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Annalena Baerbock in Hannover: Wurde sie bei Wahlkampf-Auftritt ausgepfiffen?


Baerbock bei Auftritt ausgepfiffen? Wie ein Video den Fall verdreht

  • Patrick Schiller ist t-online Regio Redakteur in Hannover.
Von Patrick Schiller

Aktualisiert am 05.10.2022Lesedauer: 3 Min.
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Annalena Baerbock bei der Landtagswahlkampfveranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen am Sonntag in Hannover.
Annalena Baerbock bei der Landtagswahlkampfveranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen am Sonntag in Hannover. (Quelle: IMAGO/Ulrich Stamm/imago images)
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Am Sonntag unterstützte Außenministerin Annalena Baerbock die Grünen in ihrer Heimatstadt Hannover. Videoschnipsel zeigen angeblich, wie unbeliebt sie da ist.

Ein Auftritt von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock bei einer Wahlkampfveranstaltung der Grünen in Niedersachsen geht durchs Netz: Betreiber von wohl rechten Social-Media-Kanälen nutzen gerade ein Video ihres Auftritts am Küchengarten, ein Platz in Hannover, um Stimmung gegen ihre Partei und die Außenministerin zu machen.

In dem 21-sekündigen Clip ist Baerbock während ihrer Wahlkampfrede am vergangenen Sonntag zu sehen – begleitet von lauten Pfiffen und "Hau ab"-Rufen. Der Eindruck, der hier wohl erweckt werden soll: Die Grünen-Politikerin ist in Hannover, und im Niedersachsen-Wahlkampf, unerwünscht, bekommt hier keinen Zuspruch.

Doch tatsächlich konnte sich die Außenministerin in ihrer Heimatstadt ungeachtet des schlechten Wetters über viel Unterstützung freuen – trotz organisiertem Gegenprotest.

Erheblich mehr Grünen-Unterstützer vor Ort

Laut einer Sprecherin der Polizei Hannover waren etwa 70 Personen zu einer nicht angemeldeten Gegenversammlung zusammengekommen. Demgegenüber verfolgten rund 700 Unterstützer der Grünen im Innenbereich die Rede der Außenministerin, sagt eine Polizeisprecherin zu t-online. Die Grünen sprechen sogar von 1.000 Personen.

Der Clip wurde aus der Gruppe des Gegenprotests heraus gefilmt. Im Vorfeld hatten die Betreiber unterschiedlicher Telegram-Channel, darunter die "Freien Niedersachsen", dazu aufgerufen, sich bei der Grünen-Versammlung zu versammeln. Einzelne Nutzer empfahlen, die Veranstaltung möglichst laut zu stören: "Alle hin und pfeifen!", schreibt einer.

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Auch AfD-Verband teilt das Video

Neben den permanenten Pfiffen sind immer wieder "Hau ab"-Rufe und Tröten zu hören. Im Netz kursieren jedoch auch Videos anderer Teilnehmer des Gegenprotests. Sie belegen, dass der auf Twitter verbreitete Clip nur ein verzerrtes Bild der Geschehnisse vor Ort präsentiert: Darin schwenkt die Kamera über die gesamte Versammlung.

Die Anzahl der dort pfeifenden und brüllenden Menschen bestätigt in etwa die Zahl einer auf etwa 70 Personen begrenzten Gruppe, die sowohl die Polizei, die Grünen als auch ein t-online-Reporter vor Ort schätzen. Mittendrin: Die Handykamera, die den Ton der Protestgruppe direkt aufnimmt.

Ein YouTube-Clib zeigt die Teilnehmer des Gegenprotests beim Baerbock-Auftritt. Die Personenanzahl übertrifft die Einschätzung der Polizei eher nicht.
Ein YouTube-Clip zeigt die Teilnehmer des Gegenprotests beim Baerbock-Auftritt. Die Personenanzahl übertrifft die Einschätzung der Polizei eher nicht. (Quelle: Screenshot/YouTube-Kanal "Mark Grigi")

Trotzdem werden die Clips tausendfach in rechten Kreisen in den sozialen Netzwerken geteilt. Ein Nutzer schreibt: "Unsere beliebte Außenministerin in ihrer Heimat". Ein anderer: "Man versteht nichts von der Spalterin #Baerbock. Gut so!" Auch die AfD-Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg teilt den Clip, schreibt dazu bei Twitter: "Das Volk kann man nicht verscheissern!".

"Es handelte sich um eine kleine, aber laute Minderheit"

Auch die Sprecherin des Grünen-Landesverbandes widerspricht dieser Wahrnehmung: "Sowohl Russland- und Putin-Sympathisanten, Verschwörungsanhänger, AfD-Anhänger und andere Rechtsradikale, aber auch radikale Linke haben sich am Rand der Veranstaltung postiert", sagt Sprecherin Heike Köhn zu t-online.

"Es handelte sich am Sonntag um eine kleine, aber laute Minderheit", so Köhn weiter. "Die große Mehrheit der Teilnehmenden hat sich aber, wie auch die Redner*innen, nicht davon beeindrucken lassen."

Bei der Grünen-Veranstaltung sind am Wochenende am Ihmezentrum in Hannover trotz Regen Hunderte Menschen zusammengekommen.
Bei der Grünen-Veranstaltung sind am Wochenende am Ihmezentrum in Hannover trotz Regen Hunderte Menschen zusammengekommen. (Quelle: Patrick Schiller)

Annalena Baerbock hatte sich gleich zu Beginn ihres Auftritts an die Teilnehmer des Gegenprotests gerichtet: "Es ist gut, in einem Land zu leben, in dem jeder seinen Protest ausdrücken darf und nicht von der Straße weg verhaftet wird."

Habeck und Baerbock werben in Hannover für die Grünen bei der Landtagswahl in Niedersachsen

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Baerbock: Dankbar für Demokratie

"Ich freue mich, in einer Demokratie zu leben, wo wir geheim wählen können und nicht in Scheinreferenden, wo jemand mit einer Kalaschnikow daneben steht", sagte Baerbock auch in Richtung des Protests. Und sie richtete sich an die Polizei: "Ich bin dankbar für eine Gesellschaft, in der politische Kundgebungen durch die Polizei geschützt werden und nicht niedergeschlagen, wie derzeit im Iran", so Baerbock.

Laut einer aktuellen Insa-Umfrage im Auftrag von "Bild" kämen die Grünen kurz vor den Landtagswahlen auf 16 Prozent und können sich damit Hoffnung auf eine Regierungsbeteiligung machen. Derzeit regieren SPD und CDU in Niedersachsen in einer Großen Koalition. Doch eine Fortsetzung des Bündnisses gilt als unwahrscheinlich. Ministerpräsident Stephan Weil sagte der "Süddeutschen Zeitung", dass er im Falle eines Sieges auf eine Neuauflage der rot-grünen Koalition setze.

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Verwendete Quellen
  • Reporter vor Ort
  • Telefonat mit dem Polizeidezernat Hannover
  • time.com: "Time 100 Next"
  • E-Mail-Austausch mit der Pressestelle der Grünen-Landtagsfraktion in Niedersachsen.
  • wahlrecht.de: "Umfragen Niedersachsen (#ltwnds, #ltwni)"
  • sueddeutsche.de: "Weil will zurück zu Rot-Grün"
  • Eigene Recherche
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