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Mansa Musa: Der König von Mali war der reichste Mensch aller Zeiten

Legendärer Herrscher Malis  

Dieser Mann war der reichste Mensch aller Zeiten

Von Angelika Franz

23.02.2020, 21:30 Uhr
Mansa Musa: Der König von Mali war der reichste Mensch aller Zeiten. Abbildung von Mansa Musa (14. Jahrhundert): Der Herrscher von Mali lebte in unglaublichem Reichtum.  (Quelle: ullstein bild)

Abbildung von Mansa Musa (14. Jahrhundert): Der Herrscher von Mali lebte in unglaublichem Reichtum. (Quelle: ullstein bild)

Er lebte in unermesslichem Reichtum. Als Mansa Musa im 14. Jahrhundert auf Reisen ging, ruinierte er Ägyptens Wirtschaft. Heutige Milliardäre können sich wohl nicht mit seinem Reichtum messen.

Jeff Bezos gilt als derzeit reichster Mann der Welt. Weit mehr als 100 Milliarden Dollar soll der Chef von Amazon besitzen. Doch Bezos' Vermögen scheint bescheiden im Vergleich mit dem des reichsten Mannes, der jemals gelebt hat.

Rund 700 Jahre ist das her. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts herrschte Mansa Musa I. über das riesige Königreich Mali, das damals zusätzlich Teile der heutigen westafrikanischen Staaten Senegal, Mauretanien, Burkina Faso, Niger, Gambia, Guinea-Bissau, Guinea und der Elfenbeinküste umfasste.

Es war ein unermesslich reiches Land mit zahlreichen ergiebigen Salz-, Kupfer- und Goldminen. Und alles davon gehörte: dem König. Mansa Musas sagenhaftes Vermögen entsprach laut heutigen Schätzungen umgerechnet rund 400 Milliarden Dollar.

Sein Vorgänger verschwand auf dem Meer

Dass er überhaupt König geworden war, verdankte er wohl nur der Abenteuerlust seines mutmaßlichen Vorgängers Abu Bakr II. Der glaubte nämlich – knapp 200 Jahre vor Christoph Kolumbus – nicht daran, dass der Atlantische Ozean unendlich sei. Er soll der Überlieferung zufolge 200 Schiffe für eine Expedition ausgestattet haben, von denen allerdings nach langer Zeit nur eines wiedergekehrt sei. Ein großer Strudel, so hätten es die Überlebenden berichtet, hätte die anderen Schiffe verschlungen.

Djingareyber Moschee: Das im 14. Jahrhundert entstandene Gotteshaus gehört zum Weltkulturerbe. (Quelle: imago images/ZUMA Press/Peter Langer)Djingareyber Moschee: Das im 14. Jahrhundert entstandene Gotteshaus gehört zum Weltkulturerbe. (Quelle: ZUMA Press/Peter Langer/imago images)

Für Abu Bakr wohl noch lange kein Grund zum Aufgeben. Diesmal soll er 2.000 Schiffe nach Westen entsandt haben, begleitet von 1.000 weiteren Proviantschiffen. Eines der Schiffe habe er selber bestiegen. Die Regierungsgeschäfte habe er während seiner Abwesenheit Mansa Musa übertragen. Um niemals zurückzukehren.

Mali war ein muslimisches Land, und so machte der Nachfolger Mansa Musa sich im Jahr 1324 auf, den Haddsch anzutreten, die Pilgerfahrt nach Mekka, zu der jeder gläubige Muslim mindestens einmal in seinem Leben verpflichtet ist. Tausende Kilometer musste Mansa Musa dafür zurücklegen. Doch weder auf Komfort noch auf Gesellschaft mochte er während der Reise verzichten.

Eine Stadt auf Wanderschaft

60.000 Mann begleiteten ihn der Legende nach, allesamt in Brokat und Seide gekleidet – auch die 12.000 Sklaven, von denen jeder angeblich rund 1,8 Kilo Gold bei sich geführt haben soll. Nicht nur sein Hofstaat reiste mit ihm, sondern auch Gaukler, Tänzer, Köche und natürlich eine ganze Schar von Heralden, die dem Tross vorauseilten, um die Ankunft des Königs anzukündigen.

Damit niemand hungern musste, folgten dem Zug riesige Herden von Ziegen und Schafen. Auch Kamele waren dabei, jedes von ihnen bepackt angeblich mit weiteren 23 bis 136 Kilo Goldstaub. Sah Musa einen Bettler am Wegesrand, beschenkte er ihn reich. Jeden Freitag, wenn die Zeit für das wichtigste Gebet der Woche gekommen war, ließ er dafür eine neue Moschee bauen. So hieß es. Was sich im Gefolge des Mansa Musa langsam nach Norden durch die Sahara bewegte, war kein Pilgerzug mehr. Es war eine ganze Stadt.

In Kairo angekommen schickte der Herrscher Malis dem Sultan An-Nasir Muhammad ein Gastgeschenk von 50.000 Golddinaren. Nur treffen wollte er ihn lieber nicht, denn dafür hätte er dem Protokoll nach dem Sultan die Füße küssen müssen. Doch da er auf seine Gastfreundschaft angewiesen war, willigte er schließlich ein und zollte An-Nasir Muhammad seinen Respekt. Zum Dank stellte der Sultan seinem Gast für die Dauer seines Aufenthalts in der Stadt einen ganzen Palast zur Verfügung. Unterdessen schwärmte Mansa Musas Gefolge aus, um auf dem Basar Lebensmittel und Souvenirs zu kaufen.

Ägypten litt unter der Goldschwemme

Da sie reichlich Goldreserven bei sich trugen und es nicht gewohnt waren, zu feilschen, zahlten sie der Überlieferung nach widerstandslos jeden geforderten Preis – und katapultierten Ägypten damit in die Inflation. Zwölf Jahre soll es gedauert haben, bis die Kairoer Märkte sich wieder vom Besuch des Königs von Mali und der damit verbundenen Goldschwemme erholt hatten.

Den ökonomischen Schaden, den Mansa Musa angerichtet hatte, bekam er auf dem Rückweg aus Mekka selbst zu spüren. Um die exorbitanten Preise zahlen zu können, die er auf der Durchreise auf dem Hinweg in die Höhe getrieben hatte, musste er sich nun Geld leihen. Zumal sein Tross unterwegs angewachsen war. In Mekka hatte er wichtige Gelehrte, darunter einige Nachfahren des Propheten Mohammed, sowie Wissenschaftler, Künstler, Dichter und Baumeister eingeladen, ihn nach Hause zu begleiten.

Einer von ihnen war Abu Es Haq es Saheli, ein Poet und Architekt aus Andalusien. Er sollte für Mansa Musa eine Moschee in Timbuktu errichten, das seine Generäle gerade erst für ihn erobert hatten, während er in Mekka weilte. Timbuktu sollte das Zentrum seines Reiches werden. Noch heute bietet die von Abu Es Haq es Saheli erbaute Djingareyber Moschee Platz für 2.000 Gläubige, seit 1988 steht sie auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO. Dem andalusischen Architekten zahlte Mansa Musa 200 Kilo Gold für seine Dienste.

Förderer von Kunst und Wissenschaft

Doch nicht nur die Religion, auch die Wissenschaft förderte der König von Mali mit seinen Reichtümern. Die mitgereisten Forscher quartierte er in der Universität der Stadt ein. Und er kaufte ihnen Bücher. Bald hatte die Universität von Timbuktu mehr Bücher, als einst in der sagenhaften Bibliothek von Alexandria gestanden hatten. Bis zu 25.000 Studenten konnten hier einst wohnen und ihr Wissen mehren, um es anschließend in die Welt hinauszutragen. Selbst in Oxford studierten damals kaum mehr als eine Handvoll Studenten und die Universität Heidelberg, die älteste Deutschlands, war noch nicht gegründet.

Nach seinem unerwarteten Tod, wahrscheinlich 1337, übernahm Musas Sohn Mansa Maghan die Regierungsgeschäfte, der bereits während seiner Haddsch das Land regiert hatte. Vier Jahre später wurde er von Mansa Musas Bruder Mansa Suleyman abgelöst. Beide Männer erbten noch ein unvorstellbar riesiges Vermögen. Doch das Reich war bereits in Auflösung begriffen. Bald zerrieben Bürgerkriege das Land. Heute lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung Malis unterhalb der Armutsgrenze.

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