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Pharao Tutanchamun: Seine Mutter starb einen grausamen Tod


Geheimnisse Ägyptens
Tutanchamuns Mutter starb einen grausamen Tod

Von Angelika Franz

05.09.2021Lesedauer: 4 Min.
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Totenmaske des Tutanchamun: Die Herkunft des Pharao ist geheimnisumwittert.Vergrößern des Bildes
Totenmaske des Tutanchamun: Die Herkunft des Pharao ist geheimnisumwittert. (Quelle: Xinhua/imago-images-bilder)

Er war nicht der größte, aber der berühmteste Pharao des alten Ägyptens. Allerdings weiß die Nachwelt sehr wenig über Tutanchamun. Eins ist sicher: Seiner Mutter erging es schlecht vor ihrem Ende.

Tutanchamun kam gewissermaßen aus dem Nichts. Kein Babybild ist von ihm erhalten, keine Darstellung von ihm im Kleinkindalter. Niemand hat je freudig in Inschriften seine Geburt verkündet, keiner seinen Anspruch auf den Thron Ägyptens betont. Gemeinhin galt Tutanchamun unter Ägyptologen stets als Kind des Pharao Echnaton und dessen Frau Nofretete.

Doch während die Künstler von Echnatons Hauptstadt Amarna sich geradezu überschlugen, die sechs Töchter des Herrscherpaares in trauter Familienidylle zu porträtieren, fehlt von Tutanchamun, dem angeblich einzigen Sohn, auf den Bildnissen jede Spur. Ähnlich still blieben auch die Chroniken nach seinem Tod. Keine Inschriften feiern seinen Namen – als hätte Tutanchamun nie existiert.

Tutanchamun war ein "Niemand"

Heute ist der jung gestorbene Pharao mit der kostbaren Goldmaske der bekannteste Herrscher, den das Reich am Nil je hervorgebracht hat. Bevor der Brite Howard Carter 1922 jedoch sein Grab mit den unermesslichen Schätzen entdeckte, war er ein unbekannter Niemand.

Wer also war Tutanchamun wirklich? Der einzige Hinweis ist eine Inschrift aus Hermopolis: "Sohn des Königs von seinem Leibe, von ihm geliebt, Tut-anchu-Aton". Ob es aber Pharao Echnaton war, der seinen Sohn Tutanchaton, wie Tutanchamun damals noch hieß, liebte, ist nicht sicher. Der Frage versuchte zwischen September 2007 und Oktober 2009 ein internationales Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Zahi Hawass, damals Direktor des Supreme Council of Antiquities, auf den Grund zu gehen. Das Tutankhamun Family Project nahm dafür elf Mumien genauer unter die Lupe, die zum engeren Familienkreis um Tutanchamun gehört haben könnten.

Sein Vater, fanden sie heraus, war eine Mumie, die der Ägyptologe Edward R. Ayrton 1907 im Grab KV 55 im Tal der Könige gefunden hatte. Deren Eltern wiederum waren unzweifelhaft Amenophis III. und die sogenannte Ältere Dame aus Grab KV 35, die von den meisten Wissenschaftlern als Teje identifiziert wird. Amenophis III. und Teje sind den Inschriften zufolge die Eltern Echnatons. Doch ob es sich bei der Mumie in Grab KV 55 tatsächlich um Echnaton handelt oder um einen Vollbruder des Pharao, ist in der Wissenschaft heftig umstritten.

Inzucht in der Familie

Auch die Mutter Tutanchamuns konnte das Tutankhamun Family Project identifizieren. Es ist die sogenannte Jüngere Dame, die sich mit der "Älteren Dame" das Grab KV 35 teilte. Auch deren Eltern waren zweifelsfrei Amenophis III. und Teje – und Tutanchamuns Eltern folglich Vollgeschwister, wie im alten Ägypten durchaus üblich. Der Verwandtschaftsgrad seiner Eltern erklärt jedenfalls, warum es keine Kinderbilder von Tutanchamun gibt. Er kann damit nicht das Kind des Herrscherpaares Echnaton und Nofretete gewesen sein, denn die beiden waren mit Sicherheit keine Geschwister.

Die Untersuchungen offenbarten jedoch noch weitere Details aus Tutanchamuns Kindheit. CT-Scans der "Jüngeren Dame" zeigten, dass sie vor ihrem Tod schrecklich zugerichtet worden war. Große Teile der linken Gesichtshälfte fehlen, Mund und Wange wurden dort brutal weggerissen. An den Rändern der Wunde aber hatte sich ein Bluterguss gebildet – was nur möglich ist, wenn das Blut noch im Körper pulsiert. Die "Jüngere Dame" muss also noch gelebt haben, als man ihr das Gesicht zerfleischte. Sollte Tutanchamun den Tod seiner Mutter miterlebt haben, war er vermutlich für den Rest seines Lebens traumatisiert.

Das Tutankhamun Family Project geht fest davon aus, dass die Mumie in KV 55 Echnaton ist. Doch es gibt noch eine weitere Möglichkeit. Kate Phizackerley, Gründerin und Herausgeberin der mittlerweile eingestellten Zeitschrift "Egyptological", puzzelte an Hand der Allele – alternative Formen eines Gens, die auf bestimmten Genorten sitzen – den Stammbaum anders zusammen. Nicht Echnaton sei der Vater Tutanchamuns, folgert sie, sondern ein Bruder von ihm. Der habe mit seiner Nichte, der "Jüngeren Dame", Tutanchamun gezeugt.

Gräber über Gräber

Und Nofretete sei für Echnaton keine Fremde gewesen, schloss sie weiter aus den Allelen, sondern seine Cousine, die Tochter eines Bruders von Teje. Die Kinder der beiden waren damit die Tanten des Tutanchamun.
Eine von ihnen, Anchesenamun, nahm der junge Pharao bereits im Kindesalter zur Frau. Darstellungen in seinem Grab zeigen die beiden in trauter Zweisamkeit. Trotz seiner jungen Jahre zeugte Tutanchamun zwei Mädchen, die jedoch schon vor der Geburt starben und mit ihm im Tal der Könige begraben wurden.

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Ihre Gene verraten nicht nur, dass Tutanchamun tatsächlich der Vater, sondern auch wer ihre Mutter war: die Mumie A aus dem Grab KV 21. Vandalismus und Wasser haben den Leichnam schwer beschädigt, doch eines können die Forscher mit Sicherheit sagen: Die Frau, die bereits in sehr jungen Jahren verstarb, litt unter großen Schmerzen und konnte auf ihren stark fehlgebildeten Füßen vermutlich nie laufen. Aber eines war sie nicht: eine Tochter der Mumie aus KV 55.

Wenn die Mumie aus KV 55 also Echnaton ist, dann zeugte Tutanchamun seine Kinder nicht mit seiner inschriftlich verbürgten Gemahlin Anchesenamun. Wenn es sich bei der Mumie A aus KV 21 allerdings doch um Anchesenamun handelt, dann ist die Mumie aus KV 55 nicht Echnaton. Zumindest, wenn man stillschweigend davon ausgeht, dass Nofretete ihren Mann nie betrog.

Damit stehen nach wie vor nur drei Dinge fest. Tutanchamun war der Sohn eines Pharao und einer Mutter, die einen grausamen Tod fand. Und er zeugte zwei Mädchen, die beide tot geboren wurden. Ein Grund dafür, dass die Kinder nicht lebensfähig waren, drängt sich auf: die generationsübergreifende Inzucht der königlichen Familie.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Angelika Franz: Tutanchamun. Leben, Tod und Geheimnis, Frankfurt/Main 2017
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