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Stadt kümmerte sich schon länger um 14-Jährigen

Von dpa
Aktualisiert am 10.07.2019Lesedauer: 3 Min.
Radschnellweg in Mülheim: In der Nähe der Gebüsche soll eine junge Frau von einer Gruppe Jugendlicher überfallen und sexuell missbraucht worden sein.
Radschnellweg in Mülheim: In der Nähe der Gebüsche soll eine junge Frau von einer Gruppe Jugendlicher überfallen und sexuell missbraucht worden sein. (Quelle: Roland Weihrauch/dpa-bilder)
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Der Staat hatte schon länger ein Auge auf den 14-Jährigen, der der Vergewaltigung verdächtigt wird. "Kurve kriegen" heißt die Maßnahme, die verhindern soll, dass Jugendliche zu Intensivtätern werden.

Der inhaftierte 14-Jährige im Fall der mutmaßlichen Vergewaltigung in Mülheim an der Ruhr hat laut Stadtverwaltung schon länger an einer Präventivmaßnahme teilgenommen. Der Tatverdächtige befinde sich in der Maßnahme "Kurve kriegen", "um ihn aus dem Strudel einer Intensivtäterschaft herauszuholen", sagte Stadtsprecher Volker Wiebels am Mittwoch. Insgesamt drei 14-Jährige und zwei 12-Jährige stehen im Verdacht, am Freitagabend in Mülheim eine junge Frau in einem Waldstück vergewaltigt zu haben.

Eine Betreuung der Familie des in Haft sitzenden Jugendlichen sei schon 2018 durch eine professionelle Organisation eingeleitet worden, so der Stadtsprecher. Auch habe es im Vorjahr einen runden Tisch aller beteiligten Institutionen gegeben. Daran seien unter anderem Jugendamt, Polizei und die Schule des 14-Jährigen beteiligt gewesen.

Sonderprogramm für auffällige Kinder

Gegen den inhaftierten 14-Jährige war wegen Wiederholungsgefahr Untersuchungshaft angeordnet worden. Er soll in der Vergangenheit in noch strafunmündigem Alter wegen zwei sexuellen Belästigungen aufgefallen sein, hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Über weitere Taten oder Verdachtsfälle wurde zunächst nichts bekannt.

"Kurve kriegen" wurde 2011 ins Leben gerufen. Die Initiative des NRW-Innenministeriums soll mehrfach tatverdächtige Kinder und junge Jugendliche helfen, Wege aus der Kriminalität zu finden. Zielgruppe sind auffällige Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 15. Bei der Maßnahme arbeiten pädagogische Fachkräfte mit der Polizei zusammen.

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Familien sind sehr kooperativ

Wie der Stadtsprecher berichtete, hat das Jugendamt mittlerweile Kontakt zu allen Familien der fünf minderjährigen Tatverdächtigen: "Heute haben alle Familien sehr bereitwillig mit uns zusammengearbeitet." Beim Versuch einer Kontaktaufnahme am Montag hatte mindestens eine Familie die angebotene Hilfe noch abgelehnt.

Das Jugendamt habe sich nun in den Wohnungen der Familien ein Bild davon gemacht, dass das Kindeswohl der Verdächtigen und ihrer Geschwister nicht gefährdet sei. "Wir werden jetzt individuell für jede Familie Hilfestellungen anbieten." Die Familien sollen "engmaschig" betreut werden. Denkbar seien etwa Beratungsgespräche, psychologische Betreuung oder Familienhilfe zur Alltagsbegleitung.

"Teilweise hat man gemerkt, dass die Erziehungsberechtigten sogar ganz froh waren, dass jetzt professionelle Hilfe kommt", sagte der Stadtsprecher. Er betonte, dass auch eine intensive Betreuung des Opfers und dessen Familie durch die Stadt gewährleistet sei.

Weiterer Vorfall in Mülheim

Die Polizei in Mülheim ermittelt außerdem in einem Fall mutmaßlicher sexueller Belästigung einer Jugendlichen am Sonntag. Laut Duisburger Staatsanwaltschaft soll eine Jugendliche von fünf Tatverdächtigen eingekreist worden sein. Zwei der fünf sollen die Jugendliche dann unsittlich angefasst haben.

Auch in der Ruhrgebietsstadt Herne soll es Mitte Mai einen sexuellen Übergriff auf eine Jugendliche gegeben haben, an dem Gleichaltrige beteiligt waren. Die Polizei Bochum ermittele deshalb bereits seit mehreren Wochen, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Betroffen sei eine 14 Jahre alte Schülerin, zwei ihrer Mitschüler im Alter von 13 und 14 Jahren werden der Tat verdächtigt. Über den Fall in Herne hatte zuvor die "Bild"-Zeitung berichtet.


Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sprach sich gegen eine Absenkung des Strafmündigkeitsalters aus. Der Fall in Mülheim habe sie entsetzt, "Empörung allein ist aber kein guter Ratgeber", sagte die Ministerin der "Augsburger Allgemeinen". "Strafrechtliche Verantwortung setzt einen bestimmten Entwicklungsstand voraus, der bei Kindern unter 14 Jahren regelmäßig nicht gegeben ist."

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