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Gloria Gray gewinnt als erste trans Frau in Deutschland Bürgermeisterwahl


Diese trans Frau steht in Bayern vor der Bürgermeisterinnen-Wahl

Von Christof Paulus

Aktualisiert am 29.11.2022Lesedauer: 3 Min.
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Gloria Gray und Starkoch Alfons Schuhbeck bei der Premiere von Schuhbecks Teatro 2019 (Archivbild): Während Schuhbeck inzwischen vor einer Gefängnisstrafe steht, könnte Gray Bürgermeisterin werden.
Gloria Gray und Starkoch Alfons Schuhbeck bei der Premiere von Schuhbecks Teatro 2019 (Archivbild): Während Schuhbeck inzwischen vor einer Gefängnisstrafe steht, könnte Gray Bürgermeisterin werden. (Quelle: VISTAPRESS / Imago Images)
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Konservativer als Zwiesel klingt kaum etwas: Und doch steht in dem bayerischen Ort Gloria Gray davor, Bürgermeisterin zu werden. Das wäre doppelt revolutionär.

Berge, Wintersport, Wald und Dialekt: Zwiesel ist eine der Städte, die vor bayerischen Klischees nur so zu triefen scheinen. Tief im Bayerischen Wald ist man aber nicht völlig abgeschieden, der Transitverkehr nach Tschechien und Touristen machen den Ort etwas weltläufiger, man vertut sich, wenn man jedes Stereotyp auf die Stadt anwenden will. Und Gloria Gray macht sich gerade daran, einmal mehr mit den Vorurteilen zu brechen: Sie könnte hier als erste trans Frau in Deutschland zur Bürgermeisterin gewählt werden.

Gray, die als Schauspielerin, Model und Autorin in München verwurzelt und bekannt ist, wurde 1965 in Zwiesel geboren, als Bub, wie man hier sagt. Nach einer Karriere in der Weltstadt kehrte sie vor über zehn Jahren in ihre Heimat zurück, engagiert sich seither in der Kommunalpolitik. Und das in einer Konstellation, in der man im ländlichen Bayern keine Wahlsieger erwarten würde. Wahlsiegerin ist Gray nämlich schon: Im ersten Wahlgang lag sie am Sonntag vorn.

Wahl-Münchnerin Gloria Gray könnte Bürgermeisterin werden

Dabei regierten in Zwiesel bislang ausschließlich Männer. Eine Ausnahme gibt es, aktuell führt tatsächlich eine Frau die Geschäfte – weil im April 2021 Bürgermeister Franz Xaver Steininger suspendiert wurde, übernahm seine Stellvertreterin Elisabeth Pfeffer, wenn auch ohne Votum der Bürger. Vor 100 Jahren hatte Zwiesel mal einen Rathauschef, der Maria hieß – mit zweitem Vornamen. Aber eine Frau als gewählte Bürgermeisterin – eine trans Frau noch dazu – würde im scheinbar konservativen Stammland sicher viele überraschen.

Dass ihre Lebensweise nicht immer zur Provinz in Zwiesel passte, hat Gray schon häufig in Interviews erzählt. "Für die Kunst hatte man auf dem Land nichts übrig", sagte sie im Gespräch mit dem "Merkur" über ihre Berufswünsche. Und statt den Eltern ihre Transsexualität anzuvertrauen, hätte sie sich "eher die Zunge abgeschnitten". Mitschüler bedrohten sie, die damals noch in einem Jungenkörper lebte, und bewarfen sie mit Steinen.

Gloria Gray berichtet von transfeindlichen Attacken in Bayern

"Ich hatte Angst, meine Mutter könnte sich was antun, aus lauter Schand und Schmach, weil ihr Kind nicht der Norm entspricht", erzählte Gray, die mit bürgerlichem Namen – und somit auch als Bürgermeisterkandidatin – Gehring heißt. Ihre Schwester habe ihr geholfen, und dann doch auch die Eltern: "Sie haben gesagt: Egal was mit dir ist, du bist unser Kind", berichtet sie von ihrem Outing. Und Heimat blieb Zwiesel sowieso immer.

Mit 18 Jahren war sie einst nach München gegangen, trat in Bühnenshows der queeren Szene auf, tourte mit einem Ensemble durch die USA. Eine besondere Ehre wurde ihr im Jahr 2000 zuteil, als sie eine Rolle in einem Film des Münchner Starregisseurs Joseph Vilsmaier über die Filmikone Marlene Dietrich spielte. Künstlerin ist sie immer noch – wenn auch auf kleineren Bühnen.

Um sich um ihre kranken Eltern zu kümmern, kehrte sie 2010 nach Zwiesel zurück, eröffnete das Café Gloria. Und ging in die Politik. Seit 2020 sitzt sie im Regener Kreisrat, für das Amt der Bürgermeisterin kandidiert sie bereits zum dritten Mal. Ihre Partei: die FDP. Auch das dürfte viele überraschen, hält man die bayerische Provinz doch gerne für CSU-Stammland, in dem höchstens die Freien Wähler mal eine Chance haben.

Noch nie wurde eine trans Frau zur Rathauschefin gewählt

Doch auch hier weiß Zwiesel zu überraschen. Parteilose Kandidaten oder Anhänger einer Bürgerinitiative regierten ebenfalls schon. Und wer weiß, dass Zwiesel dank der Glasbläser auch eine Industriestadt ist, wird vielleicht doch nicht mehr so überrascht sein zu erfahren, dass hier noch vor wenigen Jahren ein SPD-Mann regierte. Ein Genosse ist es auch, gegen den Gray in der Stichwahl antreten muss: Karl-Heinz Eppinger erhielt die zweitmeisten Stimmen. Die Entscheidung fällt am 11. Dezember.

Eine trans Frau als Bürgermeisterin in Deutschland, das gab es übrigens tatsächlich schon einmal: In Quellendorf in Sachsen-Anhalt regierte bis 1999 Michaela Lindner, die wie Gray als Mann auf die Welt gekommen war. Anders als Gray kandidierte sie jedoch noch als Mann und wurde auch so ins Amt gewählt. Ihr Coming-out hatte Lindner erst im Verlauf ihrer Amtszeit, und wurde sofort Opfer der weit verbreiteten Transfeindlichkeit: Als ihre Transsexualität öffentlich wurde, wählten die Wahlberechtigten sie ab.

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Verwendete Quellen
  • idowa.de: "In Zwiesel kommt es zur Stichwahl"
  • Merkur.de: "'Trauen Sie sich mal, anders zu sein!'"
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