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Solingen: Was über die Kindermorde bekannt ist – und was nicht

"Ich habe das noch nie erlebt"  

Tote Kinder in Solingen: Was wir wissen – und was nicht

04.09.2020, 09:50 Uhr | dpa, AFP, MEM

Solingen: Fünf tote Kinder entdeckt – Mutter unter Tatverdacht

In Solingen sind fünf tote Kinder gefunden worden. Das bestätigte die Polizei in Wuppertal am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Tatverdächtig ist die 27-jährige Mutter. (Quelle: dpa)

"Es gibt nichts Schlimmeres": Anwohner rund um den Fundort der toten Kinder in Solingen sind schockiert. (Quelle: dpa)


In Solingen wurden am Donnerstag fünf tote Kinder in einem Mehrfamilienhaus entdeckt. Die Mutter wird verdächtigt. Am Tag danach ist das Entsetzen bundesweit groß – und viele Fragen offen. 

Nach dem gewaltsamen Tod von fünf Kindern in Solingen ist vor dem Wohnhaus Stille eingekehrt. Menschen zündeten in der Nacht zum Freitag weiter Kerzen vor dem Eingang des Mehrfamilienhauses an. Dazu wurden Blumen und Teddybären als Zeichen der Trauer abgelegt. Am frühen Freitagmorgen sind kaum noch Menschen vor Ort. Die Polizei baut die Absperrungen um das Haus in Solingen-Hasseldelle zurück.

Viele Fragen rund um den schrecklichen Vorfall sind noch offen und ungeklärt. Die Mordkommission ermittelt im Fall der getöteten Kinder – was bisher bekannt ist und was nicht.

Solingen: Vertreter aller Solinger Parteien versammelten sich am Abend vor dem Tatort und gedachten mit einer Schweigeminute den fünf Seelen. (Quelle: imago images/Tim Oelbermann)Solingen: Vertreter aller Solinger Parteien versammelten sich am Abend vor dem Tatort und gedachten mit einer Schweigeminute den fünf Seelen. (Quelle: Tim Oelbermann/imago images)

Was ist über die Todesumstände bekannt? 

Am Donnerstagnachmittag sind die Leichen der fünf Kinder entdeckt worden. Bei den toten Kindern handelt es sich um drei Mädchen im Alter von eineinhalb, zwei und drei Jahren sowie um sechs und acht Jahre alte Jungen. Ein elfjähriger Junge überlebte.

Die Tatverdächtige Mutter (27) hatte sich um 13.47 Uhr am Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug der Linie S1 geworfen. Sie wurde schwer verletzt und wird aktuell im Krankenhaus behandelt. 

Zuvor hatte die Frau noch Kontakt zu ihrer Mutter gehabt. Diese alarmierte schließlich die Polizei: Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung teilte sie den Beamten mit, dass ihre Tochter ihre Kinder getötet habe und nun mit einem weiteren Kind unterwegs sei, um sich umzubringen. 

Zur Todesursache der Kinder machte die Polizei zunächst keine Angaben. Sie werde im Rahmen der Ermittlungen und einer Obduktion geklärt. Ob der elfjährige Junge, der überlebt hat und sich nun bei der Großmutter befindet, bei der Tat dabei gewesen ist, konnte die Polizei zunächst nicht mit Sicherheit sagen. "Wir versuchen, den genauen Ablauf zu klären", sagte Polizeisprecher Stefan Weiand.

Familiendrama in Solingen: Die Wohnungstür wurde durch die Polizei versiegelt, Kinderschuhe stapeln sich im Treppenhaus.  (Quelle: imago images/Tim Oelbermann)Familiendrama in Solingen: Die Wohnungstür wurde durch die Polizei versiegelt, Kinderschuhe stapeln sich im Treppenhaus. (Quelle: Tim Oelbermann/imago images)

Wie konnte es dazu kommen? 

"Wir nehmen eine Straftat an und werden die Mutter dazu befragen müssen, im Moment ist sie aber noch nicht vernehmungsfähig", sagte der Polizeisprecher in Solingen. Der Fall deutet nach Ansicht des Kriminalexperten Axel Petermann auf Hilf- und Perspektivlosigkeit der Mutter hin. Mögliche Warnzeichen für die Tat seien zudem womöglich wegen der Coronavirus-Pandemie nicht rechtzeitig erkannt worden.

So sei beispielsweise denkbar, dass durch das Ausfallen von Schulunterricht und Kindergartenbetreuung Mechanismen nicht greifen konnten, die sonst Hilfe oder Unterstützung ermöglicht hätten.

Wie die "Bild" berichtet, soll es bereits im April einen Polizeieinsatz bei der Familie gegeben haben. Laut der Zeitung soll sich der Vater damals versucht haben zu töten, die Mutter habe dies demnach verhindert. Hilfsangebote der Polizei seien danach laut "Bild" nicht in Anspruch genommen worden. Die Polizei Wuppertal wollte dies auf Nachfrage von t-online.de nicht bestätigen. 

Wer ist die Mutter? 

Die Mutter ist eine 27-jährige Deutsche. Dass eine Frau unter Tatverdacht stehe, sei außergewöhnlich, sagte Petermann, der Buchautor und Fallanalytiker ist. "Diese Gewalt bedeutet ja auch für jede einzelne Tötung einen neuen Entschluss."
 

 
Die Konsequenz des Tatgeschehens sei für Mütter ungewöhnlich. "Ich zumindest habe das so nie erlebt", so der Profiler. Häufiger seien es Männer, die im Rahmen eines erweiterten Suizids die eigenen Kinder töteten. Oft stehe dabei ein Streit um das Sorge- oder Besuchsrecht mit der Ex-Partnerin im Fokus.

Kuscheltiere und Kerzen: Säumen den Wegesrand zu dem Hochhaus, in dem sich am Donnerstag die schreckliche Familientragödie ereignet hatte.  (Quelle: imago images/Tim Oelbermann)Kuscheltiere und Kerzen: Säumen den Wegesrand zu dem Hochhaus, in dem sich am Donnerstag die schreckliche Familientragödie ereignet hatte. (Quelle: Tim Oelbermann/imago images)

Was ist mit dem Vater? 

Die Polizei hat nach eigenen Angaben inzwischen Kontakt zum Vater der getöteten Kinder. Nähere Details dazu nannte Polizeisprecher Stefan Weiand nicht. Auch seine Rolle und Person bleiben zunächst im Dunkeln.

Wie geht es dem Jungen, der überlebt hat? 

Nach Angaben eines Polizeisprechers befindet sich der Elfjährige in einem "sicheren Familienumfeld". Er war mit der Mutter bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof und von dort allein weiter zu seiner Großmutter nach Mönchengladbach gereist.

Wie geht es weiter? 

Eine Mordkommission ermittelt. Die Todesursache der Kinder werde im Rahmen der Ermittlungen und einer Obduktion geklärt, teilte die Polizei mit. Zudem wollen die Ermittler am Freitag Nachbarn befragen. Um 16.45 Uhr gibt die Polizei eine Pressekonferenz zu weiteren Hintergründen. Bei t-online können Sie diese live verfolgen.  

Im Rahmen einer Landespressekonferenz versprach NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Freitagvormittag eine Aufarbeitung des Falls. Er sagte: "Unsere Behörden werden alles tun, um diesen Vorgang aufzuklären."

Verwendete Quellen:
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP

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