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Russland und der Krieg: Die Radikalen machen Druck


Die Radikalen machen Druck

Von Martin Küper

Aktualisiert am 06.10.2022Lesedauer: 3 Min.
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Jewgeni Prigoschin: Der Chef der Söldnertruppe Wagner treibt die Armeeführung zurzeit vor sich her. (Quelle: imago stock&people)
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Der Krieg gegen die Ukraine verändert auch das Machtgefüge in Moskau. Bringen sich Putins Erben schon in Stellung?

Der Krieg gegen die Ukraine hat viele Gewissheiten infrage gestellt, auch für Kremlchef Wladimir Putin. Der konnte sich bislang stets auf die Armee als wichtigste Stütze seines Regimes verlassen, doch nach sieben Monaten voller militärischer Rückschläge ist vom Glanz der Truppe nicht viel übrig. Das lockt inzwischen sogar Akteure aus der Reserve, die bislang stets zu Putins treuesten Mitstreitern zählten.

Gut sichtbar wurden die Risse im Moskauer Machtgefüge am Wochenende nach dem Fall der strategisch wichtigen Stadt Lyman in der Region Charkiw. Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow nahm diese jüngste russische Niederlage zum Anlass für eine beispiellose Abrechnung mit Generaloberst Alexander Lapin, dem Befehlshaber der russischen Truppen in dem Gebiet.

"Richtig so, Ramsan!"

Kadyrow warf Lapin Vetternwirtschaft und einen leichtfertigen Umgang mit dem Leben der Soldaten vor: "Wenn es nach mir ginge, hätte ich Lapin zum Gefreiten degradiert, ihm seine Auszeichnungen aberkannt und ihn an die Front geschickt, um seine Schande mit dem Gewehr in der Hand abzuwaschen", schrieb Kadyrow in seinem Telegram-Kanal. Das Schlimmste sei aber nicht Lapin selbst, fuhr Kadyrow fort, sondern dass dieser vom russischen Generalstab gedeckt werde. Chef des Generalstabs ist Walery Gerassimow, der über einen der drei russischen Atomkoffer verfügt.

Explizite Unterstützung bekam Kadyrow von Jewgeni Prigoschin, der als Chef der Söldnertruppe Wagner ebenfalls über eine Privatarmee verfügt. "Richtig so, Ramsan!", ließ Prigoschin über das russische Facebook VK Kontakte mitteilen. "Wir sollten diese Wichser mit Maschinenpistolen an die Front schicken, und zwar barfuß." Der Kreml hat sich bislang nicht direkt zu der Kritik von Kadyrow und Prigoschin geäußert, dafür meldete sich am Mittwoch der gescholtene Generaloberst zu Wort.

"PR-Schlacht zwischen Kommandeuren"

Auf Telegram veröffentlichte Alexander Lapin eine Reihe von Fotos, die in einer russischen Stellung in der Ukraine entstanden sein sollen. Sie zeigen Lapin im Kreise seiner Soldaten und als fähigen Militärführer, der gebückt über Landkarten die nächsten Angriffe plant. Die Bilder sind wohl als Reaktion auf die Kritik von Kadyrow und Prigoschin zu verstehen, der Militärhistoriker und Russlandkenner Rob Lee sprach gar von einer "PR-Schlacht zwischen russischen Kommandeuren":

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Der Kreml versucht offenbar, in dem Konflikt zwischen ambitionierten Feldherren und etablierten Militärs einen Mittelweg zu finden: "Putin hat Kadyrow und Prigoschin für ihre Attacken auf Lapin nicht bestraft, sondern schiebt die Schuld für die russische Niederlage in der Region Charkiw stattdessen auf Lapins Vorgänger, den kürzlich gefeuerten Generaloberst Schurawljow", schreiben die Fachleute der US-Denkfabrik "Institute for the Study of War" (ISW). "Kadyrow und Prigoschin vertreten eine stärker werdende Gruppe innerhalb der Streitkräfte, die das traditionelle Kriegsverständnis der Armeeführung infrage stellt." Der Fall von Lyman habe die Spannungen zwischen Radikalen und Gemäßigten in der Armee weiter angefacht, so das ISW.

Kadyrow und Prigoschin vertreten die Radikalen

Ähnliches berichtet das russische Investigativmagazin "meduza", dem zufolge Kadyrow und Prigoschin mit ihrer Kritik auf den Sturz von Verteidigungsminister Sergei Schoigu zielen. Kadyrow und Prigoschin gehörten zum radikalsten Flügel der "Kriegspartei", jenem Teil der Moskauer Eliten, die eine weitere Eskalation des Krieges fordern, schreibt "meduza". Tatsächlich kritisierte Kadyrow am Wochenende nicht nur die russische Armeeführung, sondern forderte zugleich den Einsatz von Atomwaffen gegen die Ukraine.

Jewgeni Prigoschin (l.) und Ramsan Kadyrow bei einem Treffen in Grosny voriges Jahr: "Putin ist dringend auf Kadyrowiten und Wagner-Söldner angewiesen".
Jewgeni Prigoschin (l.) und Ramsan Kadyrow bei einem Treffen in Grosny voriges Jahr: "Putin ist dringend auf Kadyrowiten und Wagner-Söldner angewiesen". (Quelle: Küper Martin)

Allerdings kommt die harsche Kritik von Kadyrow und Prigoschin selbst bei Kriegsbefürwortern nicht immer gut an. Der bekannte russische Kriegsblogger und Nationalist Igor Girkin beispielsweise nahm Lapin auf Telegram in Schutz und kritisierte seinerseits Kadyrow und Prigoschin. Diese würde nun offen um die Macht kämpfen, so Girkin. "Kriegsblogger, die Kadyrow und Prigoschin vorher noch stets gelobt hatten, stehen den Silowiki nun skeptischer gegenüber und werfen ihnen Selbstsucht vor", schreibt das ISW. Silowiki werden im Russischen Menschen mit viel Geld und Nähe zur Macht genannt.

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Putin ernennt Kadyrow zum Generaloberst

Die wachsenden Spannungen in den eigenen Reihen dürften das Regieren für Kriegsherr Putin nicht einfacher machen. "Putin kann es nicht riskieren, das Kadyrow-Prigoschin-Lager zu verlieren, da er in der Ukraine dringend auf die Kampfkraft von Kadyrowiten und Wagner-Söldnern angewiesen ist", schreibt das ISW. "Zugleich darf er die Armee nicht gegen sich aufbringen, die den Großteil der russischen Militärmacht in der Ukraine stellt und die Mobilisierung organisieren muss."

Für einen scheint sich die Aufregung inzwischen gelohnt zu haben: Ramsan Kadyrow. Kremlchef Putin beförderte den 46-Jährigen ohne militärische Erfahrung am Mittwoch per Dekret zum Generaloberst, also auf eine Stufe mit Alexander Lapin. Es ist der dritthöchste Rang in der russischen Armee hinter Marschall und Armeegeneral.

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Verwendete Quellen
  • Telegramkanal von Ramsan Kadyrow: Eintrag vom 2. Oktober (russisch; Stand: 5. Oktober 2022)
  • vk.com: Eintrag vom 3. Oktober (russisch; Stand: 5. Oktober 2022)
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Von Daniel Mützel, Kupjansk
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