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Polio-Fall in Afrika alarmiert WHO

Von dpa
Aktualisiert am 18.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Der Finger eines Kindes wird markiert, nachdem es eine Impfung gegen Polio erhalten hat.
Der Finger eines Kindes wird markiert, nachdem es eine Impfung gegen Polio erhalten hat. (Quelle: Nicholas Kajoba/XinHua/dpa./dpa)
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Johannesburg (dpa) - Der erste Wildpolio-Fall in Afrika seit mehreren Jahren schreckt die Gesundheitsbeh├Ârden im Binnenstaat Malawi auf. Entdeckt wurden die Wildpolio-Viren vom Typ 1 bei einem Kind in der Hauptstadt Lilongwe, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO am sp├Ąten Donnerstagabend mitteilte.

Es handle sich dabei um den ersten Wildpolio-Ausbruch auf dem Kontinent seit 2016. Laboruntersuchungen h├Ątten ergeben, dass das Virus offenbar aus der pakistanischen Sindh-Provinz eingeschleppt wurde - es gleicht dem dortigen Typ.

Malawis Gesundheitsministerin Khumbize Kandodo Chiponda wollte sich gegen├╝ber der Deutschen Presse-Agentur allerdings nicht festlegen auf das Ursprungsland des Virus. Sie betonte, dass ein Notfallkomitee nun eng mit der WHO zusammenarbeite, um die Situation zu analysieren. "Wir werden auch sehr eng mit unseren Nachbarstaaten zusammenarbeiten, da Krankheiten keine Grenzen kennen", erkl├Ąrte sie. Der Staat hatte 1992 seinen letzten Polio-Fall verk├╝ndet und gilt seit dem Jahr 2005 als komplett Polio-frei.

Afrika hatte das offizielle WHO-Statut als poliofreier Kontinent im August 2020 erhalten, nachdem mindestens vier Jahre lang kein derartiger Fall mehr auf dem Kontinent festgestellt wurde. "Da es sich um einen aus Pakistan eingeschleppten Fall handelt, ber├╝hrt diese Entdeckung nicht Afrikas Status als Region, die frei von Wildpolio ist", schreibt die WHO. Die Organisation werde die ├Ârtlichen Gesundheitsbeh├Ârden des Staates im S├╝dosten Afrikas dabei unterst├╝tzen, dass der Fall isoliert bleibe und sich nicht verbreite.

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Die Kinderl├Ąhmung (Polio) kann zum Tod f├╝hren

Denn das Risiko gilt als hoch, dass diese alte Plage den durch die Corona-Pandemie schon geschw├Ąchten Kontinent erneut an die Grenzen seiner Kapazit├Ąten f├╝hren k├Ânnte. "Solange Wild-Polio irgendwo auf der Welt existiert, besteht f├╝r jedes Land das Risiko eines Viren-Imports", sagte WHO-Regionaldirektorin Matshidiso Moeti.

Polio - oder auch Kinderl├Ąhmung - ist eine ansteckende Infektionskrankheit und kann L├Ąhmungen ausl├Âsen und zum Tod f├╝hren. Vor allem bei Kleinkindern kann es dauerhafte L├Ąhmungen hervorrufen. Verbreitet wird das hoch ansteckende Virus oft ├╝ber verunreinigtes Wasser. Eine Heilung f├╝r Polio gibt es bisher nicht. Bis auf Afghanistan und Pakistan haben alle L├Ąnder der Welt bisher die Wildpolio-Viren besiegt.

Pakistan konnte Erfolge verbuchen

In Pakistan war zuletzt die Hoffnung gestiegen, Kinderl├Ąhmung auszurotten. Ende Januar hatten die Beh├Ârden bekanntgegeben, dass binnen einen Jahres kein neuer Polio-Fall registriert worden sei. Der Meilenstein markierte einen gro├čen Erfolg im Kampf Pakistans gegen die Krankheit. Im Jahr 2020 wurden 84 F├Ąlle und im Jahr 2019 noch fast 150 verzeichnet. Die WHO hatte zuletzt die Fortschritte Pakistans begr├╝├čt, aber davor gewarnt, dass eine vollst├Ąndige Ausrottung noch dauere.

Offizielle in dem Land mit 220 Millionen Einwohnern f├╝hren die j├╝ngsten Erfolge auf eine ge├Ąnderte Impfstrategie zur├╝ck. Man habe zuletzt mehr auf Kinder in jenen Gebieten des Landes abgezielt, in denen Eltern den Impfstoff ablehnten. Von militanten Islamisten werden immer wieder unwahre Ger├╝chte gestreut, die Impfungen w├╝rden Kinder unfruchtbar machen. Aber auch Bewegungsbeschr├Ąnkungen w├Ąhrend der Coronavirus-Pandemie und eine bessere Hygiene h├Ątten zu den Erfolgen beigetragen.

In Afghanistan wurde mehr geimpft

In Afghanistan wurde in diesem Jahr laut Global Polio Eradication Initiative bisher ein Polio-Fall mit dem Wildtyp registriert. 2021 waren es vier, und somit laut Unicef die niedrigste je registrierte Zahl an Polio-F├Ąllen in dem Land. Zuletzt konnten in Afghanistan auch wieder mehr Polio-Impfungen durchgef├╝hrt werden, da Impfteams nun auch in fr├╝her unzug├Ąnglichen Gebieten t├Ątig sein k├Ânnen.

Vor dem Fall der Regierung und der Macht├╝bernahme der militant-islamistischen Taliban im Sommer 2021 hatten die Taliban aus Sorge, die Impfhelfer spionierten f├╝r die Regierung oder den Westen, diese nicht in die von ihnen kontrollierte Gebiete gelassen. Mit den landesweiten Impfkampagnen im November und Dezember sind laut Unicef 2,6 Millionen Kinder erstmals seit drei Jahren gegen Polio geimpft worden.

In Afrika war der letzte Wildpolio-Fall laut WHO 2016 in Nigeria registriert worden. Allerdings gab es in der Vergangenheit auch in Afrika vereinzelte F├Ąlle einer abgeschw├Ąchten Form des Polios, des sogenannten Impfpolios. Denn die Polio-Impfung selbst kann in Einzelf├Ąllen eine sogenannte Impfpoliomyelitis ausl├Âsen. Im ostafrikanischen Land Uganda etwa wurden im vergangenen August in Proben aus zwei Kl├Ąranlagen der Hauptstadt Kampala solche Viren nachgewiesen. Es habe genetische ├ťbereinstimmungen mit einem bereits im Sudan aufgetretenen Virus gegeben, berichteten die ├Ârtlichen Beh├Ârden.

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