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Fall Gustl Mollath: Zeugen schildern Mollath als bedrohliche Figur

Pflichtverteidiger hat Angst  

Zeugen schildern Mollath als bedrohliche Figur

10.07.2014, 14:06 Uhr | t-online.de, dpa

Fall Gustl Mollath: Zeugen schildern Mollath als bedrohliche Figur. Gustl Mollath: Opfer, Täter oder beides? (Quelle: dpa)

Gustl Mollath: Opfer, Täter oder beides? (Quelle: dpa)

Am dritten Tag des Wiederaufnahmeverfahrens gegen Gustl Mollath haben am Mittwoch zwei Zeugen das integere Bild, das der Angeklagte von sich selbst zeichnet, erschüttert. Zuerst schilderte die Schwägerin seiner Ex-Frau Mollath als bedrohliche Figur.

Vor allem aber Thomas Dolmany, Mollaths früherer Pflichtverteidiger, wartete mit Geschichten auf, die geeignet erscheinen, den Angeklagten als zumindest sehr labile, teils Angst einflößende Persönlichkeit zu zeigen.

Erst abends befragte das Landgericht Regensburg den Juristen, der unter anderem schilderte, wie er seit der Mollath-Affäre selbst von Kollegen angefeindet und geschmäht werde. Dolmany schilderte Mollath laut "Spiegel Online" zunächst als schwierigen, eigenwilligen Klienten, der sich Absprachen entzogen und ihm misstraut habe.

"Da hab ich richtig Angst gehabt"

Im Prozess habe er Mollath dann erstmals persönlich kennen gelernt. Da habe der Beklagte den Tisch mit Schriftstücken zu den Nürnberger Prozessen bedeckt und daraus vorgelesen, ohne sich weiter mit den Vorwürfen des Anklägers auseinanderzusetzen.

An einem Freitag habe er nach 20 Uhr in einem leeren Geschäftshaus im vierten Stock in seiner Kanzlei gesessen, als Mollath an die Tür geschlagen und gerufen habe: "Dolmany, ich will mit dir reden, mach auf!"

"Ich hab selten Angst", zitiert "Spiegel Online" Dolmany. "Aber da hab ich richtig Angst gehabt." Er habe sich demnach gefragt, was Mollath von ihm wolle.

"Der hat ausgeforscht, wo ich wohne"

Außerdem sei es bei einer Begegnung mit Mollath in einem Fotoladen zu folgendem Dialog gekommen: "Na, Herr Dolmany, wie geht's?" - "Gut." - "Noch gut, aber nicht mehr lange!"

Ähnliches sei mehrmals passiert. Mollath habe ausgeforscht, wo er wohne. Dolmany hatte daraufhin um seine Entpflichtung als Verteidiger gebeten. Die wurde abgelehnt mit der Begründung, ein Rechtsanwalt müsse mit so etwas rechnen.

Dolmany schilderte, wie er noch heute Angst vor Mollath habe. Der sprach daraufhin laut dem Onlinedienst auf den Verteidiger ein: Er müsse vor ihm keine Angst haben und brauche wohl selbst Hilfe.

Blaue Flecken und Bisse

Zuvor hatte Petra M., die Schwägerin von Mollaths Ex-Frau, deren Prügelvorwürfe untermauert: "Sie hat mir gesagt, dass sie von ihrem Mann wieder misshandelt wurde", sagte die 51-jährige Arzthelferin.

Im August 2001 habe sie bei Mollaths Frau blaue Flecken am Hals und eine Bissverletzung am Arm gesehen. Nach ihrem Rat habe sich die Frau dann von ihrem Chef untersuchen lassen. Dieser habe ein Attest ausgestellt.

Im Schlafzimmer eingesperrt

Ein Jahr später waren beiden Frauen dann zu der Wohnung der Mollaths gefahren, um Kleider der Ehefrau nach der Trennung abzuholen. "Es war eine bedrohliche Situation. Im Hausflur war alles abgedunkelt, und Herr Mollath hat sich bedrohlich vor mir aufgebaut", sagte die Zeugin. Schließlich hätten beide Frauen aber das Haus verlassen können. Mollath soll zuvor seine damalige Ehefrau für mehr als eine Stunde im Schlafzimmer eingesperrt haben.

Allerdings sorgten ihre Aussagen beim Gericht und vor allem bei der Verteidigung für Unverständnis. Die Zeugin hatte in einem ersten Verfahren vor dem Amtsgericht Nürnberg 2004 ausgesagt, sie habe nichts von Verletzungen gesehen, und sie habe Gustl Mollath nicht gesehen, als sie die Kleider abholten. "Die damalige Befragung war extrem kurz und oberflächlich", betonte die Zeugin am Mittwoch. Sie sei sich ihrer Aussage sicher. Mollaths Verteidigung stellte die Glaubwürdigkeit der Zeugenaussage in Frage.

Der vor einem Jahr freigelassene 57-Jährige muss sich derzeit unter anderem wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung verantworten. Er soll 2001 seine damalige Ehefrau misshandelt und eingesperrt haben.

40 Zeugen sagen aus

17 Prozesstage sind bis Mitte August in Regensburg angesetzt. Etwa 40 Zeugen sollen aussagen, darunter auch ein psychiatrischer Gutachter. Ein Gerichtssprecher sagt, es bestehe weiter die Möglichkeit, dass das Urteil gegen Mollath auf Unterbringung lauten könnte.

In dem Prozess geht es um zwei Taten: 2001 soll Mollath laut Anklage seine damalige Frau massiv geschlagen, gebissen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Nach der Trennung habe er sie neun Monate später gegen ihren Willen festgehalten. Gefährliche Körperverletzung und Freiheitsberaubung lauten die Anklagepunkte.

Außerdem soll Mollath Ende 2004 bei Menschen aus dem Umfeld seiner Ex-Frau Autoreifen zerstochen haben. Laut Anklage hat er sich an Menschen rächen wollen, die an der Scheidung von seiner Frau beteiligt waren oder sich sonst irgendwie gegen Mollath gerichtet hatten. Mollath hatte sich über Jahre gegen seine Zwangseinweisung in die Psychiatrie gewehrt.

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