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Der Fang gro├čer Fische im Weltall

Von dpa
04.11.2018Lesedauer: 3 Min.
Mitarbeiter von Airbus Defence und Space ziehen die Enden von einem Netz auseinander, das entwickelt wurde um Weltraumschrott im All einzufangen.
Mitarbeiter von Airbus Defence und Space ziehen die Enden von einem Netz auseinander, das entwickelt wurde um Weltraumschrott im All einzufangen. (Quelle: Carmen Jaspersen./dpa)
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Bremen (dpa) - Ein kleiner Satellit schwirrt durch den Weltraum. Ein sternf├Ârmiges Netz fliegt ihm entgegen, f├Ąngt ihn und zieht sich rasch um ihn herum zu. M├Âglich machen das kleine Motoren an den sechs Enden.

"Damit der Fisch, den man gefangen hat, nicht mehr entwischt", sagt Projektleiter Ingo Retat vom Raumfahrtkonzern Airbus Defence and Space in Bremen. Gerade haben er und seine Kollegen das Fangnetz zum ersten Mal erfolgreich im Weltraum getestet. K├╝nftig k├Ânnten Satelliten damit auf Jagd nach Weltraumschrott gehen. Als eine Art kosmische M├╝llabfuhr.

Abgebrannte Raketenoberstufen, tote Satelliten, von Astronauten verlorenes Werkzeug - rund 166 Millionen Schrottteile verschiedenster Gr├Â├če kreisen nach Angaben der Europ├Ąischen Raumfahrtagentur Esa um die Erde. Schon heute ├╝berwachen die USA rund 21 000 Fragmente mit einem Durchmesser von mindestens 10 Zentimetern. "Die Diskussion ├╝ber die Entsorgung hat Fahrt aufgenommen", sagt der Esa-Experte Helmut Krag. "Man muss sich darauf einstellen, dass es k├╝nftig einen regulativen Zwang geben wird, M├╝ll im Weltraum zu beseitigen."

Wie das funktionieren k├Ânnte, will die von der EU gef├Ârderte Mission "RemoveDEBRIS" unter Leitung der Universit├Ąt im britischen Surrey demonstrieren. Im Sommer startete daf├╝r ein Forschungssatellit von der Internationalen Raumstation ISS ins Weltall, der - inspiriert vom Fischfang - mit Netz und Harpune Objekte einfangen soll. Sechs Jahre haben die Airbus-Experten das Netz im Labor und bei Fl├╝gen in Schwerelosigkeit getestet.

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Dass es im Prinzip funktioniert, hat der Test im All j├╝ngst bewiesen. Doch danach ist es samt Beute einfach in die unendliche Weite davon getrudelt. Bei einer echten Mission w├╝rde die Raumsonde den eingefangenen Schrott ├╝ber eine Leine einholen. Anfang n├Ąchsten Jahres soll die ebenfalls von Airbus gebaute Harpune zum Einsatz kommen. Diese ist zielgenauer als das Netz, eignet sich nach Angaben von Retat aber nicht so gut f├╝r rotierende Objekte oder welche mit Tank - wegen der Explosionsgefahr.

Etwa zwei bis drei Mal pro Jahr m├╝ssen Satelliten M├╝ll ausweichen. Auch die ISS musste deshalb schon mehrmals ihre Bahn geringf├╝gig ├Ąndern. "Die Gefahr durch Weltraumschrott ist zurzeit noch nicht sehr gro├č", sagt Manuel Metz vom Deutschen Zentrum f├╝r Luft- und Raumfahrt. "Das kann sich in Zukunft aber ├Ąndern, auch durch die Kommerzialisierung der Raumfahrt." Doch die Entwicklung von Technologien, die den Schrott beseitigen k├Ânnen, steht noch am Anfang. "Das Hauptziel werden gro├če Objekte sein, und es m├╝ssten immer mehrere auf einmal entfernt werden, weil es sonst zu teuer wird", prognostiziert Metz.

Japanische und australische Wissenschaftler arbeiten zurzeit an einer neuen Methode, um Weltraumschrott mit Hilfe eines Plasmastrahls abzubremsen. Dadurch soll dieser schneller in die Erdatmosph├Ąre eintreten, wo er vergl├╝ht.

Das Problem dabei: Wenn ein Satellit einen Plasmastrahl ausst├Â├čt, wird er in die andere Richtung weggedr├╝ckt. Er br├Ąuchte also einen zweiten Antrieb, der ihn auf Kurs h├Ąlt. Forscher um Kazunori Takahashi von der Tohoku Universit├Ąt haben jetzt ein System entwickelt, das zwei entgegengesetzte Plasmastrahlen ausst├Â├čt und so den Satelliten steuert. "Unsere Entdeckung wird einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit im Weltraum leisten", ist sich Takahashi sicher. Doch wann dessen Entwicklung komplett abgeschlossen ist, kann er noch nicht sagen.

Deshalb ist das oberste Gebot: Vermeiden, dass neuer Weltraumschrott entsteht. Vor 15 Jahren haben sich 13 Raumfahrtagenturen auf Vorschriften geeinigt, was mit Satelliten am Ende ihrer Lebensdauer geschehen muss. Danach m├╝ssten diese in der niedrigen Erdumlaufbahn sp├Ątestens nach 25 Jahren in der Erdatmosph├Ąre vergl├╝hen, erl├Ąutert DLR-Experte Metz. Kommunikations- und TV-Satelliten im vergleichsweise h├Âheren geostation├Ąren Orbit m├╝ssten auf eine sogenannte Friedhofsbahn mindestens 235 Kilometer weiter weg gebracht werden. "Das sind aber nur Richtlinien", sagt Metz. "Es gibt kein weltweites Gesetz und keine Sanktionen."

Eine M├Âglichkeit, Weltraumschrott zu vermeiden, wollen die Experten auch in der "RemoveDEBRIS"-Mission testen. An deren Ende soll der Forschungssatellit ein 25 Quadratmeter gro├čes Segel entfalten. Dieses soll die Sonde innerhalb von acht Wochen aus 400 Kilometern H├Âhe f├╝r ein feuriges Ende in die Erdatmosph├Ąre bringen. Ohne das Segel w├╝rde das mehr als zweieinhalb Jahre dauern.

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