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Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Mehr als 30.000 Spuren führen zu Tatverdächtigen

Bergisch Gladbach  

Mehr als 30.000 Spuren führen zu Verdächtigen im Missbrauchsfall

30.06.2020, 08:39 Uhr | dpa, AFP, loe

Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Mehr als 30.000 Spuren führen zu Tatverdächtigen. Das Wohnhaus des mutmaßlichen Haupttäters in Bergisch Gladbach. (Quelle: imago images/Reichwein)

Das Wohnhaus des mutmaßlichen Haupttäters in Bergisch Gladbach. (Quelle: Reichwein/imago images)

Seinen Ursprung haben die Ermittlungen in Bergisch Gladbach: Mittlerweile ist der Missbrauchskomplex auf über 30.000 Spuren angewachsen. NRWs Justizminister spricht von "neuen Dimensionen des Tatgeschehens." 

Kindesmissbrauch: Ermittlungen in Bergisch-Gladbach weiten sich aus

Der Fall des schweren Missbrauchs von Kindern in Nordrhein-Westfalen zieht weiter Kreise. Polizeipräsident Uwe Jacob gab Einblicke in das Ausmaß der Ermittlungen. (Quelle: Reuters)

Uwe Jacob: Nach der Festnahme eines Verdächtigen in Krefeld gab der Kölner Polizeipräsident zuletzt Einblicke in das Ausmaß der Ermittlungen. (Quelle: Reuters)


Im Missbrauchskomplex "Bergisch Gladbach" sind die Ermittler auf Spuren gestoßen, die zu potenziell mehr als 30 000.Verdächtigen führen könnten. Das hat das NRW-Justizministerium am Montag in Düsseldorf mitgeteilt. Es gehe dabei nicht nur um die Verbreitung und den Besitz von Kinderpornografie, sondern auch um schweren Kindesmissbrauch.

Es handele sich um internationale pädokriminelle Netzwerke mit Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum. In Gruppenchats mit Tausenden Nutzern und in Messengerdiensten gingen die Täter wie selbstverständlich mit ihren Missbrauchstaten um, heizten sich an und gäben sich Tipps, etwa, welche Beruhigungsmittel man Kindern am besten verabreiche, um sie sexuell zu misshandeln.

"Wer zögert, wird von den anderen ermutigt und bedrängt, seine Absichten in die Tat umzusetzen", berichtete NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU). In diesen Chats würden auch Verabredungen zum Missbrauch mehrerer Täter an einem Kind getroffen.

"Neue Dimension des Tatgeschehens"

Es handele sich um eine "neue Dimension des Tatgeschehens", sagte der Justizminister und bekannte: Ihm sei "speiübel geworden". "Wir müssen erkennen, dass Kindesmissbrauch im Netz weiter verbreitet ist, als wir bisher angenommen haben."

Die Selbstverständlichkeit der Kommunikation über die Taten sei "in höchstem Maße irritierend" und "zutiefst verstörend", so der Justizminister. Es sei zu befürchten, dass in einer solchen Atmosphäre die Hemmschwellen sinken und auch solche Männer Missbrauchstaten begingen, die ohne entsprechendes Umfeld davor zurückgeschreckt wären.

Eine eigene "Task Force" von Cyber-Ermittlern werde am Mittwoch die Arbeit aufnehmen. Sechs Staatsanwälte würden sich dann unter großem Zeitdruck zuerst um die Fälle bemühen, bei denen davon auszugehen ist, dass der Missbrauch von Kindern fortgesetzt werde.

Biesenbach kritisierte, dass es noch immer keine Pflicht zur Speicherung und Herausgabe der Verbindungsdaten gebe. Ob es in allen Fällen gelinge, hinter den Pseudonymen, mit denen die Kriminellen kommunizieren, die tatsächlichen Namen zu ermitteln, sei daher unklar, sagte Oberstaatsanwalt Markus Hartmann, Leiter der Cybercrime-Zentralstelle NRW.

Während Biesenbach am Morgen zunächst von mehr als 30.000 Tatverdächtigen sprach, korrigierten die Behörden später diese Angaben: Es gehe um 30.000 Spuren zu Verdächtigen. Es könne dabei Dubletten geben: Nutze ein Verdächtiger zum Beispiel mehrere Internetzugänge, könne er mehrfach auftauchen.

In dem Komplex "Bergisch Gladbach" waren bisher bundesweit 72 Verdächtige identifiziert worden. Zehn waren zuletzt in U-Haft. Sieben Anklagen gegen acht Personen sind bereits erhoben worden. Der Fall war im Oktober 2019 mit der ersten Durchsuchung bei einem der Hauptverdächtigen in Bergisch Gladbach bei Köln ins Rollen gekommen.

Hinweis: In der ursprünglichen Fassung des Textes hieß es, dass die Behörden von mehr als 30.000 möglichen Tätern ausgehen. Dies hatte NRW-Justizminister Peter Biesenbach zunächst verkündet. Später korrigierten die Behörden die Angabe: Es gehe um mehr als 30.000 Spuren.   

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und AFP

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