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Kölner Start-ups: Nachhaltig Gründen in Corona-Zeiten


Nachhaltig Gründen in Corona-Zeiten


Aktualisiert am 11.04.2021Lesedauer: 4 Min.
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Julien Thiele und Isabelle Kahl von "Hats&Shots": Das Kölner Paar bietet mit seinem Start-up nachhaltig produzierte Mützen und Spirituosen an.Vergrößern des Bildes
Julien Thiele und Isabelle Kahl von "Hats&Shots": Das Kölner Paar bietet mit seinem Start-up nachhaltig produzierte Mützen und Spirituosen an. (Quelle: Julien Thiele/Isabelle Kahl)

Die Pandemie verringert die Joboptionen: Drei junge Kölnerinnen und Kölner haben die Gelegenheit genutzt, sich beruflich umzuorientieren. Die Start-ups "Hats&Shots" und "Hempies" setzen auf unterschiedliche Produkte – aber beide auf Nachhaltigkeit.

Ronja Hemmersbach ist erst seit einem Jahr Veganerin – und seit Mitte Januar Betreiberin des veganen Backmobils "Hempies" im Mediapark. "Ich habe mich lange mit dem Veganismus beschäftigt, aber die komplizierte Suche nach leckeren veganen Backwaren haben mich bis letztes Jahr davon abgehalten, mich vegan zu ernähren", sagt Hemmersbach. Nun will sie den Menschen zeigen, dass es auch Alternativen zu den herkömmlichen Klassikern gibt. Deshalb befüllt sie selbst Schokocroissants mit veganer Schokolade, belegt Laugenecken und Baguettes mit veganer Mozzarella und stellt ihr eigenes Pesto her.

Der Standplatz im Mediapark ist kein Zufall: Nach ihrem Psychologie-Bachelor arbeitete die 24-Jährige dort einige Monate in einem Start-up. Als ihr Vertrag aufgrund der Pandemie endete und sie die Idee für ihr Backmobil bekam, fiel ihr der Park ein. Anfangs wollte sie noch mehrmals wöchentlich den Standort wechseln, die Nachfrage war aber so gut, dass sie einfach blieb: "Im Mediapark fehlte es an guten Frühstücksmöglichkeiten, obwohl hier täglich so viele Menschen vorbeikommen", sagt die Gründerin. Dass diese nicht unbedingt Veganerinnen und Veganer sind, sei nicht schlimm: "Ich will mit Geschmack überzeugen."

Vom Erlös werden Bäume gepflanzt

Auch Julien Thiele wagte in Corona-Zeiten einen Neuanfang. Er hatte im vergangenen Jahr seinen Job als Eventmanager gekündigt und wollte sich "nach der Kündigung neu erfinden". Deshalb tourten er und seine Freundin Isabelle Kahl, die freiberuflich in der Filmbranche arbeitet, mit ihrem Van durch Europa. Auf dieser Reise kam ihnen die Idee für "Hats&Shots" – einen Onlineshop, der Kopfbedeckungen und Spirituosen anbietet.

"Wir haben selber über hundert Mützen zuhause. Kopfbedeckungen waren schon immer eine Leidenschaft", sagt Kahl. Die Idee für den "Schnappskopp" – einen Rübli-Likör mit Karotten, Haselnuss und Mandeln – kam den beiden, weil sie "einfach gerne Schnaps trinken". Seit Ende März ist ihr Shop nun online. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig: "In der Eventbranche gibt es momentan nicht viele Angebote", meint Thiele. Deshalb sei viel Energie für die Vorbereitung und Planung da gewesen.

Beide Start-ups legen Wert auf Nachhaltigkeit: Die Mützen von "Hats&Shots" bestehen zur einen Hälfte aus nicht-mulisierter Wolle und zur anderen aus recycelten PET-Flaschen. Die Caps sind aus Bio-Baumwolle. "Von einem Teil des Gewinns werden zudem jährlich Bäume gepflanzt", sagt Isabelle Kahl. Auch der Kaffee von Ronja Hemmersbach ist fair und nachhaltig produziert. Sie bezieht ihn von der Rösterei Holm in Frechen. Kaffeebecher und Tüten sind recycelt. Langfristig will sie auf das Recup-System, also wiederverwendbare Becher umsteigen. Dafür fehlt es momentan aber noch an einer Industriespülmaschine.

Arbeitszeiten von über zwölf Stunden täglich

Und wie startet man ein Unternehmen ohne Erfahrung? "Wir haben einfach Mitbewerber angeschrieben und nach Tipps gefragt", sagt Julien Thiele. Einige hätten sogar geantwortet. Danach suchte das Pärchen deutschlandweit nach Produzenten. Der Hersteller für den Likör war schnell gefunden. "Die Suche nach einem Hersteller für unsere selbst designten Kopfbedeckungen war allerdings der Endgegner", gibt Isabelle Kahl zu. Schließlich wurden sie bei zwei Produzenten in Süddeutschland fündig. Stressfrei war das Ganze aber nicht: "In den letzten eineinhalb Monaten haben wir bis tief in die Nacht vorm PC gehangen", so Kahl. Dazu kam der Druck, schnell online zu gehen, denn Mützen verkaufen sich im Sommer nicht.

Auch Ronja Hemmersbach verbrachte viele Stunden mit der Planung. Und auch jetzt ist der Stress trotz einer neu angestellten Mitarbeiterin nicht vorbei. "Momentan arbeite ich von 4 Uhr morgens bis 17 Uhr, um alles zu organisieren", sagt sie. Aber es lohnt sich: Bei "Hempies" ist die Nachfrage gestiegen. Zwischen 80 und 100 belegte Teile verkauft Ronja Hemmersbach täglich, oft ist bei Verkaufsende um zwölf Uhr alles weg. Wenn Backwaren übrigbleiben, werden sie am nächsten Tag zum halben Preis angeboten oder landen in Ronjas WG: "Ich habe ein Nicht-Wegwerf-Prinzip", sagt sie.

Start-ups sind finanzielles Risiko

Ein finanzielles Risiko sind beide Unternehmen aber trotzdem. "Wir haben überall nur die Mindestabgabemenge genommen, das war aber trotzdem viel Geld", sagt Isabelle Kahl. Teuer ist vor allem der Einkauf, ansonsten hat das Paar viel selbst gemacht, etwa die Webseite. Ronja Hemmersbach hat das Risiko minimiert, indem sie vor allem ins Backmobil investiert hat.

Dieses hat sie in einer Werkstatt in ihrem Heimatdorf gefunden, es lag sogar noch ein altes Brot darin. Ihre Brüder halfen ihr beim Umbau. "Insgesamt bekomme ich unglaublich viel Unterstützung von meiner Familie und meinen Freundinnen und Freunden", sagt sie. Zum Dank hat sie ihre Produkte nach ihnen benannt. Die "Flotte Lotte", ein Brötchen mit Linsenaufstrich und Räuchertofu, ist eine Anspielung auf ihre beste Freundin Charlotte.

In Zukunft wollen "Hats&Shots" auch Hüte und Stirnbänder designen und einen hochprozentigen Lagerfeuerschnaps für den Winter entwickeln. Die Produkte bleiben vorerst aber nur im Netz bestellbar: "Mit unseren Produkten sind wir momentan noch ein typischer Onlineshop, da unsere Margen recht klein sind", sagt Julien Thiele. Wenn es nach den Gründern geht, werden der Lagerfeuerschnaps und der Rübli-Likör aber irgendwann in den Kölner Bars stehen.

Ronja Hemmersbach "hätte sich nicht erträumen können, dass es so gut läuft". Inzwischen hat sie viele Stammkunden gewinnen können. Ab Juni hat sie eine eigene Küche, es sollen auch neue Mitarbeiter hinzukommen. Zudem gibt es die Überlegung, einen zweiten Standort zu eröffnen, etwa in Ehrenfeld: "Mein Ziel ist es, den Veganismus zu verbreiten, das schaffe ich nicht mit nur einem Backmobil."

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Julien Thiele und Isabelle Kahl
  • Gespräch mit Ronja Hemmersbach
  • Webseite hatsandshots.com
  • Webseite hempies-vegan.de
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