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Fremdenfeindlichkeit: Ausschreitungen gegen Amateurfußballer

Ermittlungen wegen Volksverhetzung  

Ausländerfeindlicher Übergriff auf Amateurfußballer

25.07.2018, 14:50 Uhr | AFP

Fremdenfeindlichkeit: Ausschreitungen gegen Amateurfußballer. Ein Blick auf das hessische Birstein: Die Fußballmannschaft hatte die Kirmes in dem Ort besuchen wollen. (Archivbild) (Quelle: imago images/Werner Otto)

Ein Blick auf das hessische Birstein: Die Fußballmannschaft hatte die Kirmes in dem Ort besuchen wollen. (Archivbild) (Quelle: Werner Otto/imago images)

"Wir wurden wie Schafe von Wölfen ins Hotel getrieben": Ein Fußballteam soll in Hessen von einer Menschenmenge bedroht worden sein – aus fremdenfeindlichen Motiven.

Im hessischen Birstein sollen Besucher einer Kirmes Fußballer einer Amateurmannschaft mit ausländerfeindlichen Sprüchen beleidigt und attackiert haben. Es seien Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der Volksverhetzung aufgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch in Offenbach. Es soll eine Körperverletzung gegen einen der Spieler gegeben haben, außerdem seien Parolen gerufen worden. Der genaue Ablauf des Vorfalls aus der Nacht vom 14. auf den 15. Juli müsse noch ermittelt werden.

Der Trainer der betroffenen Mannschaft von der Sportvereinigung Dietesheim aus Mühlheim, Giovanni Palermo, sagte dem Portal Hessenschau.de, er habe nachts vom Hotel aus gesehen, wie etwa 30 bis 50 Menschen seine Spieler "wie eine Schafherde" bis zum Hintereingang des Hotels getrieben hätten. "Wir fühlten uns bedroht, wir wussten ja gar nicht, in was für eine Richtung das noch geht."

Ein Teammitglied berichtete auf Facebook von dem Erlebnis. Die Mannschaft sei auf dem Dorffest offenbar nicht willkommen gewesen, einige Besucher hätten T-Shirts mit nationalsozialistischen Parolen getragen. Einem Spieler mit erkennbarem Migrationshintergrund sei ein Getränk über die Schuhe geschüttet worden. Schließlich soll es zu einer "Rangelei" gekommen sein, an der sich immer mehr Menschen beteiligt hätten.

Liebe Facebook-Freunde, liebe Mitmenschen, liebes Deutschland, es mussten ein paar Tage vergehen, bis ich in der Lage war diesen Beitrag zu verfassen, denn solche Ereignisse müssen erst einmal verarbeitet werden. Ich hätte niemals in meinem Leben gedacht, dass es auch mich treffen könnte, doch es ist geschehen und noch nie habe ich mich auch nur annähernd so erniedrigt gefühlt wie an diesem Tag. Meiner Mannschaft (1. Spvgg Dietesheim) und mir ist am letzten Wochenende bei unserem Trainingslager im Main-Kinzig-Kreis, etwa 50 km von unserer Heimatstadt Mühlheim am Main entfernt (den genauen Ort möchten wir an dieser Stelle nicht preisgeben, um die Betreiber des Hotels zu schützen, die uns wirklich sehr gut aufgenommen und verpflegt haben), etwas widerfahren, was kaum in Worte gefasst werden kann. Neben den sportlichen Aktivitäten wollten wir natürlich auch unseren Teamgeist stärken und uns gegenseitig mit den Neuzugängen besser kennenlernen. Ein Kerbbesuch in der Nähe unseres Hotels erschien uns hierfür als eine hervorragende Gelegenheit. Wir merkten jedoch bereits am Eingang zum Festzelt an den Blicken der Einheimischen sehr schnell, dass wir dort aus unerklärlichen Gründen nicht ganz willkommen waren. Die Erklärung dafür ließ jedoch nicht lange auf sich warten, als ein Mannschaftskollege mit deutlich erkennbaren Migrationshintergrund mit voller Absicht ein Getränk über seine Schuhe geschüttet bekommen hat. T-Shirts mit dem Aufdruck „manche Führen manche Folgen“ trug man dort mit einer Selbstverständlichkeit, als handelte es sich dabei um einen lustigen Abiturspruch, doch als mir jemand dann weis machen wollte, dass er sich den Führer zurückwünscht und mit dem Satz: „Arbeit macht frei“ ankam, war uns klar, dass uns die Wahrnehmung am Eingang nicht getäuscht hat. Damit mussten wir erstmal klarkommen, doch provozieren ließen wir uns dabei nicht. Warum sollten wir uns auch auf das Niveau herablassen, wenn 70 % unserer Mannschaft aus Deutschen ohne Migrationshintergrund besteht und wir uns in einer Weise verhalten haben, die von gut erzogenen Menschen erwartet werden kann, selbst wenn Alkohol im Spiel ist. Die Provokation-versuche hörten jedoch nicht auf. Unverständlicherweise löste eine kleine Rangelei zwischen einem Mannschaftskollegen und einem in diesem Moment unberechtigt eifersüchtigen jungen Mann das Ende unseres Besuches aus. Die Rangelei entwickelte sich von einem kleinen Streit zu einem Massenereignis und plötzlich hatte man das Gefühl, dass die Situation geschaffen war, auf welche die Einheimischen den ganzen Abend gepocht haben. Wir wurden daraufhin wie Schafe von Wölfen ins Hotel getrieben und mussten uns jegliche Art von Beleidigungen und Androhungen anhören. Einen kleinen Einblick auf die Auseinandersetzung könnt Ihr dem angefügten Video entnehmen. Ihr müsst Euch jedoch vorstellen, dass es sich dabei nicht lediglich um jung Erwachsene mit zu viel Testosteron handelt. Nein, dort waren auch „erwachsene Menschen“ vertreten und liefen mit, als wäre es ein Faschingsumzug, nur anstatt einem „Helau“ gab es ein lautstarkes „Ausländer raus“. Ich muss Euch zugestehen, dass ich direkt nach der Ankunft im Hotel geweint habe. Geweint, weil ich mich hier in Deutschland zu Hause fühle und dankbar dafür bin, welche Möglichkeiten man mir hier bietet. Geweint, weil ich die Werte, für welches dieses Land steht, mit Stolz vertreten haben und vertreten werde. Geweint, weil mir mein Jura-Studium Werte aus dem Grundgesetz vermittelt und solch ein Verhalten normalerweise unter Strafbarkeit stellt. Geweint, weil mir noch nie so viel Hass entgegengebracht wurde, nur weil mein Geburtsort und der Geburtsort paar wenigen Mannschaftskollegen ein anderer als Deutschland ist. Diesen Schmerz habe ich heulend aus mir herausgeschrien während wir im Kreise der Mannschaft saßen und uns fragten, was gerade passiert ist. Und egal wie stark und cool die anwesenden Jungs waren, gab es nur sehr wenige die Ihre Tränen unterdrücken konnten. Folglich möchte ich nur sagen, dass ich sehr stolz darauf bin, wie wir mit dieser Situation umgegangen sind und dass keiner von uns seine Fassung verloren hat, denn all das hätte auch ein Ende nehmen können, welches beide Seiten wohl möglich sehr bereut hätten. Abschließend habe ich nur eine Bitte: Liebes Deutschland, bitte begehe nicht die gleichen Fehler, die vor nicht einmal 100 Jahren so viele Schäden und so viel Leid der Menschheit angefügt haben. Liebe Mitmenschen, bitte toleriert ein solches Verhalten nicht. Rassismus geht uns alle an und es handelt sich dabei um keinen amerikanischen Science-Fiction Film, sondern um Realität, die genau vor unserer Haustür stattfindet. Nelson Mandela sagte mal: „Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als Ihr Gegenteil.“ Ich glaube an Euch!

Gepostet von Kewin Siwek am Montag, 23. Juli 2018

"Wir wurden daraufhin wie Schafe von Wölfen ins Hotel getrieben und mussten uns jegliche Art von Beleidigungen und Androhungen anhören", schreibt der Spieler. Er veröffentlichte außerdem ein Video, in dem "Ausländer raus"-Rufe zu hören sind.

Nach Angaben des Polizeisprechers wurde außerdem ein Spieler geschlagen. Eine Anzeige habe dieser aber abgelehnt.

Verwendete Quellen:

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