat er in seinem eigenen Bobby-Car-Museum in Braunfels - knapp 70 Kilometer nord├Âstlich von Frankfurt - versammelt: vom Original von 1972 bis zum handsignierten Sondermodell.

Die Sammel- und Rennleidenschaft packte ihn 2008, als seine Tochter zur Geburt ein Bobby-Car bekam. "Das ist wohl das Kind im Manne", meint er. Damals habe er aus Spa├č ein Rennen mit dem Auto seiner Tochter gefahren - und dieses dabei gleich kaputtgemacht, obwohl es eigentlich ziemlich viel aushalte. Also musste er ein Neues kaufen. "Da habe ich im Prinzip mit dem Sammeln angefangen."

Sp├Ąter gr├╝ndete Sp├Ąth zusammen mit anderen Fans den Bobby-Car-Sport-Verband, der die offiziellen Meisterschaften organisiert. Neben seinen Sch├Ątzen im Museum besitzt er auch mehrere regelkonform getunte Rennschlitten mit speziellen Kugellagern und Luftreifen. Normalerweise - also vor Corona - f├Ąhrt er mehrmals im Jahr bei den abenteuerlichen Rennen absch├╝ssige Pisten in einem Affenzahn hinab und erreicht dabei Geschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern pro Stunde.

"Wenn man selber draufsitzt, kommt es einem gar nicht so schnell vor", erz├Ąhlt er. Das mag auch an dem Helm und der Schutzkleidung liegen. Extra f├╝r die Rennen trainieren sei nicht n├Âtig. Was man aber unbedingt ├╝ben m├╝sse, sei das Bremsen, betont er. Denn beim Bobby-Car schiebt man sich nicht nur mit den F├╝├čen an, man bremst auch mit ihnen. F├╝r die Rennen klebt sich Sp├Ąth deshalb Autoreifen unter die Schuhe. "Wenn man einmal bei 120 gebremst hat, sind sonst keine Schuhe mehr da."

Ja, die Schuhe, die sind sowieso ein Thema beim Bobby-Car. Sohlen und Schuhspitzen werden zum ├ärger mancher Eltern auch schon beim normalen Fahren kr├Ąftig abgenutzt. Der Hersteller bietet deshalb schon l├Ąnger spezielle Schuhschoner an. Und auch f├╝r die Nerven l├Ąrmempfindlicher Nachbarn gibt es Entlastung: Fl├╝sterreifen d├Ąmpfen inzwischen die f├╝rs Bobby-Car typischen Polter-Ger├Ąusche.

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