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Naturkatastrophe: "Etwas, das viel größer ist als wir" - Interview mit Linda Koldau


"Etwas, das viel größer ist als wir"

Ein Interview von Ulrich Weih

28.11.2013Lesedauer: 3 Min.
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Ob Tsunami oder Tornado, ob Hochwasser oder Erdbeben: Die Zahl der schweren Naturkatastrophen scheint zu steigen. Während das Institut für Katastrophenforschung der belgischen Universität Leuven in den 1990er Jahren durchschnittlich noch weniger als 300 Naturkatastrophen pro Jahr verzeichnete, stieg die Zahl zwischen 2000 und 2010 auf etwa 384 Katastrophen pro Jahr. Weltweit müssen viele Millionen Menschen ständig mit der Bedrohung durch Naturgefahren leben.

Auffallend: Rund 90 Prozent sind in Entwicklungsländern zu beklagen. Wir haben mit der Expertin Linda Maria Koldau über den Umgang mit Naturkatastrophen gesprochen.


Naturgewalten: "Etwas, was viel größer ist als wir"

Sturmflut
Wenn die Deichanlagen - wie hier in China - dem Wasser nicht standhalten, sind die Menschen an der Küste in Lebensgefahr, und es drohen katastrophale Zerstörungen.
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t-online.de: Sind Naturkatastrophen in modernen Industriegesellschaften überhaupt ein Thema?

Linda Maria Koldau: Auch Industrienationen liegen an den Herden oder Risikozonen für Naturkatastrophen. Zum Beispiel Istanbul: Die Großstadt liegt unmittelbar an einer tektonischen Bruchlinie; die gesamte Region wird seit Jahrtausenden von Erdbeben erschüttert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Stadt mal von einem gewaltigen Erdbeben heimgesucht wird.

Kann man die Katastrophe mittels Technik bannen?

Das ist ein altes menschliches Motiv, die Hybris, der menschliche Stolz: Wir können mit der Technik die Welt beherrschen. Immer wieder erweist sich diese Vorstellung als vermessener Irrglaube: Es gibt immer ein Katastrophe, die auch den vermeintlich größten Schutz zu Nichte macht.

Man kann aber nicht nach Belieben irgendwelche Schutzbauten errichten und glauben, jetzt sind wir sicher. Letztlich ist es ein ständiger Konflikt zwischen Sicherheit und ökologischen Belangen, Politik, Absprache mit den Nachbarn und natürlich auch der Ökonomie – also der Frage: Was kostet das?

Woher kommt dieser Glaube, dass man Natur beherrschen kann?

Das reicht zurück bis zur Schöpfungsgeschichte in der Bibel. Es ist der Wunsch des Menschen, Kontrolle zu haben: Kontrolle über das eigene Leben, die eigenen Lebensbedingungen und damit Kontrolle über die Natur.

Und es ist der Überlebensdrang des Menschen. Um sich zu schützen, und sei es nur gegen Kälte, muss man eben etwas erfinden, was so in der Natur nicht vorhanden ist. Das geht dann soweit, dass der Mensch versucht, die Natur auch dort zu beherrschen und in ihre Kräfte einzugreifen, wo er die letztendlichen Auswirkungen nicht abschätzen kann.

Zum Beispiel bei Tsunamis: Es gibt immer feinere Modellierungen. Wenn man genaue Daten zur Verfügung hat, etwa wie die Küste aussieht, kann man am Computer berechnen, wie ein Tsunami auf die Küste auftrifft und wie er sich ausbreitet. Aber es zeigt sich immer wieder, dass sich die Natur auch ihre eigenen, unvorhergesehenen Wege sucht.

Und wie werden die Katastrophen-Erfahrungen dann verarbeitet?

Das hat sich im Laufe der Jahrhunderte sehr stark verändert. Früher wurden die Naturkatastrophen häufig als eine Strafe Gottes angesehen. Bis in die Neuzeit wurden diese Erlebnisse und Erfahrungen dann in Mythen verarbeitet und weitergegeben.

Beim Großen Erdbeben und dem anschließenden Tsunami 1755 in Lissabon hat man dann das erste Mal gezielt nach natürlichen Ursachen gesucht. Nach dem Unglück ließ man Fragebögen verteilen: Wer hat was beobachtet? Gab es irgendwelche Vorzeichen? Das war die erste wissenschaftliche Erforschung eines solchen Naturereignisses.

Später wurde die Stadt sicherer wiederaufgebaut - mit breiteren Straßen, um in Zukunft die Brandgefahr zu vermindern. Denn durch das Beben entstanden in der engen Stadt mit ihren zahlreichen Holzhäusern verheerende Feuer und Lissabon brannte fast vollständig nieder.

Und wie reagieren die Menschen?

Das Unheimliche bei dem Eintritt einer großen Naturkatastrophe ist, was mit der Gesellschaft passiert. Wenn so viele gravierende Probleme auftreten, dass das Notversorgungssystem zusammenbricht, dann kommt es zu Plünderungen etc. Das kann schnell ziemlich heikel werden.

Es gibt dazu eine Anekdote aus Stockholm: Da hat vor einigen Jahrzehnten einmal lediglich die Polizei gestreikt. Als das bekannt wurde, waren Teile der Stadt innerhalb kurzer Zeit verwüstet.

Und dennoch: Naturgewalten faszinieren uns auch…

Ja. Einerseits sind wir darauf aus, die Natur zu beherrschen. Andererseits machen wir angesichts von Naturkatastrophen die Erfahrung, dass wir diese Kräfte nicht beherrschen können. Wir stehen vor etwas, das viel größer ist als wir.

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