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True Crime in München: Diese zehn bekannten Plätze waren Tatorte


Krimitour durch München
Die zehn Orte des Schreckens


12.04.2024Lesedauer: 5 Min.
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Viele bekannte Orte in München, darunter der Stachus oder die Donnersbergerbrücke, wurden in der Vergangenheit zu Orten des Verbrechens. (Quelle: IMAGO/imago)

Zur Geschichte einer Stadt gehören auch ihre Verbrechen. Auf einer Krimitour durch München geht es zu den zehn bekanntesten Tatorten.

München wurde auch dieses Jahr laut Polizei wieder zur sichersten Großstadt Deutschlands gekürt. Doch selbst in der Landeshauptstadt hat es das eine oder andere Verbrechen gegeben. Bekannte Orte wie der Stachus (Karlsplatz), die Donnersbergerbrücke oder die Theresienwiese sind auch Tatorte. Deshalb bietet der Münchner Blaulichtverein Krimitouren durch die Stadt an.

Start der Tour ist das Münchner Polizeipräsidium in der Ettstraße. Hier warten Stephan Funk, Polizeibeamter und Leiter der Polizeiinspektion 12, und sein Kollege Josef Boiger, der beim ärztlichen Dienst bei der Polizei tätig war. Sie wollen die 45 Personen, die sich für die dritte Krimitour in diesem Jahr angemeldet haben, mit an die einstigen Tatorte nehmen. Funk nimmt dabei die Rolle des Faktenvermittlers ein und ordnet sie aus polizeilicher Sicht ein. Boiger ist für die Hintergründe zuständig.

Im Bus, der die Krimifans am Sonntagvormittag durch München fährt, läuft auf dem Weg zum ersten Tatort ein Film über das Verbrechen an der kleinen Michaela. Funk und Boiger ergänzen jeweils mit Hintergrundinformationen. Vor fast 40 Jahren war die damals Achtjährige auf dem Weg zu ihrer Mutter. Sie wollte sie mit der U-Bahn von der Arbeit abholen und dann den Tag mit ihr in der Stadt verbringen. Doch sie kam nie an.

Der Bus hält an der Isar an der Hefner-Alteneck-Straße in Richtung Braunauer Eisenbahnbrücke. Auf der einen Seite glitzert das Wasser, auf der anderen Seite des Isarweges steht ein Denkmal, das an das Opfer eines bösen Verbrechens erinnert. Hier wurde die achtjährige Michaela ermordet.

Zwei Zeuginnen erzählten später, dass sie die kleine Michaela mit einem jungen, attraktiven Mann gesehen hätten, sagt Funk. Viele Jahre später versuchte die Polizei, den Täter mithilfe eines DNA-Tests zu ermitteln. Doch die Suche blieb erfolglos. Michaelas Mörder wurde nie gefunden. "Das ist der einzige nicht geklärte Mord in München", sagt Funk.

Das Olympia-Einkaufszentrum im Münchner Norden ist der nächste Stopp. 2016 wurde es zum Tatort für einen rechtsradikal motivierten Anschlag. Ein 18-jähriger Deutsch-Iraner tötete am und im Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen. Fünf weitere wurden durch Schüsse verletzt.

Laut Funk wurden damals über 70 Fälle gemeldet, die nichts mit dem Anschlag zu tun hatten. "Die ganze Stadt war in Panik", sagt Funk. Durch die ausgelöste Massenhysterie sei fast der polizeiliche Notruf zusammengebrochen. Rund 4.500 Anrufe seien innerhalb einer Stunde bei der Polizei eingegangen.

An ein weiteres Verbrechen gemahnt eine Tafel mit Namen der Opfer im Olympischen Dorf. Das Denkmal in der Connollystraße 31 erinnert an das Olympia-Attentat vom 5. September 1972, bei dem elf israelische Olympiateilnehmer, darunter fünf Athleten, von palästinensischen Terroristen ermordet wurden. Jeder, der hier vorbeikommt, legt als Erinnerung an die Opfer einen Stein auf die Tafel. Und auch die Münchner Polizei hat aus dem Attentat gelernt: "Dieser Tatort war die Initialzündung für die Gründung von Spezialeinheiten, wie beispielsweise das SEK, um in Zukunft mit solchen Lagen besser umgehen zu können", erklärt Funk.

Im Münchner Stadtteil Schwabing-West befindet sich der nächste Tatort. "Das Leben eines Polizisten ist sehr gefährlich", sagt Funk im U-Bahn-Schacht am Bonner Platz. Hier wurde 1995 der junge Polizist Markus Jobst Opfer eines flüchtigen Tankstellenräubers. Jobst reagierte zu spät auf den Täter. Statt zu schießen, wurde er erschossen und zahlte für sein Zögern mit seinem Leben.

Die Theresienwiese in München ist der Austragungsort für das größte Volksfest der Welt: die Wiesn. Für 234 Menschen jedoch endete der Besuch des Oktoberfests am 26. September 1980 in brutaler Gewalt. Ein rechtsextremistisch motivierter Bombenanschlag kostete 13 Menschen das Leben, 221 wurden verletzt. Am Haupteingang des Oktoberfests explodierte in einem Mülleimer eine handgefertigte Bombe. "Es gibt bis heute noch Opfer, die an dem seelischen Trauma leiden", sagt Funk und fügt hinzu: "Das Attentat ist der Grund dafür, dass es auf der Wiesn keine Abfalleimer gibt." Das Oktoberfest-Attentat gilt als der schwerste Terrorakt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Weiter geht die Busfahrt zum Tatort Donnersbergerbrücke. Hier wurde der Grieche Theodoros Boulgarides ebenfalls Opfer einer rechtsextremen Terrorgruppe. Am 15. Juni 2005 wurde er in seinem Schlüsseldienst-Laden an der Donnersbergerbrücke als siebtes Opfer des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) getötet. Es war einer von insgesamt neun Morden an Migranten in der Bundesrepublik Deutschland.

Das Fünfsternehotel "Bayerischer Hof" in München ist für seine prominenten Gäste bekannt. Nicht weit davon entfernt, in der Kardinal-Faulhaber-Straße, wurde vor über 100 Jahren ein Politiker erschossen. Kurt Eisner war Bayerns erster Ministerpräsident. Als er am 21. Februar 1919 auf dem Weg von seinem Dienstsitz zum Bayerischen Landtag war, weil er seinen Rücktritt bekannt geben wollte, erschoss ihn ein 31-jähriger Student.

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Nur etwa 800 Meter weiter erinnert heute nur noch eine kleine dunkle Marmortafel an die schillernde Persönlichkeit, die einst in der Maximilianstraße ihr Geschäft betrieb. Rudolph Moshammer wurde in der Nacht zum 5. Januar 1995 im Alter von 64 Jahren in seinem Haus im Münchner Vorort Grünwald mit einem Stromkabel erdrosselt. Boiger spricht von einem "unwirklichen Tatort", an dem es weder das übliche Chaos nach einem Mord noch Spuren des Täters gab.

Am 14. August 1971 überfielen zwei schwer bewaffnete Täter die damalige Deutsche-Bank-Filiale in der Prinzregentenstraße und nahmen die 18 Anwesenden als Geiseln. Der Krimibus hält am Straßenrand gegenüber vom ehemaligen Tatort. Fünf Geiseln wählten sie aus, alle anderen ließen sie gehen. Die beiden Täter forderten ein Fluchtauto sowie zwei Millionen Mark Lösegeld. "Die Polizei war nicht auf so ein Szenario vorbereitet", sagt Funk.

Verein will Polizei-Bürger-Begegnung stärken

In der U-Bahn-Station am Stachus erinnert nur noch eine unscheinbare Tür an eine Geiselnahme aus dem Jahr 1976. Sie ist der letzte Tatort der vierstündigen Krimitour. Richard Oetker, Chef des Oetker-Konzerns, wurde am 14. Dezember 1976 nach einer Vorlesung am Campus Freising-Weihenstephan entführt. Eingezwängt in eine kleine Holzkiste, musste er 47 Stunden darauf warten, dass seine Familie eine Geldsumme in Höhe von 21 Millionen D-Mark an seinen Entführer auslieferte. In der Kiste liegend war Oetker mit Handschellen gefesselt und an einen Stromkreislauf angeschlossen.

Für den Polizeibeamten Stephan Funk geht es bei den Krimitouren vor allem um die Polizei-Bürger-Begegnung. "Wir wollen die Leute mitnehmen an den Tatort sowie Fakten und Hintergründe übermitteln", sagt Funk. Das Alleinstellungsmerkmal der Tour sei das Hintergrundwissen der Vereinsmitglieder, die laut Funk zum Großteil aktive oder ehemalige Polizeibeamte sind.

Blaulicht
Ein Blaulicht auf einem Einsatzfahrzeug der Polizei. (Quelle: Daniel Vogl/dpa/Symbolbild/dpa-bilder)

Der Münchner Blaulichtverein e.V.

Das selbst erklärte Ziel des Vereins, der 2010 gegründet wurde, ist die Förderung der Präventionsarbeit sowie die Begegnung zwischen Bürgern und der Polizei. Der Verein will die Verantwortung für mehr Sicherheit wecken und die Aufgabe der Polizei transparent machen. Die nächste Krimitour findet am 28. April statt.

Verwendete Quellen
  • Reporter vor Ort
  • Eigene Recherche
  • Interview mit Stephan Funk
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