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Treibgas-Verbot wirkt gegen krebserregende Strahlung

Treibgas-Verbot wirkt gegen krebserregende Strahlung

16.03.2012, 21:13 Uhr | Von Axel Bojanowski, Spiegel Online

Treibgas-Verbot wirkt gegen krebserregende Strahlung. Die krebserregende UV-Strahlung hat abgenommen (Quelle: AFP)

Die krebserregende UV-Strahlung hat abgenommen (Quelle: AFP)

Bei einer der größten Umweltkatastrophen der Menschheit scheint die Wende geschafft. Forscher haben jetzt bewiesen: Es gelangt weniger krebserregende UV-Strahlung auf die Erde. Grund ist demnach die allmähliche Heilung der Ozonschicht - dank des Verbots von FCKW-Gasen.

Jahrzehntelang wurde die Bedrohung immer größer: Die schützende Ozonschicht in zwanzig Kilometern Höhe über der Erde dünnte aus, der Weg wurde frei für UV-Strahlung von der Sonne. Dadurch erkrankten mehr Menschen an Hautkrebs; wie viele es waren, ist unklar. Schuld am schwindenden Ozon waren vor allem Substanzen aus Spraydosen und Kühlschränken, sogenannte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). 1987 reagierten die Vereinten Nationen: Im Montrealer Protokoll wurde die Herstellung und Verwendung von FCKW und anderen Substanzen verboten. Seither wartet die Welt auf eine Verkleinerung des Ozonlochs.

Im Herbst 2010 gab es einen ersten Erfolg: Die Ozonschicht beginne sich zu erholen, berichteten Wissenschaftler. Jetzt zeigt eine neue Studie zum ersten Mal, dass sich dadurch die gesundheitliche Situation für Menschen tatsächlich verbessert hat: Krebserregende UV-Strahlung am Boden habe sich in den vergangenen Jahren abgeschwächt, berichten Forscher um Christos Zerefos vom Atmosphären-Forschungszentrum an der Academy of Athens in Griechenland im Fachblatt "Atmospheric Chemistry and Physics". Der Wendepunkt sei offenbar erreicht, schreiben Zerefos und seine Kollegen.

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"Die Ergebnisse sind ermutigend", sagt Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut in Potsdam, ein renommierter Ozon-Experte, der an der Studie nicht beteiligt war. Die Ozonschicht über den untersuchten Regionen werde dicker, das sei ein Erfolg des Montrealer Protokolls.

Saubere Luft verstärkte die Strahlung

Die Ergebnisse der neuen Studie stützen sich auf Daten von 1990 bis 2011 aus zwölf Messstationen in Europa, Kanada und Japan. Dort wurde sowohl die Intensität der Sonnenstrahlung in zahlreichen Wellenlängen gemessen, als auch die Zusammensetzung der Luft in unterschiedlichen Höhenschichten. Es sei eine gute Nachricht, dass auf diese dicht besiedelten Regionen nun weniger gefährliche UV-Strahlung treffe, sagt Zerefos. Die Daten seien auf andere Regionen übertragbar.

Die Analyse der Forscher ergab, dass sich die Ozonschicht bereits 1995 leicht zu erholen begann. Eine andere Umweltschutzmaßnahme jedoch machte die gesundheitsfördernde Wirkung zunächst zunichte: Die Luft wurde sauberer - und damit durchlässiger für UV-Strahlung.

Seit 2007 jedoch überbiete der Erholungseffekt der Ozonschicht die Wirkung der reiner werdenden Luft, berichten Christos Zerefos und seine Kollegen - in jenem Jahr sei wahrscheinlich der Wendepunkt erreicht worden. Im Vergleich zu 2007 treffe zwischen zwei und vier Prozent weniger UV-B-Strahlung auf den Boden. UV-B-Strahlung dringt tief in die Haut, sie gilt in hoher Dosis als besonders gefährlich.

Die Sonnenbrand-Vorhersage

Auch wenn die Wende insgesamt wohl erreicht sei - es drohten vor allem im Frühjahr weiterhin Tage mit gefährlicher Strahlung, warnt Markus Rex. Die ungewöhnlich starke Abkühlung hoher Luftschichten hätte in den vergangenen Jahren sogar mehrfach für extremen Ozonverlust im Frühling über hohen nördlichen Breiten gesorgt: 2011 schoben sich die Schwundgebiete mehrfach über Europa.

Erstmals sprachen Forscher 2011 von einem Ozonloch im Norden, es war fünfmal so groß wie Deutschland. Bislang war der Ozonschwund vor allem über dem Südpol aufgetreten. Über der Schneewüste der Antarktis ist es kälter - und ab minus 78 Grad beginnt sich Ozon zu zersetzen. Unterhalb dieser Schwelle setzen FCKW ihre Zerstörung der Schutzschicht in Gang, die von der Energie der Frühlingssonne beschleunigt wird.

Forscher rätseln, warum sich nun auch im Norden hohe Luftschichten so stark abkühlen. Sicher scheint zu sein, dass Abgase aus Autos und Fabriken zum Temperatursturz beigetragen haben: Treibhausgase wie Kohlendioxid, die die bodennahe Luft erwärmen, sorgen in höheren Sphären für Abkühlung. Doch dieser "umgekehrte Treibhauseffekt" erklärt nur einen Teil der Abkühlung. Erst wenn alle FCKW aus der Luft verschwunden sind, wird die Zerstörung gestoppt sein - doch das wird nach Berechnungen der Weltorganisation für Meteorologie noch Jahrzehnte dauern.

Für die kommenden Tage sagen Meteorologen mittlere UV-Intensität in Deutschland vorher; ein Ozonloch wie im letzten Jahr ist noch nicht in Sicht. Für längere Aufenthalte im Freien sei es aber ratsam, sich einzucremen; auch im Frühjahr drohten Sonnenbrände. Im Laufe des Aprils jedoch sinkt das Risiko: Im Frühjahr erwärmt sich die Luft, so dass der chemische Zerstörungsprozess irgendwann gestoppt wird. Im Sommer jedoch bei praller Sonne herrscht ohnehin ein Sonnenbrandrisiko - auch ohne Ozonschwund.

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