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Medienexperte zum Fall Rebecca aus Berlin: Warum das Interesse so groß ist

INTERVIEWMedienexperte zum Fall Rebecca  

"Es können falsche Spuren gelegt werden"

Ein Interview von Imke Gerriets

19.03.2019, 11:39 Uhr
 (Quelle: Polizei Berlin)
Fall Rebecca: Das sind die wichtigsten Fakten

Die 15-jährige Rebecca ist seit dem 18. Februar spurlos verschwunden. Die Ermittler gehen rund 2.200 Hinweisen nach. Der bereits zwei Mal verhaftete Schwager Florian R. ist weiter der Hauptverdächtige. Das sind die wichtigsten Fakten zum Fall Rebecca. (Quelle: t-online.de)

Rebecca: Die wichtigsten Fakten zum Fall der verschwundenen 15-Jährigen aus Berlin in 80 Sekunden. (Quelle: t-online.de)


Täglich dringen neue Spekulationen und Details zur vermissten Rebecca aus Berlin an die Öffentlichkeit. Medienexperte Christian Schicha erklärt, warum der Fall so viel Aufmerksamkeit erhält.

Die 15-Jährige Rebecca übernachtete in der Nacht zum 18. Februar bei ihrer Schwester und dem Schwager im Berliner Stadtteil Britz. Dann verschwand sie. Die Polizei geht davon aus, dass sie tot ist. Derzeit geht sie rund 1.400 Hinweisen nach. Die Anteilnahme beim Fall Rebecca ist riesig – daran hat auch die Familie großen Anteil, die immer wieder die Öffentlichkeit sucht.

Im Interview mit t-online.de erklärt Christian Schicha, Professor für Medienethik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, ob die Dauerpräsenz von Rebecca zur Aufklärung des Falls beiträgt oder nicht.

Herr Schicha, warum ist das öffentliche Interesse am Fall Rebecca so groß?

Christian Schicha: Das Verschwinden eines Kindes ist ein dramatisches Ereignis, das über einen hohen Nachrichtenwert verfügt. Man kann sich in die Situation der Familie hineinversetzen, identifiziert sich mit dem Schicksal der Familie und fiebert mit, wie sich die Situation entwickelt.

Rebeccas Schicksal ist kein Einzelfall.

Es gibt zahlreiche Fälle. Im "Fall Lisa" war ein 13-jähriges Mädchen auf dem Schulweg verschwunden, das nach 30 Stunden wieder auftauchte. Sie hatte behauptet, vergewaltigt worden zu sein. Das traf nicht zu. Sie hatte die Entführung nur vorgetäuscht. Eine reale Entführung des Bankiers-Sohn Jakob von Metzler endete mit dem Tod des Jungen.

Welchen Ausschlag gab das Foto für die mediale Präsenz des Falles?

Das Foto zeigt eine sehr attraktive junge Frau, die wie ein Fotomodel gestylt ist. Dieses Bild ist ein Schlüsselbild, das die öffentliche Aufmerksamkeit noch erhöht.

Die Familie redet auch oft mit den Medien.

Sie möchte gegebenenfalls dazu beitragen, dass der Fahndungsdruck erhöht wird und das Schicksal von Rebecca weiterhin in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Was verspricht sich die Familie davon?

Vielleicht erhofft sie sich, dass die Polizei aufgrund der hohen öffentlichen Aufmerksamkeit die Ermittlungen verstärkt.

Das Vorgehen der Familie kann gut oder schlecht sein.

Es ist zumindest verständlich, dass die Familie versucht, das Schicksal von Rebecca in die Öffentlichkeit zu bringen. Ob das Verhalten gut oder schlecht ist, lässt sich wohl erst beurteilen, wenn der Fall aufgeklärt ist.

Medienexperte Christian Schicha: Der Professor für Medienethik ist skeptisch, ob Medien im Fall von Rebecca eine konstruktive Rolle spielen können. Der potenzielle Täter könne die Berichterstattung für sich nutzen. 

Wie ist der Umgang der Medien mit dem Fall?

Das Medieninteresse speziell der Boulevardmedien ist groß. Es wird breit berichtet und spekuliert. Zudem ist der Fall auch bei "Aktenzeichen XY... ungelöst" gelaufen. Dort hat sich auch ein Ermittler zu Wort gemeldet.

Welche Rolle kann so eine mediale Berichterstattung bei der Aufklärung spielen?

Ich bin skeptisch, ob Medien hier eine konstruktive Rolle spielen können, sofern von Fahndungsaufrufen einmal abgesehen wird. Es kann auch passieren, dass der potenzielle Täter die Berichterstattung für sich nutzen kann, um Spuren zu verwischen.  

Hat sich in den letzten Jahrzehnten die Art und Weise verändert, wie Medien mit solchen Fällen umgehen?

Grundsätzlich berichten im Internetzeitalter nicht nur klassische journalistischen Medien über derartige Fälle, sondern jeder kann sich zum Beispiel über soziale Medien zu derartigen Fällen äußern. Dadurch erweitert sich das Spektrum der Diskursteilnehmer und es wird nicht nur professionell berichtet.



Behindert die Dauerpräsenz die Arbeit der Polizei?

Das lässt sich schwer beurteilen. Einerseits können unter Umständen sachdienliche Hinweise an die Polizeibehörden aus der Bevölkerung kommen. Andererseits können auch Spekulationen, Gerüchte und falsche Spuren gelegt werden.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schicha.

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