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Kernfusion im Kinderzimmer: "Ich habe das ganz alleine geschafft"

"Habe das ganz allein geschafft"  

Jackson Oswalt erzeugte Kernfusion im Kinderzimmer

Von Imke Gerriets

06.03.2019, 06:46 Uhr
Kernfusion im Kinderzimmer: "Ich habe das ganz alleine geschafft". Jackson Oswalt in seinem Kinderzimmer: Mit 12 Jahren hat der kleine Kernfusionsexperte in seinem Zimmer einen funktionierenden Kernreaktor gebaut. (Quelle: Privat)

Jackson Oswalt in seinem Kinderzimmer: Mit 12 Jahren hat der kleine Kernfusionsexperte in seinem Zimmer einen funktionierenden Kernreaktor gebaut. (Quelle: Privat)

Der 14-jährige Jackson Oswalt aus den USA hat in seinem Kinderzimmer einen Kernreaktor gebaut. Im Gespräch mit t-online.de erzählt er, wie gefährlich das war – und was er als Nächstes plant.

Jackson Oswalts Freunde spielen in ihrer Freizeit gern Videospiele. Diese Leidenschaft teilt der 14-Jährige aus Memphis im US-Bundesstaat Tennessee mit ihnen. Doch Jackson hat noch ein weiteres und weitaus interessanteres Hobby: Atomphysik. Er experimentiert mit Nuklearteilchen.

Vor zwei Jahren gelang ihm eine Sensation. In einer Versuchsanlage, zu Hause in seinem Kinderzimmer, verschmolz er zwei Atomkerne. Die Anleitung dafür holte er sich aus Foren im Internet. Der erfolgreiche Ausgang des Experiments wurde von Wissenschaftlern bestätigt.

Von der Kernfusion, die der damals noch 12-Jährige durchführte, erfuhr zunächst nur ein ausgewähltes Fachpublikum. Erst jetzt wurde die Geschichte durch einen Bericht beim amerikanischen Fernsehsender Fox News einem breiten Publikum bekannt und sorgt weltweit für Schlagzeilen.

Jackson ist wohl der jüngste Mensch, der je Atomkerne verschmolz

Seinen Plan für die Kernfusion entwickelte der Teenager bereits mit elf Jahren, erzählt er im Gespräch mit t-online.de: "Ich bin ehrgeizig und wollte Taylor Wilson schlagen, nachdem ich von seinen Erfolgen gelesen habe." Wilson hatte im Jahr 2008 im Alter von 14 Jahren einen funktionierenden Kernreaktor gebaut. Ihn wollte der damals elfjährige Jackson unterbieten.

"Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich in der Lage bin, wissenschaftliche Projekte erfolgreich durchzuführen", sagt er weiter. Er behielt Recht und ist nun der wahrscheinlich jüngste Mensch, dem je eine Kernfusion gelang.

"Auf gar keinen Fall hat mir jemand geholfen"

Was Jackson in seinem Kinderzimmer austüftelte, verstanden seine Freunde nicht: "Die meisten hatten keine Ahnung, bis die ersten Artikel erschienen sind. Und die, die es wussten, haben mir wahrscheinlich nicht geglaubt." Jetzt ist das anders, sein Erfolg ist offensichtlich und Jackson nun weltberühmt.

Jacksons Labor: Das ist der funktionierende Reaktor, den der heute 14-Jährige alleine entwickelt hat. (Quelle: Privat)Jacksons Labor: Das ist der funktionierende Reaktor, den der heute 14-Jährige alleine entwickelt hat. (Quelle: Privat)

Gegenüber t-online.de betont Jackson, dass er die Kernfusion ganz ohne Hilfe geschafft hat: "Auf gar keinen Fall hat mir jemand geholfen. Das ist eine Tatsache, die die meisten immer noch falsch verstehen. Ich habe das ganz allein geschafft. Meine Eltern haben mich dabei nur finanziell unterstützt."

Eltern investierten Tausende Dollar

Jacksons Eltern, Vater Chris und Mutter Jennifer, haben das Projekt ihres Sohnes insgesamt mit etwa 7.000 US-Dollar unterstützt: "Ich habe den Betrag nicht sofort bekommen. Es waren eher kleine Schritte von 10 Dollar bis 50 Dollar, die sich irgendwann auf ca. 7.000 Dollar summierten“, erzählt ihr Sohn Jackson Oswalt.

Seinen Eltern war nicht immer klar, in was sie da eigentlich investierten: "Keiner von uns hat eine wissenschaftliche Ausbildung, weshalb wir seine Bemühungen nicht richtig wertschätzen konnten. Davor hatten wir Angst", erzählt Vater Chris Oswalt t-online.de.

Zunächst hätten sie noch nach einem Experten gesucht, der ihnen erklären sollte, an was ihr Junge im Kinderzimmer da eigentlich tüftelt. Doch sie fanden keinen. "Also haben wir uns auf seine Sicherheit konzentriert", erzählt der Vater. Dass Kernfusion kein Kinderspiel ist, war ihnen klar – und so kümmerten sie sich um die Ausrüstung, die ihren Jungen vor Strahlung bewahren sollte.

"Er hat es nur für sich selbst getan"

Jackson ist sich sicher, dass der Bau zu keinem Zeitpunkt gefährlich gewesen ist: "Ich habe immer streng nach Vorschriften gearbeitet und mich von potenziell gefährlichen Teilen der Vorrichtung ferngehalten."

Der Nachwuchswissenschaftler hat noch viel vor: Nach dem ersten Fusionsreaktor möchte er noch einen weiteren bauen. (Quelle: Privat)Der Nachwuchswissenschaftler hat noch viel vor: Nach dem ersten Fusionsreaktor möchte er noch einen weiteren bauen. (Quelle: Privat)

Seine Familie habe an ihn geglaubt: "Es war unmöglich, ihn nicht zu unterstützen. Er hat das alles allein gemacht und war immer interessiert an wissenschaftlichen Themen. Er wollte immer alles wissen und so ging es auch in der Schule weiter", sagt Chris Oswalt zu t-online.de.

Es sei ihm wichtig, dass die Menschen wissen, wie hart sein Sohn für sein Projekt gearbeitet habe: "Er war ein 12-jähriger Junge, der über ein Jahr daran gearbeitet hat, es zu schaffen. Er hat das nur für sich selbst getan, um zu beweisen, dass er es kann."

"Das ist eine herausragende Leistung"

Sina Fietz, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut, schätzt Jackson Oswalts Leistung gegenüber t-online.de als enorm ein: "Wenn ein 12-Jähriger so etwas allein bei sich zu Hause bewerkstelligt, ist das eine herausragende Leistung." Ein "Fusor", so wie Jackson ihn gebaut habe, sei ein beliebtes Experiment für Erwachsene, wenn man sich für eine Kernfusion interessiere.

Doch wie gefährlich ist es, in Eigenregie eine Kernfusion zu Hause durchzuführen? Fietz zu t-online.de: "In einem Fusor-Experiment, so wie es Jackson Oswalt aufgebaut hat, verschmelzen nur wenige Deuterium-Teilchen. Daher ist die dabei freigesetzte Energie nicht groß."

Dennoch sei zu beachten, dass trotz der geringen Zahl von Fusionsreaktionen Röntgenstrahlung entstehe, die abgeschirmt werden müsse. "Außerdem herrscht in der Fusionskammer ein Vakuum, dem die selbstgebaute Kammer standhalten muss. Zusätzlich benötigt so ein Experiment Hochspannung, welche immer mit Vorsicht gehandhabt werden muss", so Fietz weiter.

Die Gefahren hat Jackson erfolgreich abgewendet. Fietz sieht für ihn eine helle Zukunft: "Für eine wissenschaftliche Laufbahn ist Leidenschaft für die Forschung eine wichtige Voraussetzung – und die ist ja ganz offensichtlich vorhanden." Reißen sich jetzt die Wissenschaftler um ihn? "Nach Abschluss einer soliden Ausbildung sollten seine Chancen nicht schlecht sein", so Fietz.

Steve Jobs ist sein Vorbild

Jackson hat sich für die Zukunft viel vorgenommen: "Ich möchte eine Organisation für Kinder gründen, die an ähnlichen Projekten arbeiten wie ich, aber nicht das Glück haben, finanziell unterstützt zu werden." Eines steht für ihn fest: Bei nur einem Kernreaktor soll es nicht bleiben. "Ich möchte einen weiteren Fusionsreaktor bauen, einen 'Sphärischen Tokamak'", erklärt Jackson. Der "sphärische Tokamak" ist eine besondere Form des Kernreaktors, bei dem noch kompliziertere Verschmelzungsprozesse möglich sind.


Daran will Jackson nun tüfteln und später einmal als Kerntechnik-Ingenieur arbeiten. Seine großen Vorbilder seien Tesla-Chef Elon Musk und Apple-Gründer Steve Jobs. So erfolgreich will Jackson auch einmal werden. Die ersten Schritte hat er bereits gemacht.

Verwendete Quellen:

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