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Atombatterie im Herzen? Russische Forscher melden Fortschritte mit Nickel-63

Energie aus natürlichem Zerfall  

Atombatterie im Herzen? Russische Forscher melden Fortschritte

18.01.2019, 11:44 Uhr | dpa

Atombatterie im Herzen? Russische Forscher melden Fortschritte mit Nickel-63. Warnschild für radioaktive Stoffe: In der Raumfahrt werden atomare Mini-Batterien schon länger eingesetzt. (Symbolbild) (Quelle: dpa/Jens Büttner)

Warnschild für radioaktive Stoffe: In der Raumfahrt werden atomare Mini-Batterien schon länger eingesetzt. (Symbolbild) (Quelle: Jens Büttner/dpa)

Wenn das radioaktive Isotop Nickel-63 zerfällt, wird Energie frei – aber keine schädliche Gammastrahlung. Diesen Effekt wollen russische Forscher medizinisch nutzbar machen.

Auf dem Weg zu medizinisch nutzbaren Atombatterien haben russische Forscher nach eigenen Angaben einen wichtigen technischen Fortschritt erzielt. Es gelang ihnen demnach, eine mögliche Energiequelle, das radioaktive Isotop Nickel-63, in einer Gaszentrifuge auf mehr als 69 Prozent anzureichern. Das teilte der staatliche russische Hersteller von Kernbrennstoffen TVEL in Moskau mit.

Vom Grad der Anreicherung hängt die Lebensdauer der Batterie ab. Noch 2019 solle in der Forschungsanlage in Selenogorsk in Sibirien eine Anreicherung von über 80 Prozent erreicht werden. Laut TVEL liegen kompakte Atombatterien mit einer Lebensdauer von bis zu 50 Jahren derzeit im Trend im Instrumentenbau und in der Funkelektronik.

"Herzschrittmacher und andere Biostimulatoren"

Atomgetriebene Mikrobatterien eignen sich dort, wo winzige Energiequellen über lange Zeit wartungsfrei funktionieren müssen. Als Einsatzgebiete nannte die Rosatom-Tochter Weltraum-, Militär- oder Industrieanlagen. Aber auch "Herzschrittmacher und andere Biostimulatoren" könnten aus diesen Atombatterien versorgt werden.

Zum Vergleich: Der Hersteller Medtronic gibt auf seiner Webseite an, dass die Batterien seiner Herzschrittmacher ungefähr fünf bis zehn Jahre halten – je nachdem, wie häufig das Gerät aktiv werden muss.

Der Strom entsteht bei nuklearen Minibatterien nicht wie im Atomkraftwerk infolge der Energieentwicklung einer Kernspaltung, sondern aus dem natürlichen Zerfall künstlicher Radioisotope wie Nickel-63 oder Tritium. An solchen Batterien arbeiteten Forschungsgruppen in mehreren Ländern, teilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter auf dpa-Anfrage mit. "Diese Art der direkten Stromgewinnung aus radioaktivem Zerfall wird als Betavoltaik bezeichnet."

Ni-63 zerfällt ohne schädliche Gamma-Strahlung

Nickel mit dem Elementsymbol Ni ist ein Metall. Das künstlich hergestellte Isotop Ni-63 hat eine Halbwertzeit von 100 Jahren. Es zerfalle in eine "sanfte Beta-Strahlung ohne schädliche Gamma-Strahlung", teilte TVEL mit. Damit kommt es für den Einsatz in der Medizin infrage. Zum Abschirmen dieser Strahlen reiche "schon eine einfache Plastikverpackung", sagte ein BfS-Sprecher.

Neu ist die Idee atomgetriebener Herzschrittmacher nicht. Mitte der 1970er-Jahre seien einigen Patienten in den USA, aber auch in Deutschland Batterien mit dem Isotop Promethium-147 eingepflanzt worden, teilte das BfS mit. Dabei habe es aber Probleme bei der Größe, der Lebensdauer und der Abschirmung gegen Strahlung gegeben.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa verwendet seit langem Atombatterien – sogenannte RTGs (Radioisotope Thermoelectric Generators) – als Energiequelle für Anlagen im Weltraum. Dabei wird meist der sehr starke Alphastrahler Plutonium-238 genutzt. Die Sowjetunion stattete früher auch Leuchttürme und andere entlegene Anlagen mit RTGs aus.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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