INTERVIEWFlut-Einsatz

"Wir Landwirte haben keine Befehlskette. Wir machen"

28.07.2021, 13:33 Uhr

Großes Aufräumen nach der Flut: Landwirte spielen eine große Rolle. (Quelle: Wolfgang Rattay/Reuters)

Für viele Betroffene kam Hilfe in der Flut von Landwirten. Sie waren schnell vor Ort mit Baggern, Kippladern – und WhatsApp-Gruppen. Wie das kam und wie man vom Schweinestall an der niederländischen Grenze aus helfen kann: Einer der Organisatoren gibt Einblick. 

Wenn ein größerer Bagger an einem der Katastrophenorte an der Ahr gebraucht wird und unter den 107 Mitglieder in einer WhatsApp-Gruppe für Helfer niemand reagiert, dann schaltet sich Frank Kisfeld ein. "Wenn sich da eine halbe Stunde nichts tut, weil alle so beschäftigt sind, dann rufe ich mal an. Ich weiß ja meist, wer infrage kommt", sagt Kisfeld. Er steht dann vielleicht gerade im Stall. Der Landwirt betreibt Schweinemast, eine Biogasanlage und Ackerbau, und er konnte den Hof nicht verlassen zum Helfen. Seit anderthalb Wochen ist er trotzdem im Dauereinsatz und mehr als 200 Kilometer von der Ahr entfernt Drehscheibe für helfende Landwirte und Unternehmer. t-online hat mit ihm darüber gesprochen, wie schnelle Hilfe aussieht und was die Bauern dort tun.

Herr Kisfeld, wie viele Telefonate führen Sie im Moment?

Tote, Schäden, Chaos: Flutkatastrophe in Deutschland

Trümmer in Bad Neuenahr im Kreis Ahrweiler: Allein in der Kreisstadt werden die Aufräumarbeiten Monate dauern, prognostizieren die Behörden. (Quelle: Bonnfilm/imago images)

Freiwillige helfen bei den Aufräumarbeiten in Mayschoss in der Verbandsgemeindet Altenahr: Tagelang war der Ort von Hilfe abgeschnitten, seit Sonntag ist auch die Bundeswehr im Ort. (Quelle: Reichwein/imago images)

Mayschoss im Kreis Ahrweiler: Waltraud Schütz steht in den Trümmern vor ihrem Haus. (Quelle: Reichwein/imago images)

Mülheim-Ruhr: Das Passagierschiff "Moornixe" wurde von den Fluten verschluckt und zieht Öllachen. Taucher untersuchen, ob es geborgen werden kann. (Quelle: Udo Gottschalk/imago images)

Müllhalden vor der Stadt Bad Neuenahr: Die Abfalldienste sind überfordert. In den vom Hochwasser getroffenen Orten fällt so viel Müll und Schrott an, wie sonst in einem ganzen Jahr. (Quelle: Bonnfilm/imago images)

Gotteshaus im Schlamm: Die Bundeswehr hilft bei den Aufräumarbeiten im Kreis Ahrweiler. (Quelle: Bonnfilm /imago images)

Bad Neuenahr-Ahrweiler, Rheinland-Pfalz: Die Bilder aus der Region zeigen massive Verwüstungen. (Quelle: Thomas FreyThomas Frey/dpa)

Bad Neuenahr-Ahrweiler, Rheinland-Pfalz: Häuser und Autos im Ahrtal im Ortsteil Walporzheim sind zerstört. In den vom Unwetter betroffenen Gebieten beginnen die Aufräumarbeiten. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Ahrweiler, Rheinland-Pfalz: Anwohner und Ladeninhaber versuchen, ihre Häuser vom Schlamm zu befreien und unbrauchbares Mobiliar nach draußen zu bringen. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Bad Münstereifel, Nordrhein-Westfalen: Zerstörtes Möbiliar liegt auf einem Feld außerhalb des Ortsteils Arloff. (Quelle: Marius Becker/dpa)

Erftstadt, Nordrhein-Westfalen: Ein Panzer der Bundeswehr beim Bergen von Fahrzeugen auf der B265. (Quelle: David Young/dpa)

Bad Münstereifel, Nordrhein-Westfalen: Ein Helfer befördert Müll und Trümmer an der Erft entlang. In der Nacht zum 15.07.2021 verwüstete das Hochwasser der Erft den historischen Kern der Stadt total. Straßen, Läden wurden überflutet. Gas-,Strom und Telefonleitungen freigelegt. (Quelle: Roberto Pfeil/dpa)

Kordel, Rheinland-Pfalz: Ein Bagger entsorgt Elektrogeräte, die durch das Hochwasser beschädigt wurden. Zahlreiche Häuser im Ort Kordel waren betroffen, Bewohner mussten evakuiert werden. (Quelle: Harald Tittel/dpa)

Bad Neuenahr, Rheinland-Pfalz: Treibgut steckt in einer zusammengebrochenen Brücke während im Vordergrund Schutt und ein Auto zu sehen sind. (Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa)

Erftstadt, Nordrhein-Westfalen: Autos liegen in einem ausgespültem Teil des Ortsteils Blessem. (Quelle: David Young/dpa)

Bad Neuenahr, Rheinland-Pfalz: Die völlig zerstörte Inneneinrichtung liegt in einem Modegeschäft. Massive Regenfälle haben in Bad Neuenahr in Rheinland-Pfalz wie auch im ganzen Landkreis Ahrweiler für Überschwemmungen gesorgt. (Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa)

Bad Neuenahr, Rheinland-Pfalz: Ein Feuerwehrmann geht durch ein vom Hochwasser verursachtes Trümmerfeld, während im Hintergrund der Fluss Ahr und eine von Treibgut zugespülte Brücke zu sehen sind. (Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa)

Bad Neuenahr, Rheinland-Pfalz: Die Waren und die Einrichtung eines zerstörten Drogeriemarktes liegen verstreut auf dem Boden herum. (Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa)

Erftstadt, Nordrhein-Westfalen: Ein Drohnen Aufnahme zeigt das Ausmaß der Zerstörung nach dem Unwetter. (Quelle: David Young/dpa)

Altena, Nordrhein-Westfalen, Altena: Eine Helferin trägt zerstörtes Mobiliar aus Häusern. Die Stadt im Sauerland war nach Erdrutschen und Überschwemmungen zeitweise nicht mehr zu erreichen. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa)

Bad Neuenahr, Rheinland-Pfalz: Die Überschwemmungen im Landkreis Ahrweiler haben für heftige Verwüstungen gesorgt. (Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa)

Hagen, Nordrhein-Westfalen: Soldaten der Bundeswehr bergen mit einem Pionierpanzer ein zerstörtes Auto bei den Aufräumarbeiten der schweren Unwetterschäden im Ortsteil Hohenlimburg. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa)

Bad Neuenahr, Rheinland-Pfalz: Der Lagerplatz eines Getränkemarkts ist vollkommen verwüstet. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Beängstigende Bilder aus Erftstadt in Nordrhein-Westfalen: Es soll mehrere Todesopfer gegeben haben. (Quelle: Rhein-Erft-Kreis/dpa)

Bad Neuenahr, Rheinland-Pfalz: Ein verunfalltes Feuerwehrfahrzeug steckt in einem Loch in der Straße. (Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa)

Hagen, Nordrhein-Westfalen: Soldaten der Bundeswehr helfen bei den Aufräumarbeiten der Verwüstungen, die die Wassermassen verursacht haben. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa)

Trier, Rheinland-Pfalz: Straßenzüge sind nach den verheerenden Regenfällen noch überschwemmt. Auch wenn die Pegel sinken, ist die Lage weiter kritisch. (Quelle: Christian Schulz/Foto Hosser/dpa)

Altenahr, Rheinland-Pfalz: Die Einrichtung einer Gaststätte wurde durch das Hochwasser zerstört. Starkregen führte zu extremen Überschwemmungen. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Erftstadt, Nordrhein-Westfalen: Die Verwüstung ist groß. (Quelle: David Young/dpa)

Altenahr, Rheinland-Pfalz: Bahngleise wurden vom Hochwasser unterspült. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Erftstadt, Nordrhein-Westfalen: Trümmer eingestürzter Häuser liegen im Ortsteil Bessem. (Quelle: David Young/dpa)

Erftstadt, Nordrhein-Westfalen: Lastwagen sind auf der überfluteten Bundesstraße 236 ineinander verkeilt. (Quelle: Marius Becker/dpa)

Hagen, Nordrhein-Westfalen: Ein Anwohner steht vor seinem zerstörten Auto im Ortsteil Hohenlimburg. Die Lage ist dramatisch. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa)

Bad Neuenahr, Rheinland-Pfalz: Ein Kleingartengelände steht unter Wasser. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Altenahr, Rheinland-Pfalz, Altenahr: Der Friedhof wurde vom Hochwasser überflutet. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Aachen, Nordrhein-Westfalen, Aachen: Ein Einsatzfahrzeug der Bundeswehr räumt Geröll von der Straße. (Quelle: Dagmar Roeger/dpa)

Rheinland-Pfalz: Die Mosel ist in der Ortschaft Zell über die Ufer getreten. (Quelle: Nord-West-Media TV/dpa)

Eine Autobahn in NRW steht halb unter Wasser. (Quelle: Vincent Kempf/dpa)

Erfstadt, Nordrhein-Westfalen: Ein Fahrzeug der Bundeswehr fährt durch eine überflutete Straße. Das Regen-Unwetter in Nordrhein-Westfalen hat auf zahlreichen Autobahnen für überflutete Fahrbahnen gesorgt. (Quelle: Vincent Kempf/dpa)

Schockierende Bilder aus Schuld in Rheinland-Pfalz: Viele Menschen haben ihr Hab und Gut verloren. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Schuld (Rheinland-Pfalz): Die Aufnahme zeigt die Verwüstungen, die das Hochwasser der Ahr in dem Eifel-Ort angerichtet hat. Dort waren in der Nacht zum Donnerstag sechs Häuser eingestürzt. Derzeit werden Dutzende Menschen vermisst. (Quelle: Christoph Reichwein/TNN/dpa)

Trümmerberge in Schuld in Rheinland-Pfalz: Schutt liegt aufgetürmt auf einer Straße. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Insul in Rheinland-Pfalz: Zahlreiche Autos wurden von den Wassermassen mitgerissen und zerstört. (Quelle: Boris Roessler/dpa)

Insul (Rheinland-Pfalz): Das Dorf ist nach den massiven Regenfällen und dem Hochwasser der Ahr weitgehend zerstört. (Quelle: Boris Roessler/dpa)

Ein zerstörtes Haus in Insul in Rheinland-Pfalz: Die Unwetter haben in der Region verheerende Schäden angerichtet. (Quelle: Boris Roessler/dpa)

Insul in Rheinland-Pfalz: Eine Straße wurde unterspült. (Quelle: Boris Roessler/dpa)

Schuld in Rheinland-Pfalz: Ein Baggerfahrer beginnt mit Aufräumarbeiten. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Anwohner sitzen in Schuld in einem Trümmerfeld: Mehrere Häuser in der rheinland-pfälzischen Gemeinde wurden durch die Fluten zerstört. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Straßen sind überflutet, Keller vollgelaufen: Starkregen hat in Deutschland kleine Bäche in reißende Flüsse verwandelt und große Schäden angerichtet. (Quelle: Dieter Menne/dpa)

Hagen in Nordrhein-Westfalen: Ein Auto ist vom Schutt bedeckt, den die Überflutung der Nahma am Vorabend mit sich gebracht hat. Die Region wurde besonders hart von den Unwettern getroffen. (Quelle: Roberto Pfeil/dpa)

Eindrucksvolle Bilder aus Hagen in NRW: Mit einem Bergepanzer und schwerem Räumgerät rückt die Bundeswehr an, um die Schäden, die die Überflutung der Nahma am Vorabend mit sich gebracht hat, zu beseitigen. (Quelle: Roberto Pfeil/dpa)

Andauernde Regenfälle haben in Rheinland-Pfalz zahlreiche Ortschaften und Keller geflutet. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Ein Zug steht in der Nacht am Bahnhof in Kordel. Ein Teil des Ortes wurde von den Wassermassen der Kyll überflutet. (Quelle: Harald Tittel/dpa)

Frank Kisfeld: Viele, sehr viele. Sicher mehr als 100 jeden Tag. An manchen Tagen ist der Akku mittags schon leer. Manche Anrufer, die helfen wollen, leite ich direkt an andere Hilfsbörsen weiter, wenn das zu wenig mit unserem Einsatz zu tun hat. Und dann bin ich permanent in mehreren WhatsApp-Gruppen aktiv, da haben wir welche für Helfer vor Ort, für Hilfswillige und für die Abstimmung der Maschinen. Ich kümmere mich eigentlich fast ausschließlich um die Vermittlung der Land- und Baumaschinen. 

Frank Kistel: Der Landwirt muss unweit der niederländischen Grenze ständig telefonieren, weil er Ansprechpartner für den Hilfseinsatz seiner Kollegen an der Ahr ist. (Quelle: privat)

Dazu haben Sie ein Lagezentrum mit Landkarte eingerichtet?

Ich bin nicht am Schreibtisch, ich bin auf meinem Betrieb unterwegs. Ich mache alles mit dem Handy. Ich kenne die Einsatzorte da inzwischen ja ganz gut, und sonst nutze ich Maps auf dem Handy.

Was ist denn der Einsatz?

In der Nacht zum Donnerstag, dem 15., Juli war die Flut, wir sind seit Freitag, dem 16.,  mit Landwirten aus dem Münsterland im Einsatz in Bad Neuenahr-Ahrweiler, um Straßen passierbar zu machen und zu räumen. Jetzt verlegen wir nach Dernau, es gibt noch Orte, in denen es verheerend aussieht. 

Wie kommen Landwirte aus dem Münsterland dazu?

Einer der Landwirte hier hat Verwandte in Bad Neuenahr, der ist donnerstags los, und andere aus den Kreisen Borken und Coesfeld haben sich dann angeschlossen. Die haben sich erst angeboten, aber keinen Ansprechpartner gefunden und sind dann abends einfach losgefahren mit ihren Maschinen, um nachts direkt anzufangen. Landwirte machen einfach. 

Im Gegensatz zu manchen anderen Organisationen?

Die Helfer aller Organisationen leisten großartige Arbeit. Aber man hat gemerkt, dass es dauert, wenn es Befehlsketten gibt. Hinfahren und einfach helfen nach eigenem Ermessen, das ging bei uns, bei anderen musste diskutiert und abgestimmt werden. In einer totalen Katastrophe ist nachvollziehbar, dass anfangs viel Hilfe fehlt. Es waren ja großflächig chaotische Zustände. Unsere Hilfen konnten wir dann auch einfach und schnell ausbauen, weil wir ja schon Ansprechpartner vor Ort hatten.

Und wie erklären Sie sich die große Hilfsbereitschaft der Landwirte?

Wir sind organisiert in Gruppen von "Land schafft Verbindung", die sich 2019 zur Organisation von Demos gegen die Agrarpolitik gebildet haben. Da haben viele den Eindruck, dass die Wertschätzung für die Landwirte nicht so hoch ist. Landwirte haben schon immer geholfen. Vielleicht gibt es bei uns jetzt noch ein besonderes Bedürfnis, zu zeigen, wie wichtig die Bauern sind und was sie leisten, wenn es darauf ankommt. 

Es gab auch Versuche, diesen großen Einsatz zu vereinnahmen. Etwa bei Ihrem Kollegen Markus Wipperfürth, der mit Streams und in Medien sehr präsent ist.

Ich stehe nicht direkt mit ihm in Kontakt, und er ist in einer ähnlichen Rolle wie ich und bekommt viele Hilfsangebote. Da ist er angesprochen worden von jemandem, den er nicht kannte. Als klar war, was dahinter steckt und dass Hilfe instrumentalisiert werden könnte, wurde denen deutlich abgesagt. Wir haben mit "Querdenkern" und Extremisten gar nichts zu tun. Und wir erleben auch, wie mit Videos mit Falschmeldungen versucht wird, Stimmung zu machen und Leute zu verunsichern. 

Heftige Kritik an der Hilfe durch den Staat hat Wipperfürth aber auch geübt.

Es war auch vielerorts erst mal niemand da außer den Bauern, die einfach gemacht haben. Ich habe aber auch Verständnis für Chaos. Wer nicht da gewesen ist oder permanent mit den Leuten dort im Einsatz zu tun hat, kann sich das nicht vorstellen. Die Kollegen haben am Dienstag noch zwei Leichen gefunden. Auch die schlimmen Fernsehbilder geben das nicht wieder. Bilder wie im Krieg, und das eben an ganz vielen Orten in einer großen Fläche.

Sie selbst sind mehr als 200 Kilometer entfernt.

Ich habe da sicher eine leichtere Aufgabe als die Kollegen vor Ort, vor denen ich enormen Respekt habe. Ich muss auf dem Hof bleiben, weil ich dafür niemanden finden konnte. Ich bin dann am Wochenende in meine Rolle als Koordinator gerutscht, weil der, der bis dato koordiniert und mobilisiert hat, dann selbst runtergefahren ist und mich angegeben hat. Und da gab es da unten auch noch kaum Netz und es musste viel koordiniert werden. Also habe ich das gemacht. 

Überraschung: Morgens lag ein Energieriegel mit einem Gruß von Anwohnern auf dem verschlammten Münsterländer Traktor. (Quelle: privat)

Und wie sieht das aus?

Wir haben schnell gemerkt, dass es einen Riesenbedarf gibt, die Freiwilligen zu koordinieren. Am Anfang haben wir Teams gebildet, die autark arbeiten können. Wir stellen einen Verband aus einem Bagger mit Sortiergreifer, einem Hoflader und drei Abfahrern zusammen, also Traktoren mit Hänger, Muldenkipper oder Lkw mit Absetzcontainer. Ich versuche etwa, Leute so zusammenzustellen. Zurzeit benötigen wir im Wesentlichen Kipper und Abfahrfahrzeuge, weil die Transportwege länger werden. Es haben sich aber auch Unternehmen gefunden, die mit 20 Lkw Müll mitnehmen in eine Verbrennungsanlage nach Fulda in Nordhessen.

Und Sie stimmen sich mit dem Katastrophenstab ab?

Ich dachte, da kommt mal ein Kontakt zustande, aber da gibt es bisher keinen. Ich bespreche die Anforderungen im Katastrophengebiet mit meinen Hauptabnehmern.

Mit Ihren Hauptabnehmern? 

Das ist zum einen natürlich ein Ansprechpartner unserer Truppe von etwa 40 Leuten aus Landwirtschaft und Unternehmen. Außerdem vermittle ich zu einem Bauunternehmer, der in mehreren Orten Arbeiten koordiniert, und zu einer Privatperson in Schuld, die da organisiert. Vor Ort entstehen aber schon weitere Kontakte mit anderen Stellen. Jetzt hilft uns die Bundeswehr sehr.

Mit Gerät?

Anders. Unsere Leute haben eine gute Unterkunft gefunden beim Ortsvorsteher im Stadtteil Gimmigen und seiner Frau. Wenn wir aber jetzt in entfernte Orte zum Einsatz fahren, müssten wir mit dem Gerät hin und her. Die Bundeswehr organisiert jetzt morgens und abends Transporte. Außerdem versorgt sie uns mit Diesel. 

Melden sich denn weiterhin bei Ihnen Leute, die an die Ahr zum Helfen wollen? 

Ja, die Bereitschaft ist sehr groß. Es gab aber auch große Verunsicherung. Die hören, dass keine Helfer kommen sollen und wollen dann nicht sieben Stunden mit ihrer Maschine fahren, um vielleicht nicht reinzukommen. Aber das konnten wir immer aufklären. Wir haben aber auch Helfer, denen wir sagen, dass zumindest wir sie nicht einsetzen können.

Wann ist das der Fall?

Das sind meist Leute, die viele Maschinen bedienen können und wollen, aber keine Geräte dort unten haben. Und die, die Maschinen dort haben, wollen die nicht unbedingt anderen überlassen oder organisieren das im eigenen Kreis, wenn sie selbst heimmüssen.

Wie lange werden Ihre Kollegen denn noch im Einsatz sein?

Wir haben am Montag über ein Ausstiegsszenario gesprochen. Aber dann sind wir in Orte gekommen, wo es noch sehr schlimm aussieht. In Bad Neuenahr-Ahrweiler und der direkten Umgebung ist ein großer Fortschritt erkennbar, aber es gibt noch sehr viel zu tun an der Ahr. Und wir Bauern machen deshalb weiter.

Verwendete Quellen:
  • Telefonat mit Frank Kistel
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