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Von Kabul nach Schwerin: Eine junge Afghanin fÀngt neu an

Von dpa
07.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Afghanin fÀngt in Deutschland neu an
Die 28-jĂ€hrige Afghanin Diana Afzali trifft sich mit Brigadegeneral Markus Kurczyk. (Quelle: Jens BĂŒttner/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Diana Afzali hat sich und ihrer Familie einen Neuanfang in Europa ermöglicht. "Man muss sein Leben selbst in die Hand nehmen", sagt die 28-jÀhrige Ingenieurin, wÀhrend sie auf einem Sofa im Landeskommando der Bundeswehr in Schwerin sitzt und die Sonne durch das offene Fenster auf das locker getragene Kopftuch und ihre langen schwarzen Haare fÀllt. Ihr Weg begann als enge Kooperationspartnerin der NATO in Afghanistan und als Nachwuchshoffnung ihres Landes, heute ist Afzali auf dem besten Weg, sich eine Zukunft im Herzen Europas aufzubauen.

Die engagierte, hochgebildete Frau spricht sechs Sprachen und steht vor ihrem zweiten Master-Abschluss in nachhaltigem Management im französischen Rennes. Im Vergleich zum afghanischen Durchschnitt gehörte sie damit sicher zu den Privilegierten in ihrer Heimat. Doch vor den FĂ€ngen der Taliban hĂ€tte sie wahrscheinlich nichts davon retten können: Ob sie noch am Leben wĂ€re, wĂ€re sie im August 2021 - als die Taliban kampflos in Kabul einmarschierten - im Land gewesen, sie weiß es nicht. Ihr Vater riet ihr, nicht anlĂ€sslich des Geburtstags ihrer Schwester aus Frankreich zurĂŒckzukehren: Ein guter Rat, der Afzali jedoch verzweifelt im fernen Europa zurĂŒckließ. "In den ersten Tagen hatte ich keine Kraft mehr. Am Ende denkst du, Mensch, du kannst nichts mehr machen", erzĂ€hlt sie. Aus Sorge um ihre Eltern, Bruder und Schwester wandte sie sich an einen ehemaligen Kollegen, den deutschen Brigadegeneral Markus Kurczyk.

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Mit ihm hatte Afzali ab 2019 in Afghanistan eng zusammen gearbeitet, heute nennt er sie "meine afghanische Tochter". Kurczyk kĂŒmmerte sich im Auftrag der NATO um die Weiterbildung von Afghanen durch die westlichen Staaten, Afzali arbeitete am gleichen Projekt im Auftrag des afghanischen PrĂ€sidenten. Laut dem heutigen Kommandeur des Landeskommandos der Bundeswehr im Nordosten war die junge Frau eine der Nachwuchshoffnungen Afghanistans: "WĂ€re es nicht zu der MachtĂŒbernahme der Taliban gekommen, sĂ€ĂŸe hier eine mögliche nĂ€chste Energieministerin Afghanistans".

FĂŒr sie und die anderen Mitarbeiter des PrĂ€sidialbĂŒros in Kabul fĂŒhlte sich Kurczyk ein StĂŒck weit verantwortlich. Er sei es den Menschen, die mit ihm in Afghanistan zusammengearbeitet haben, schuldig gewesen, alles zu tun, um sie dort heil rauszubringen. Diana Afzali war bereits in Sicherheit, doch die Gefahr war auch fĂŒr den Rest ihrer Familie akut: Ihr Bruder war Polizist, ihr Vater hatte vor seinem Ruhestand im Finanzministerium gearbeitet, das machte sie zur Zielscheibe fĂŒr die neuen Machthaber. Die Familie wurde gesucht und musste sich ĂŒber Monate bei Freunden in Kabul verstecken. ErzĂ€hlen Kurczyk und Afzali heute von den wiederholten Versuchen, die Familie ĂŒber den Flughafen zu evakuieren, so lĂ€sst sich nur erahnen, welche emotionale Belastung dies gewesen sein muss.

Schlussendlich, nach sechs Monaten, konnte die Familie mithilfe der deutschen Botschaft in Pakistan und dem Umweg ĂŒber das Nachbarland nach Deutschland ausreisen. Über die geglĂŒckte Rettung sagt Kurczyk heute: "FĂŒr mich ist das tatsĂ€chlich meine Befriedigung fĂŒr meinen Einsatz". Dabei sieht er seine Arbeit noch nicht getan. Afzali, ihren Eltern, ihrer Schwester und ihrem Bruder will er dabei helfen, sich in Deutschland zu integrieren.

Diana Afzali ist auf diesem Weg schon weit gegangen: Die an der technischen UniversitĂ€t in Kabul ausgebildete Ingenieurin arbeitet aktuell als Praktikantin in einem Unternehmen im Bereich Erneuerbare Energien in Schwerin, zuvor hatte ihr Kurczyk bereits eine Hospitanz im Energieministerium vermittelt. Die Investition könnte sich bald auszahlen: Das Unternehmen hat signalisiert, dass sie sie nach ihrem Studienabschluss gern ĂŒbernehmen wĂŒrden.

Doch auch wenn sie allen Grund hat, optimistisch in die Zukunft zu blicken, die Lage in Afghanistan verfolgt Afzali weiterhin aufmerksam. Ob sie je wieder nach Afghanistan zurĂŒckkehren kann, ist ungewiss. Afzali ist ĂŒberzeugt, dass ihre Heimat sich nur gemeinsam mit den Frauen verĂ€ndern lĂ€sst, die patriarchalischen Strukturen hĂ€tten versagt. Irgendwann werde es fĂŒr MĂ€dchen und Frauen wieder möglich sein, zur Schule zu gehen und zu studieren, hofft sie.

Was schon sicher ist: Mit der MachtĂŒbernahme in Kabul haben die Taliban das Land um eine engagierte Nachwuchshoffnung Ă€rmer und Deutschland reicher gemacht.

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