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Krefeld staunt über gefundene Relikte einer Römer-Schlacht

Waffen, Münzen und tote Pferde  

Krefeld staunt über Relikte aus Römer-Schlacht

02.05.2018, 11:20 Uhr | dpa, t-online.de

Krefeld staunt über gefundene Relikte einer Römer-Schlacht. Eric Sponville, Doktorand der Universität Köln, arbeitet an einem Fundament eines römischen Kastells in Krefeld: In der Stadt wurden Tausende Relikte aus der Römerzeit ausgegraben.  (Quelle: dpa/Federico Gambarini)

Eric Sponville, Doktorand der Universität Köln, arbeitet an einem Fundament eines römischen Kastells in Krefeld: In der Stadt wurden Tausende Relikte aus der Römerzeit ausgegraben. (Quelle: Federico Gambarini/dpa)

Die Römer nannten den kleinen Ort Gelduba und bauten ein Kastell für ihre Soldaten. Das Lager lag strategisch günstig am Rhein. Bei einer großen Grabung in Krefeld sind beachtliche 75 Kubikmeter Funde zusammengekommen.

"Es braucht Jahre, bis wir das bearbeitet haben", sagt Archäologin Jennifer Morscheiser, und ein wenig Stolz klingt dabei mit. "Das" ist das stattliche Ergebnis einer Grabung in Krefeld in Nordrhein-Westfalen. Zehntausende Fundstücke buddelten die Helfer in der Nähe des Rheins aus Sand und Lehm. In Kisten verpackt sind es 75 Kubikmeter: Hunderte Münzen aus der Römerzeit, Waffen, Amphoren, Pferdeskelette, Schmuck, Helme und eine kunstvoll verzierte Gürtelschließe eines Soldaten.

Eine Mitarbeiterin des Museums Burg Linn hält die Gürtelschnalle eines römischen Soldaten in den Händen: In Krefeld wurden unter anderem Helme, Münzen und Pferdeskelette gefunden.  (Quelle: dpa/Federico Gambarini )Eine Mitarbeiterin des Museums Burg Linn hält die Gürtelschnalle eines römischen Soldaten in den Händen: In Krefeld wurden unter anderem Helme, Münzen und Pferdeskelette gefunden. (Quelle: Federico Gambarini /dpa)

Die Ausbeute der Archäologen weist in die römische Geschichte. Auf halbem Weg zwischen Neuss und Xanten am Niederrhein richteten die Römer nach 69 ein Militärlager im heutigen Krefeld ein. Direkt am Rhein und damit am Limes, der Grenze des Römischen Imperiums, lag der Ort strategisch günstig auf einer kleinen Anhöhe. Am gegenüberliegenden Ufer endete der Hellweg, der wichtige Handelsweg nach Germanien. Die Römer nannten den Ort Gelduba. Heute heißt der Ortsteil Gellep.

Pferdeskelette erinnern an Schlachten

Es ist der berühmte Historiker Tacitus, der als erster Gelduba erwähnt, als Schauplatz einer Massenschlacht zwischen Römern und Batavern im Jahr 69. Ein Jahr zuvor hatte Kaiser Nero sich umgebracht, das Römische Reich versank im Chaos. Das Machtvakuum nutzte weitab am Rhein der germanische Bataverfürst Iulius Civilis zu einem Aufstand. In Gelduba kämpften etwa 20.000 Mann - Römer und Bataver. "Die Folge war keine Schlacht, sondern ein Schlachten", beschrieb Tacitus. Davon zeugt auch die enorme Zahl von über 300 Pferdeskeletten, die Archäologen geborgen haben, und die im Krefelder Museum Burg Linn aufbewahrt werden.

Römische Relikte liegen im Depot des Museum Burg Linn: Das Museum in Krefeld bewahrt die Funde auf.  (Quelle: dpa/Federico Gambarini)Römische Relikte liegen im Depot des Museum Burg Linn: Das Museum in Krefeld bewahrt die Funde auf. (Quelle: Federico Gambarini/dpa)

Man mag sich davor gruseln, doch diese Relikte der Schlacht sind etwas Besonderes: "Das ist hier einer der ganz seltenen Fälle, wo Archäologie und historische Quellen in Deckung sind", berichtet Stadt-Archäologe Hans-Peter Schletter. Nach dem blutigen Gemetzel baute das römische Militär ein Kastell. Die Soldaten blieben bis Anfang des 5. Jahrhunderts. Nachgewiesen ist, dass Hilfstruppen aus Spanien kamen, Wein aus ihrer Heimat tranken und schon kurz nach der Ankunft ein beheiztes Schwimmbad bauten.

Ausstellung der Relikte folgt ab Oktober 2019

Bei der jüngsten Grabung hatten 30 Fachleute, Studenten und Helfer zehn Monate lang Zeit. Bis Ende Februar 2018 durchkämmten sie 37.000 Quadratmeter Gewerbefläche. Von Oktober 2019 an sollen die Highlights ausgestellt werden. Dazu gehören Helme römischer Soldaten, eisenzeitlichen Urnen, eine römische Bronzewerkstatt oder auch die Rekonstruktion eines großen Töpferofens.

Restauratorin Eileen Wolff bearbeitet einen Römerhelm: Die Fundstücke sollen von Oktober 2019 an im Museum Burg Linn ausgestellt werden.  (Quelle: dpa/Federico Gambarini)Restauratorin Eileen Wolff bearbeitet einen Römerhelm: Die Fundstücke sollen von Oktober 2019 an im Museum Burg Linn ausgestellt werden. (Quelle: Federico Gambarini/dpa)

Mit der Ausstellung rückt ein anderes, großes Projekt über die Römerzeit am Niederrhein näher. Denn die einstige Grenze des Imperiums dort soll in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen werden. Es geht um den Niedergermanischen Limes, der dem damaligen Rheinverlauf entspricht. Koordiniert wird das Vorhaben von den Niederlanden. Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz machen mit. Der Abschnitt verlief auf einer Länge von etwa 400 Kilometern von Bad Breisig südlich von Bonn bis zum Seebad Katwijk in den Niederlanden - und Gelduba mittendrin. Jennifer Morscheiser, Leiterin des Museums Burg Linn, sagt: "Es ist der nasse Limes."

Inzwischen sind in Krefeld fast 6500 Gräber samt der oft wertvollen Beigaben aus der Zeit zwischen 800 vor und 800 nach Christus erfasst. Es ist eines der größten antiken Gräberfelder nördlich der Alpen. Bei der jüngsten Grabung wurden weitere entdeckt.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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