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15 Arbeitsrecht-Mythen ÔÇô was erlaubt ist und was nicht

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft, Sabrina Manthey

Aktualisiert am 22.01.2021Lesedauer: 6 Min.
Gek├╝ndigter Arbeitnehmer: Eine K├╝ndigung kann fristlos und fristgerecht erfolgen. In beiden F├Ąllen hat der Arbeitgeber Rechte.
Gek├╝ndigter Arbeitnehmer: Eine K├╝ndigung kann fristlos und fristgerecht erfolgen. In beiden F├Ąllen hat der Arbeitgeber Rechte. (Quelle: BartekSzewczyk/getty-images-bilder)
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Bei einer K├╝ndigung besteht Anspruch auf eine Abfindung, vor dem Rauswurf muss abgemahnt werden und bei der Bewerbung darf geflunkert werden. Richtig? Nicht unbedingt. Tappen Sie nicht in die Falle.

Das Wichtigste im ├ťberblick


Es gibt wenige Bereiche im Leben, in denen es so viel Halbwissen und Mythen gibt wie im Beruf. Habe ich etwa Anspruch auf eine Abfindung? Kann ich immer auf Teilzeit wechseln? Und darf ich beim Bewerbungsgespr├Ąch l├╝gen?

t-online zeigt Ihnen die 15 wichtigsten Mythen des Arbeitsrechts ÔÇô und erkl├Ąrt Ihnen, wie es wirklich ist.

1. K├╝ndigungsgrund

Eine normale, sogenannte ordentliche und fristgerechte K├╝ndigung muss der Arbeitnehmer nicht begr├╝nden. Hier reicht ein K├╝ndigungsschreiben ohne weitere Erl├Ąuterungen.

Anders sieht es aus, wenn Sie aus einem wichtigen Grund k├╝ndigen. Zwar m├╝ssen Sie diesen nicht zwingend im K├╝ndigungsschreiben ausf├╝hren. Doch es kann Sinn ergeben. Der Grund: Ihr Arbeitgeber k├Ânnte wegen der K├╝ndigung Schadenersatzanspr├╝che gegen Sie erheben. Haben Sie einen wichtigen Grund angegeben, ersparen Sie sich das wom├Âglich.

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Eine K├╝ndigung aus einem wichtigen Grund kann zum Beispiel sein, wenn Ihr Arbeitgeber den Lohn auch nach Abmahnung immer wieder zu sp├Ąt zahlt. Andere Gr├╝nde sind etwa Diskriminierung oder sexuelle Bel├Ąstigung am Arbeitsplatz.

2. Abfindung

Es besteht die landl├Ąufige Meinung, dass Mitarbeiter bei einer K├╝ndigung einen Anspruch auf eine Abfindung haben. Dem ist nicht so.

Ist eine K├╝ndigung rechtens ÔÇô ob fristlos oder ordentlich ÔÇô sind Unternehmen nicht zu einer Sonderzahlung wie der Abfindung verpflichtet.

Anders sieht es bei einer betriebsbedingten K├╝ndigung aus ÔÇô hier k├Ânnen Sie in der Regel eine Abfindung fordern. Ihr Arbeitgeber kann Ihnen auch eine Abfindung anbieten, wenn Sie im Gegenzug auf eine Arbeitsschutzklage verzichten. In diesem Fall sollten Sie gut abw├Ągen, ob es sinnvoller ist, die Abfindung zu akzeptieren.

F├╝r die H├Âhe der Abfindung gibt es indes keine feste Regel. Es gibt jedoch eine grobe Richtschnur: ein halbes Bruttomonatseinkommen je Besch├Ąftigungsjahr. Die Abfindung wird mit dem Gehalt ├╝berwiesen und muss versteuert werden.

3. Neuer Arbeitgeber, neuer Urlaub?

Mit dem neuen Arbeitgeber kommen auch neue Urlaubstage? Ganz so einfach ist es nicht. Der Anspruch auf Urlaub besteht nicht, soweit Ihnen f├╝r das laufende Kalenderjahr bereits von Ihrem fr├╝heren Arbeitgeber Urlaub gew├Ąhrt worden ist. Doppelanspr├╝che sind also ausgeschlossen.

Aber wie kann der neue Arbeitgeber das ├╝berpr├╝fen? Hier kommt die sogenannte Urlaubsbescheinigung ins Spiel. Ihr alter Arbeitgeber muss dem neuen Arbeitgeber ausstellen, wie viele Urlaubstage der Arbeitnehmer im Jahr schon genommen oder abgegolten bekommen hat.

4. Abmahnung

Vorsicht bei diesem Mythos: Vor einer K├╝ndigung muss ein Arbeitnehmer mindestens drei Mal abgemahnt worden sein, erst dann ist die K├╝ndigung rechtens. Das stimmt nicht.

Bei einer verhaltensbedingten K├╝ndigung muss das entsprechende Verhalten des Arbeitnehmers zumindest einmal zuvor abgemahnt worden sein. Gibt es einen Betriebsrat im Unternehmen, muss dieser in dem Fall nicht zustimmen.

Der Betriebsrat muss aber geh├Ârt werden und kann der K├╝ndigung widersprechen. Unwirksam wird die K├╝ndigung dadurch nicht.

5. Krankheit

Wenn ich krank bin, kann mich mein Chef nicht rausschmei├čen? Falsch.

Krankheit sch├╝tzt nicht vor K├╝ndigung. Das bedeutet: Ein Arbeitnehmer kann auch w├Ąhrend einer laufenden Krankschreibung gek├╝ndigt werden.

6. Arbeitszeugnis zu jeder Zeit

Klar ist: Sie haben Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, wenn Sie das Arbeitsverh├Ąltnis beenden. Das gilt auch, wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber in einem K├╝ndigungsschutzprozess ├╝ber die Rechtm├Ą├čigkeit der K├╝ndigung streiten. Sie m├╝ssen sich somit auch nicht bis zum Ende des Prozesses mit einem Zwischenzeugnis begn├╝gen.

Es gilt jedoch: Ein Arbeitszeugnis k├Ânnen Sie oft nicht zu jeder Zeit nachfordern. Denn in Arbeits- oder Tarifvertr├Ągen finden sich oft abweichende Regeln ÔÇô und Ausschlussfristen. In diesem Fall sollten Sie sich beeilen, ein Arbeitszeugnis anzufordern.

7. K├╝ndigungsfrist

Mein Arbeitgeber kann mich von jetzt auf gleich rausschmei├čen? Nein. Selbst wenn Ihr Chef Ihnen fristlos k├╝ndigt, muss er gewisse Fristen einhalten. In der Realit├Ąt ist es aber oft so, dass Sie Ihren restlichen Urlaub abfeiern ÔÇô und vor Ablauf einer K├╝ndigungsfrist nicht mehr arbeiten m├╝ssen.

Generell gilt: Je mehr Jahre ein Arbeitnehmer im Unternehmen t├Ątig war, desto l├Ąnger ist die einzuhaltende gesetzliche K├╝ndigungsfrist. Das sind die gestaffelten Fristen, die Arbeitgeber einzuhalten haben:

Betriebszugeh├Ârigkeit K├╝ndigungsfrist
0 bis 6 Monate (Probezeit) 2 Wochen zu jedem beliebigen Tag
7 Monate bis 2 Jahre 4 Wochen zum 15. oder zum Ende des Kalendermonats
2 Jahre 1 Monat zum Ende des Kalendermonats
5 Jahre 2 Monate zum Ende des Kalendermonats
8 Jahre 3 Monate zum Ende des Kalendermonats
10 Jahre 4 Monate zum Ende des Kalendermonats
12 Jahre 5 Monate zum Ende des Kalendermonats
15 Jahre 6 Monate zum Ende des Kalendermonats
20 Jahre 7 Monate zum Ende des Kalendermonats

8. Minusstunden

Sind feste t├Ągliche Arbeitszeiten vertraglich vereinbart, kann ein Arbeitgeber diese nicht einfach verschieben. Ihr Chef kann also in dem Fall keine Minusstunden anordnen.

Anders sieht es aber bei Arbeitszeitkonten aus. Hat Ihr Arbeitgeber mit Zustimmung des Betriebsrats dies entsprechend vereinbart, k├Ânnen Minusstunden der Mitarbeiter in den Konten erfasst werden.

Das geschieht etwa bei saisonalen Schwankungen. Zumeist wird aber eine Grenze f├╝r Minusstunden vereinbart. Minusstunden k├Ânnen auch entstehen, wenn Sie selbst etwa wegen eines Arzttermins sp├Ąter kommen m├Âchten.

9. Von Vollzeit auf Teilzeit

Mitarbeiter, die l├Ąnger als sechs Monate in einem Unternehmen mit mehr als 15 Besch├Ąftigten gearbeitet haben, k├Ânnen ihre vertraglich vereinbarte Arbeitszeit verringern. Der Arbeitnehmer muss die Verringerung seiner Arbeitszeit und den Umfang der Verringerung sp├Ątestens drei Monate vor deren Beginn geltend machen.

Der kleine Haken: Der Arbeitnehmer hat nicht grunds├Ątzlich den gesetzlichen Anspruch auf genau den gleichen Job, den er bislang aus├╝bte. Dem Wunsch nach einer Verringerung der Arbeitszeit kann widersprochen werden, wenn dem Unternehmen unverh├Ąltnism├Ą├čige Kosten entstehen oder dadurch die Sicherheit oder der Arbeitsablauf im Betrieb wesentlich beeintr├Ąchtigt wird.

10. Kurzarbeit abgelehnt

Ihr Arbeitgeber kann bei der Arbeitsagentur Kurzarbeitergeld f├╝r die Mitarbeiter beantragen. Die Agentur kann das aber ablehnen, das ist richtig. In dem Fall kann Ihr Chef Einspruch dagegen einlegen ÔÇô die Agentur pr├╝ft dann noch einmal, ob Kurzarbeit in Ihrem Betrieb m├Âglich ist.

Gut zu wissen: Wenn Sie in Kurzarbeit sind, darf Ihr Arbeitgeber Ihnen keine ├ťberstunden aufbrummen. Denn schlie├člich ist die Kurzarbeit ja da, weil es zu wenig Arbeit gibt.

11. Versetzung zustimmen

Ihr Arbeitgeber muss Sie nicht um Erlaubnis fragen, wenn er Sie versetzen will. Denn eine Versetzung ist durch das sogenannte Direktionsrecht Ihres Arbeitgebers gedeckt und kann sich zum Beispiel auf die Arbeitszeit, den Umfang, den Ort oder auch das Aufgabenportfolio beziehen.

Meist ist in Ihrem Arbeitsvertrag festgehalten, zu welchen anderen T├Ątigkeiten Sie auch verpflichtet werden k├Ânnen. Die neuen Aufgaben sollten allerdings sowohl in der Hierarchie- als auch in der Gehaltsstufe vergleichbar sein.

Ansonsten k├Ânnen Sie rechtlich dagegen vorgehen. Wenn die Versetzung aber vertragsgerecht ist und Sie sich trotzdem weigern, riskieren Sie eine Abmahnung ÔÇô oder gar eine K├╝ndigung.

12. M├╝ndliche K├╝ndigung

Mein Arbeitgeber kann mich auch m├╝ndlich k├╝ndigen? Oder ich kann ihm eine WhatsApp-Nachricht schreiben, dass ich fortan dort nicht mehr arbeiten werde? Beides falsch.

Eine K├╝ndigung muss auf jeden Fall schriftlich erfolgen. Es reicht weder eine Mail noch ein Anruf oder gar eine SMS oder WhatsApp-Nachricht.

13. Betriebsausflug

Kann ich dem Betriebsausflug fernbleiben? Ja, das d├╝rfen Sie ÔÇô allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Der Arbeitsvertrag verpflichtet nur zur Arbeit, nicht zum Vergn├╝gen. Allerdings ist es so einfach auch nicht.

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Denn: Wer nicht am Betriebsausflug teilnehmen m├Âchte und keinen Urlaub beantragt hat, muss zur Arbeit erscheinen. Dies ist jedoch ausgeschlossen, wenn f├╝r den Tag des Betriebsausflugs das Firmengel├Ąnde verschlossen bleibt.

Umgekehrt gilt ebenso: Ist der Ausflug f├╝r die ganze Firma oder eine Abteilung gedacht, darf kein Mitarbeiter ausgeschlossen werden. Einzig f├╝r den Fall eines Notdienstes k├Ânnen Mitarbeiter zum Arbeiten verpflichtet werden.

14. Beim Bewerbungsgespr├Ąch l├╝gen

Darf ich beim Bewerbungsgespr├Ąch l├╝gen? Nein ÔÇô zumindest nicht bei allen Fragen, die mit den betrieblichen Anforderungen an den Job zusammenh├Ąngen. Also etwa, wenn es um die Berufserfahrung, relevante Kenntnisse, die pers├Ânliche Verf├╝gbarkeit oder in manchen F├Ąllen um Vorstrafen geht. Wenn Sie eine solche berechtigte Frage wahrheitswidrig beantworten, riskieren Sie, dass der Arbeitgeber das Arbeitsverh├Ąltnis anficht oder k├╝ndigt.

Im Gegenzug hei├čt das: Bei unzul├Ąssigen Fragen d├╝rfen Sie l├╝gen. Das sind etwa Fragen zur Familienplanung, zu einer Schwangerschaft oder zur sexuellen Orientierung.

Gut zu wissen: Eine grunds├Ątzliche Offenbarungspflicht f├╝r Bewerber gibt es aber nicht. Das hei├čt: Wenn Sie zu einem bestimmten Thema nicht gefragt werden, m├╝ssen Sie diese Infos auch nicht von sich aus offenlegen.

15. Mitarbeiterfotos auf Webseite

In der Regel ist eine Ver├Âffentlichung von Fotos auf der Webseite ÔÇô oder in sozialen Medien ÔÇô nicht relevant f├╝r das Arbeitsverh├Ąltnis ÔÇô und nur in dem Fall darf Ihr Arbeitgeber personenbezogene Daten verarbeiten.

Das hei├čt also im Gegenzug: Ihr Arbeitgeber braucht in anderen F├Ąllen die schriftliche Einwilligung des Arbeitnehmers. In dieser k├Ânnen Sie festlegen, zu welchem Zweck Ihr Arbeitgeber Fotos nutzen darf. Sie k├Ânnen diese Einwilligung jederzeit zur├╝ckziehen.

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Ausnahmen k├Ânnen f├╝r Arbeitnehmer gelten, f├╝r die es wegen ihres Amtes oder ihrer Position erforderlich ist, auf der Firmenwebseite mit Foto und Kontaktdaten zu erscheinen. In diesen F├Ąllen ist keine Einwilligung des Arbeitnehmers erforderlich. Endet das Arbeitsverh├Ąltnis, k├Ânnen Sie verlangen, dass das eigene Bild von der Webseite genommen wird.

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