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"Sanktionen wirken verheerend auf Russlands Wirtschaft"

Von Martin Küper

Aktualisiert am 06.08.2022Lesedauer: 2 Min.
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Frau vor einer geschlossenen Ikea-Filiale in Moskau: Der schwedische Möbelkonzern verkauft in Russland nur noch online – und zieht sich dann ganz aus dem Land zurück. (Quelle: IMAGO/Sergei Bobylev)
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Der Kreml behauptet gern, die Sanktionen schadeten dem Westen mehr als Russland. US-Forscher entlarven das jetzt als Lüge.

Während Deutschland aufgeregt über ausbleibende Gaslieferungen diskutiert und mit Sorge an den Winter denkt, scheint die russische Wirtschaft die westlichen Sanktionen bislang gut zu verkraften. Diesen Eindruck versucht die Propaganda des Kreml jedenfalls zu vermitteln. Wirtschaftswissenschaftler der renommierten US-Universität Yale warnen jetzt aber davor, den offiziellen Zahlen aus Moskau zu trauen.

"Seit dem Überfall auf die Ukraine lässt der Kreml ungünstige Wirtschaftsdaten immer häufiger unter den Tisch fallen und veröffentlicht vor allem solche, die seine Linie stützen", schreiben die Forscher im Fachmagazin "Social Science Research Network". "Die Annahme, die russische Wirtschaft sei besonders widerstandsfähig, ist schlicht eine Lüge".

Produktion in Russland "komplett zum Stillstand gekommen"

Für ihre Studie haben die Fachleute Informationen zusammengetragen, die nicht vom russischen Staat veröffentlicht werden: Daten zum Schiffsverkehr und zum individuellen Konsum, aber auch Einschätzungen von Russlands internationalen Handelspartnern und Wirtschaftsprüfern. "Aus der Analyse dieser Daten geht hervor: Der Rückzug internationaler Firmen und die Sanktionen wirken verheerend auf die russische Wirtschaft", schreiben die Forscher.

So sei die heimische Produktion in Russland "komplett zum Stillstand gekommen" und habe nicht die Kapazitäten, "verlorene Firmen, Produkte und Talente" zu ersetzen. Die mehr als 1.000 abgewanderten ausländischen Unternehmen hätten bislang allein etwa 40 Prozent zum russischen Bruttoinlandsprodukt beigetragen. Der Rückzug von McDonald's und Co. koste Russland beinahe so viel, wie in den vergangenen drei Jahrzehnten an ausländischen Investitionen ins Land floss, so die Forscher.

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"Um die Finanzen des Kreml steht es sehr viel schlechter"

Auch Russlands strategisch wichtige Rolle als Exporteur von Rohstoffen sei "unwiederbringlich dahin": Nach dem Verlust seines Hauptmarktes für Erdgas im Westen müsse das Land jetzt aus einer Position der Schwäche heraus Handel betreiben und stehe vor gewaltigen Problem bei der Neuausrichtung seiner Energieexporte in Richtung Asien. Gleichzeitig seien die Importe nach Russland – trotz mancher Schlupflöcher bei den Sanktionen – "weitgehend eingebrochen"; der Mangel an wichtigen Komponenten und Technologien führe zu großen Versorgungsengpässen in der heimischen Wirtschaft, heißt es in der Studie.

Kremlchef Putin sei gezwungen, die strukturellen Schwächen der russischen Wirtschaft mit Staatsgeld zu überdecken und habe den Haushalt damit erstmals seit Jahren ins Minus getrieben. Gleichzeitig schrumpften die russischen Reserven an US-Dollar und Euro trotz hoher Energiepreise weiter: "Um die Finanzen des Kreml steht es sehr viel schlechter als bislang angenommen", bemerken die Forscher. Und auf Rettung durch den heimischen Finanzmarkt müsse Putin dabei nicht hoffen.

"Kein Finanzmarkt der Welt entwickelt sich derzeit so schlecht wie der russische und der Ausschluss von den internationalen Finanzströmen begrenzt die Möglichkeiten des Staates, dringend benötigtes Geld in die schwächelnde Wirtschaft zu pumpen", heißt es in der Studie weiter. Aus ihren Erkenntnissen leiten die Forscher auch politische Handlungsempfehlungen ab: "Solange die westlichen Regierungen geeint sind und den Sanktionsdruck aufrecht erhalten, gibt es für Russland auf absehbaren Zeit keinen Weg heraus aus dem wirtschaftlichen Niedergang".

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Von Lisa Becke, Daniel Mützel
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