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Sklaverei-Prozess: Gericht verurteilt arabische Prinzessinnen

Sklaverei-Prozess  

Gericht verurteilt arabische Prinzessinnen

23.06.2017, 12:19 Uhr | dpa

Sklaverei-Prozess: Gericht verurteilt arabische Prinzessinnen. Eines der Opfer wird beim Prozess gegen acht arabische Prinzessinnen in Brüssel aus dem Gerichtssaal geführt. (Quelle: dpa/Dirk Waem/BELGA)

Eines der Opfer wird beim Prozess gegen acht arabische Prinzessinnen in Brüssel aus dem Gerichtssaal geführt. (Quelle: Dirk Waem/BELGA/dpa)

Mehrere arabische Prinzessinnen sollen bei einem Aufenthalt in Brüssel zahlreiche Angestellte unmenschlich behandelt haben. Ein Gericht verurteilte sie jetzt zu Bewährungsstrafen.

Die Prinzessinnen sind zu jeweils 15 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Zudem legten die Richter in Brüssel eine Geldstrafe von jeweils 165.000 Euro für die Frauen fest. Angeklagt waren die Witwe eines Scheichs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und sieben ihrer Töchter, weil sie ihre mehr als 20 Angestellten während eines Aufenthalts in einem Brüsseler Luxushotel 2007 und 2008 fast wie Sklaven behandelt hatten.

Den Vorwurf der unmenschlichen Behandlung sahen die Richter allerdings nicht erwiesen. Auch stellte das Gericht keine Verstöße gegen das belgische Arbeitsrecht fest: Nicht die Prinzessinnen, sondern ein Unternehmen sei Arbeitgeber der Köche, Dienstboten und Kindermädchen gewesen. Ein mitangeklagter Verwalter der Scheich-Familie wurde freigesprochen.

Sowohl die Ankläger als auch die Verteidiger signalisierten die Absicht, das Urteil anzufechten. Bei der Verkündung waren weder die Opfer noch die Angeklagten anwesend.

Als Hündinnen und Huren beschimpft

Die Scheichfamilie hatte eine gesamte Etage eines Luxushotels in der belgischen Hauptstadt auf Jahresbasis gemietet. Dort mussten ihnen die Angestellten laut den Anklägern Tag und Nacht zu Diensten sein. Beim Auftakt der Verhandlung im Mai schilderten einige der Angestellten, wie ihnen ihre Pässe abgenommen, sie eingesperrt und sie als "Kühe, Hündinnen und Huren" beschimpft worden seien. Lohn sollen sie nicht bekommen haben.

Eine Zeugin berichtete, wie sie nach Abu Dhabi gelockt worden sei. "Dort hat man mir meinen Pass abgenommen", sagte die junge Frau. Später sei sie im Tross der reichen Scheichfamilie nach Brüssel gekommen, wo sie und die anderen Betroffenen als Köche, Dienst- und Kindermädchen für ihre Herrschaft hätten schuften müssen. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.

"Unser Schlaf hing von ihrem Schlaf ab", gab eine Frau zu Protokoll – die Dienstmädchen hätten auf Matratzen vor den Zimmern der Prinzessinnen auf deren Befehle warten müssen. Bekannt wurden die Zustände, weil Dienstmädchen flohen und die Behörden informierten.

"Die Arbeitsbedingungen verstießen gegen die Menschenwürde", sagte der Nebenklage-Anwalt Philippe Mortiaux. Die Nebenklage forderte 2500 Euro Schadensersatz für jedes Opfer sowie sechsstellige Beträge für ausstehendes Gehalt: in einem Fall mehr als 467.000 Euro, berechnet nach belgischem Recht für monatelangen 24-Stunden-Dauerdienst.

"Prinzessinnen" weisen Anschuldigungen zurück

Die Scheich-Witwe und ihre Töchter waren bei der Verhandlung nicht anwesend und wiesen die Anschuldigungen zurück. Ihre Verteidiger warfen einigen der Angestellten vor, die Ereignisse übertrieben dargestellt zu haben. Sie forderten Freisprüche für ihre Mandantinnen.

Die Verteidiger argumentierten, ein Privatunternehmen habe die Arbeitsverträge mit den Betroffenen abgeschlossen und sei deshalb auch rechtlich für deren Behandlung verantwortlich. Die Scheichfamilie ist allerdings der Firmeneigner.

Millionen moderner Sklaven

Der prominente Fall wirft Licht auf Formen moderner Sklaverei. Diese ist zwar international verboten, existiert faktisch dennoch. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) werden weltweit fast 21 Millionen Menschen zur Arbeit in Fabriken, auf Feldern, in Privathaushalten oder auf Baustellen gezwungen.

Auch in Europa gebe es eine hohe Dunkelziffer, heißt es bei der gemeinnützigen Organisation International Justice Mission. Zwar geht die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels in Deutschland seit Jahren zurück. Viel Fälle würden aber nicht zur Anzeige gebracht, so die Organisation.

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