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Fünf Tote nach Geiselnahme bei Zwangsräumung

Fünf Tote nach Geiselnahme bei Zwangsräumung

04.07.2012, 15:23 Uhr | dpa, t-online.de

Fünf Tote nach Geiselnahme bei Zwangsräumung. Geiseldrama in Karlsruhe: Spezialkräfte der Polizei (Quelle: dpa)

Spezialkräfte der Polizei am abgesperrten Tatort des Geiseldramas in Karlsruhe (Quelle: dpa)

Tragisches Ende eines dreistündigen Geiseldramas: Der Mann, der seine Wohnung in Karlsruhe (Baden-Württemberg) räumen sollte, hat vier Menschen erschossen und dann sich selbst gerichtet. Das Einsatzkommando der Polizei findet nur noch Leichen.

Der Sprecher der Polizei ringt nach Worten. "Wir haben jetzt traurige Gewissheit", sagt er in der Mittagszeit in die Mikrofone. Drei Stunden zuvor, gegen 9 Uhr in der Früh, hat ein Zeuge von Schüssen in einer Wohnung im fünften Stock eines Blocks in der Karlsruher Nordstadt berichtet.

Nach ersten Ermittlungen hat sich die Tat wohl folgendermaßen abgespielt: Um kurz vor neun klingelt der Gerichtsvollzieher an der Wohnungstür. In seiner Begleitung sind, wie in solchen Fällen üblich, ein Schlosser und ein weiterer Zeuge, wahrscheinlich der neue Wohnungsbesitzer.

Die Identität der Opfer muss zwar noch zweifelsfrei geklärt werden, doch Polizeisprecher Fritz Bachholz ist sich ziemlich sicher, wer die Toten sind: der Geiselnehmer, der Gerichtsvollzieher, der Schlosser, ein weiterer Begleiter, wohl der Wohnungsbesitzer, sowie eine Frau, möglicherweise die Lebensgefährtin des Täters, zählt er gegenüber t-online.de auf.

Der Mann sieht rot

Der Mann, der offenbar in der Wohnung lebt, öffnet die Tür und lässt die Männer ein. Kurz darauf fallen die Schüsse. Alles deutet auf eine Verzweiflungstat hin, bei der der Mann - ein Jäger, der viele Waffen besitzt - rot sieht, erst jene tötet, die ihm aus seiner Sicht übel mitspielen wollen, und dann seine Freundin und sich erschießt. Was sich genau zugetragen hat, können die Ermittler erst klären, wenn die Spuren in der Wohnung ausgewertet sind.

Die Polizei rückt kurz nach den Schüssen mit einem Großaufgebot an. Die Nordstadt, erst 1996 nach dem Umbau ehemaliger US-Kasernen entstanden, ist eine beliebte Wohngegend für Familien. Aus den Soldatenquartieren sind bezahlbare Wohnungen im Grünen entstanden. Die Beamten sperren die Gegend weiträumig ab, was zu eigenartigen Situationen führt. Denn innerhalb des Geländes können sich die Anwohner frei bewegen, doch hinein kommt niemand.

"Ich muss zum Arzt", bettelt eine Seniorin einen Polizisten an, der ihr den Weg versperrt. "Das geht jetzt nicht", erklärt er bestimmt. "Aber da hinten läuft doch auch jemand", insistiert sie - vergeblich.

Ein älterer Mann, der den Bürgersteig entlang schlendert, weiß noch gar nicht, was sich gerade in seiner Nachbarschaft abspielt. Als er es erfährt, will er schnell nach Hause. "Das muss ich nicht haben", sagt er. Er darf passieren, weil seine Wohnung etliche Seitenstraßen vom Tatort entfernt liegt. Andere Anwohner, die dringend in das Areal müssen, werden von der Polizei eskortiert.

Drei Wohnblocks geräumt

Die Beamten räumen drei Wohnblocks in der unmittelbaren Nachbarschaft. Ein Gymnasium wird zugeschlossen, Kinder und Lehrer werden aufgefordert, die Räume nicht zu verlassen. Währenddessen bezieht das Spezialeinsatzkommando Position. Die Männer sind maskiert, zum Teil mit Helm und Schild geschützt. Über dem Gelände kreist in großer Höhe ein Hubschrauber, nur leise ist sein Rotor zu hören. In Seitenstraßen gehen etliche Rettungsfahrzeuge in Position.

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Irgendwann zwischen 11 und 12 Uhr schlagen die Einsatzkräfte dann zu, weil Rauch aus der Wohnung kommt. Ob die Polizei zuvor mit dem Geiselnehmer sprechen konnte, ist bislang nicht bekannt. Es muss viel Rauch gewesen sein, durch den hindurch die Beamten mehrere leblose Körper erblicken. Erst später wird klar, dass alle Opfer erschossen worden sind und dass auch eine Frau darunter ist.

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