• Home
  • Sport
  • Formel 1
  • Formel 1 – Nico HĂŒlkenberg: Formel E? "Auf jeden Fall eine interessante Option"


Interview
Unsere Interview-Regel

Der GesprĂ€chspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

Formel E? "WĂ€re auf jeden Fall eine interessante Option"

  • David Digili
Von David Digili, Cian Hartung

Aktualisiert am 24.02.2020Lesedauer: 11 Min.
Blick in die Zukunft: Nico HĂŒlkenberg wird 2020 nicht in der Formel 1 fahren.
Blick in die Zukunft: Nico HĂŒlkenberg wird 2020 nicht in der Formel 1 fahren. (Quelle: imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextUnion baut Vorsprung auf SPD ausSymbolbild fĂŒr ein VideoIn diesen Regionen fĂ€llt StarkregenSymbolbild fĂŒr einen TextBayern-Star kehrt zu Ex-Klub zurĂŒckSymbolbild fĂŒr ein VideoKleinflugzeug stĂŒrzt in FlussSymbolbild fĂŒr einen TextRad-Star zofft sich auf TwitterSymbolbild fĂŒr einen TextLauterbach kontert GassenSymbolbild fĂŒr einen TextHaaland vergisst Vermögen in DortmundSymbolbild fĂŒr einen TextDAZN wird teurer – fĂŒr alleSymbolbild fĂŒr einen TextTour de France: Alle Etappen 2022Symbolbild fĂŒr einen TextKĂŒndigungen ab heute deutlich einfacherSymbolbild fĂŒr einen TextWichtige Autobahn vier Tage lang gesperrtSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserBecker: Besuchs-Details durchgesickertSymbolbild fĂŒr einen TextErdbeersaison auf dem Hof - jetzt spielen

Der langjĂ€hrige Formel-1-Fahrer wird die Saison 2020 verpassen. Im Interview erinnert er sich an Fehler zu Karrierebeginn, seine Zeit abseits der "Königsklasse" – und ĂŒberrascht mit ZukunftsplĂ€nen.

Von 2010 bis 2019 in der Formel 1, in 177 Rennen in der "Königsklasse" an den Start gegangen – Nico HĂŒlkenberg kann auf eine bewegte Karriere zurĂŒckblicken. Der gebĂŒrtige Emmericher saß fĂŒr Williams (2010), Force India (2012, 2014-16), Sauber (2013) und Renault (2017-19) im Cockpit, holte insgesamt 511 WM-Punkte. Ein Platz auf dem Podium war "HĂŒlk" nie vergönnt, aus den der großen Konkurrenz um Mercedes und Ferrari unterlegenen Autos holte er aber stets das Bestmögliche heraus.

Voll fokussiert: HĂŒlkenberg in der vergangenen Saison im Renault.
Voll fokussiert: HĂŒlkenberg in der vergangenen Saison im Renault. (Quelle: imago-images-bilder)

HĂŒlkenbergs Vertrag bei Renault wurde nach der Saison 2019 nicht verlĂ€ngert, 2020 wird der langjĂ€hrige Fahrer nur von Außen zuschauen. Im GesprĂ€ch mit t-online.de spricht HĂŒlkenberg ĂŒber die Zeit abseits der Formel 1, Schwierigkeiten fĂŒr junge Fahrer – und ĂŒber seine ZukunftsplĂ€ne.

t-online.de: Herr HĂŒlkenberg, wie geht es Zeus?

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Böses Erwachen
Wladimir Putin: Dreht er uns das Gas ab?


Nico HĂŒlkenberg (32): Zeus geht es super! Er ist immer glĂŒcklich und ein super Typ (lacht) ("Zeus" ist HĂŒlkenbergs Hund, Anm. d. Red.).

Empfohlener externer Inhalt
Instagram

Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Instagram-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Instagram-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen ĂŒbermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Sie haben jetzt mehr Zeit fĂŒr ihn. Hat Ihnen die Zeit ohne die Formel 1 bisher gut getan?

Mir tut diese Zeit nach wie vor gut. Ist ja auch erst Februar, bisher war es der normale Gang der Dinge: Erst Winterpause, jetzt beginnen die Tests. GefĂŒhlt noch gar nicht so viel anders.

Aber das GefĂŒhl muss doch irgendwie anders sein


Ich habe natĂŒrlich weniger Verpflichtungen und musste nicht zu einem Team in die Fabrik. Ich musste deutlich weniger reisen und war jetzt ein paar Wochen zuhause. Ich fĂŒhle mich wohl in meiner Haut und bin gespannt, die Formel-1-Saison aus dieser anderen Perspektive zu verfolgen.

Was war das erste, das Sie dank der vielen Zeit zu Hause gemacht haben?

Die Saison ist immer lang, hektisch und es ist viel los. Es ist ein Auf und Ab der Emotionen. Man ist danach wirklich leer. Ich habe jetzt viel zu Hause entspannt, Freunde getroffen, entschleunigt und einfach in den Tag hineingelebt. NatĂŒrlich mache ich auch noch Sport und halte mich topfit, aber nicht so intensiv wie sonst in der Saisonvorbereitung. Ich habe eigentlich die Dinge gemacht, auf die ich Lust hatte und genieße das soweit. Ich bin nicht der Mensch, der immer im Mittelpunkt stehen muss. Ich habe das viele Jahre gehabt. Ich brauche das nicht.

Wenn es um den Formel-1-Alltag geht: Ist er eher Stress oder eher Segen?

Es ist ein bisschen was von allem. Da gehört auch die Leidenschaft dazu, Rennen zu fahren. Teil dieses großen Projekts zu sein ist unheimlich cool. Eine Riesenaufgabe – aber auch mit viel Druck verbunden. Es ist ein leistungsorientiertes GeschĂ€ft. Aber es ist auch das Nonplusultra und war schon immer mein Traum. Ich habe diese zehn Jahre sehr genossen, viel erlebt und viele gute Momente gehabt. NatĂŒrlich gab es auch ein paar schlechte. Aber das gehört zum Sport und zum Leben dazu. Dieser ganze Formel-1-Zirkus ist schon sehr speziell und einzigartig.

Wie wĂŒrden Sie diesen "Formel-1-Zirkus" beschreiben?

Wir sind wirklich ein Zirkus, eine Familie. Viele arbeiten dort schon seit 30 oder 40 Jahren. Dieser Tross reist jedes Jahr aufs Neue um die Welt, um eine Show zu bieten. Und fĂŒr uns Akteure geht es um alles. Du musst performen und deine Leistung abrufen – wie in jedem anderen Job auch.

2010 sind Sie mit 22 Jahren zum Stammfahrer bei Williams geworden. Was hat Sie als jungen Fahrer vielleicht besonders ĂŒberrascht?

Ganz zu Anfang bei den ersten Testfahrten war ich von der Leistung, der Beschleunigung, den Bremsen und den G-KrĂ€ften der Autos beeindruckt. Das war ĂŒberwĂ€ltigend. Mein Körper war nicht darauf eingestellt. Ich erinnere mich noch daran, dass ich nach 20 Runden ziemlich erschöpft war. Da habe ich mir gedacht: "Wow! Das sind wirklich die schnellsten Autos der Welt" (lacht). Mich hat auch der zusĂ€tzliche Presserummel in der Formel 1 ĂŒberrascht.

Neuling: HĂŒlkenberg in seinem ersten Formel-1-Jahr 2010 im Williams (vorn).
Neuling: HĂŒlkenberg in seinem ersten Formel-1-Jahr 2010 im Williams (vorn). (Quelle: imago-images-bilder)

Was meinen Sie genau?

In der Formel 2 gab es natĂŒrlich auch schon viel Medienarbeit. Aber in der Formel 1 ist das öffentliche Interesse nochmal auf einem ganz anderen Level. Da bist du dann eben eine Person der Öffentlichkeit – die Leute interessieren sich fĂŒr dich, auch was du privat machst. Das war eine ganz neue Erfahrung.

Haben Sie lange gebraucht, um sich darauf einzustellen?

Es ist irgendwann Teil des Lebens und Teil des Jobs. Die Pressearbeit ist mir manchmal leicht gefallen – und manchmal habe ich sie nicht so gern gemacht (lacht). Insgesamt bin ich da reingewachsen – und auch ein bisschen damit aufgewachsen.

Ihr erster Teamkollege bei Williams war Ex-Ferrari-Fahrer Rubens Barrichello, der damals schon am Ende seiner Karriere war, Sie am Anfang – hat Ihnen "Rubinho" beim Einstieg in die Formel 1 geholfen?

Ich glaube, es war damals schon seine 18. Saison, das war ein krasser Erfahrungsunterschied. Ich konnte ihm auch schon ordentlich einheizen – aber: Er hat teilweise auch mit mir gespielt (lacht).

Erstes Jahr mit einer Legende: Rubens Barrichello (li.) war 2010 erster Teamkollege von HĂŒlkenberg bei Williams.
Erstes Jahr mit einer Legende: Rubens Barrichello (li.) war 2010 erster Teamkollege von HĂŒlkenberg bei Williams. (Quelle: imago-images-bilder)

Das mĂŒssen Sie erklĂ€ren.

Er wusste natĂŒrlich um seine StĂ€rken und hat die auch gnadenlos ausgespielt, viele kleine Tricks. Er hat mir zum Beispiel erst Jahre spĂ€ter erzĂ€hlt, wie er am Ende des freien Trainings noch mehr Sprit drin hatte als ich. Deshalb war ich schneller, und er ließ mich im Glauben, jetzt hĂ€tte ich ihn – und holte dann am Ende noch mal die Axt raus (lacht).

Loading...
Loading...
Loading...

War Barrichello vielleicht genau der richtige Teamkollege fĂŒr einen Formel-1-Neuling?

Auf jeden Fall habe ich einiges von ihm aufgenommen und gelernt. Es wÀre schön gewesen, wenn wir noch ein, zwei Jahre lÀnger zusammen gefahren wÀren.

Sie waren davor niemals Teil einer Fahrerakademie wie der von Ferrari oder von Red Bull. Könnte man es auf Ihrem Weg heute noch in die Formel 1 schaffen?

Das wĂ€re schwierig. Es sei denn, man hat einen starken Investor im Hintergrund, der einem den RĂŒcken stĂ€rkt. Sonst ist es mittlerweile unglaublich teuer geworden, sich eine Karriere selbst zu finanzieren. Heutzutage frĂŒh mit einem Hersteller in Verbindung zu kommen und sich in diesem Rahmen zu entwickeln, kann sehr hilfreich sein.

Ist die Formel 1 denn zu teuer geworden? Sebastian Vettel hat im Zuge Ihres Ausscheidens bei Renault gesagt: "Leider ist die Klasse nicht immer entscheidend, sondern auch die Kasse"


Die Formel 1 war schon immer teuer und wird auch immer teuer bleiben, weil es ein technischer Sport ist. Die Teams verschaffen sich einen Vorteil durch kreative und oft verrĂŒckte Ideen, die aber extrem viel Geld kosten. Es ist teilweise beeindruckend, welches Geld die großen Teams in die Entwicklung der Autos reinstecken jedes Jahr.

Sie haben in einem Interview gesagt: "Als junger Fahrer hat man ein gewisses Zeitfenster. Man muss liefern, um in der Formel 1 zu bleiben." Wie groß ist dieses "Zeitfenster"?

Das ist bei jedem Fahrer anders. Aber es ergeben sich in Rennen immer spezielle Momente, da musst du einfach liefern. Dann geht es im besten Fall weiter, und du kommst in ein Topteam. In der Regel sollte das in zwei bis vier Jahren passiert sein. Ansonsten wird es schwierig, den totalen Durchbruch zu schaffen.

WeggefĂ€hrten: Sebastian Vettel (li.) und HĂŒlkenberg auf einer Pressekonfrenz in der vergangenen Saison.
WeggefĂ€hrten: Sebastian Vettel (li.) und HĂŒlkenberg auf einer Pressekonfrenz in der vergangenen Saison. (Quelle: Laci Perenyi/imago-images-bilder)

Und haben Sie Ihrer Meinung nach "geliefert"?

Ich habe schon geliefert, sonst hĂ€tte ich keine zehn Jahre in der Formel 1 ĂŒberlebt. Denn zum Spaß stellen die einen dort nicht ein (lacht). NatĂŒrlich ist in einigen SchlĂŒsselmomenten nicht alles glatt gelaufen.

Welche Momente meinen Sie?

Zum Beispiel das Rennen in Brasilien 2012 (Anm. d. Red., HĂŒlkenberg fĂŒhrte weite Teile des Regenrennens, fiel aber aufgrund eines Fahrfehlers zurĂŒck und beendete das Rennen auf Platz fĂŒnf). 2013 stand ich kurz davor, den Durchbruch zu schaffen und fĂŒr ein Topteam zu unterschreiben. Das hat aber leider nicht funktioniert. Dann kommen auch irgendwann neue Talente nach. Man muss zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle mit den richtigen Leuten sein. Es muss einfach alles zusammenpassen.

Beliebteste Videos
1
John Lee: Der neu gewÀhlte Regierungschef Hongkongs gilt als treuer Gefolgsmann Pekings.
Wie China seine Macht in Hongkong manifestiert
Symbolbild fĂŒr ein Video

Alle VideosPfeil nach rechts

Welche Momente werden sonst aus zehn Jahren Formel 1 bleiben?

Nur die Guten (lacht). Ich tue mich immer schwer damit, meine liebsten Momente spontan zu benennen. Es ist ja auch so: Wenn man nicht gewinnt, dann ist das fĂŒr andere vielleicht nicht so deutlich zu sehen, aber man weiß natĂŒrlich selbst, was man geleistet hat, auch wenn man nicht ganz vorne gelandet ist. Ein siebter Platz ist der Öffentlichkeit schwer zu verkaufen. Ich wĂŒrde trotzdem sagen: Das Rennen 2012 in Brasilien – auch wenn es fĂŒr mich nicht glĂŒcklich ausgegangen ist – oder auch 2013 in Korea, die fallen mir direkt ein.

Kommt da die WertschÀtzung vielleicht zu kurz?

Ich glaube nicht. Viele Fans, Presse und Experten sehen das schon. Aber die Hauptaufmerksamkeit liegt nun mal auf den Top 3, das ist ja nicht nur bei uns so, sondern ĂŒberall im Sport. So ist das Leben nun mal.

Schon in Ihrem ersten Jahr sind Sie auf die Pole Position gefahren, 2010 in Brasilien. Haben Sie da gedacht: Jetzt hab ich es geschafft?

Nein, weil ich damals eine eher schwierige Zeit hatte. Williams wollte den Vertrag nicht verlĂ€ngern, und ich wusste, dass meine Zukunft in Frage steht und ich im darauffolgenden Jahr vielleicht kein Cockpit haben wĂŒrde. Und genau so ist es dann ja gekommen.

Ein RĂŒckschlag im jungen Alter


NatĂŒrlich. Das war erst mal schwer zu verdauen. Ich war dann ja Testfahrer, bin also dabei geblieben und hatte fĂŒr das darauffolgende Jahr einen Anschlussvertrag mit sicherem Cockpit. Aber so ein DĂ€mpfer nach dem ersten Jahr, das war nicht einfach. Das war eine HĂŒrde, die ich erst mal bewĂ€ltigen musste.

Wie hat sich Ihrer Meinung nach das Fahrerlager ĂŒber die Jahre denn verĂ€ndert? Gab es frĂŒher mehr emotionale "Typen" als heute?

Ich wĂŒrde eher sagen: Es ist eine andere Zeit mit den vielen schnellen Kommunikationswegen. Als Fahrer muss man schauen, was man sagt. FrĂŒher war das Durchschnittsalter in der Formel 1 deutlich höher als jetzt, das waren mehr "MĂ€nner" als "junge MĂ€nner" (lacht). Dann aber muss man auch sagen: Auch jetzt haben wir "Typen": Max Verstappen ist jung, aber ein absoluter Typ. Charles Leclerc ist auch ein Typ. Jede Zeit hat eben ihre eigene Dynamik.

Ihr Kumpel, der deutsche Tennisstar Alexander Zverev, ist dafĂŒr bekannt, auch mal Emotionen zu zeigen, zertrĂŒmmert gerne mal einen SchlĂ€ger. Fehlt dem Formel-1-Fahrer so eine Möglichkeit?

Man muss anmerken: Als Tennisspieler ist man komplett sichtbar auf dem Platz, wie ein Fisch im Goldfischglas. Wir Fahrer dagegen sind inkognito. Wir tragen einen Helm und sitzen im Auto. Man sieht uns eigentlich gar nicht. Und wenn wir nach dem Rennen aus dem Auto steigen und vor die Presse treten, hatten wir meistens schon Zeit, die Geschehnisse zu verarbeiten.

Und als Darstellungsplattform gibt es heute dazu noch die sozialen Medien. Legen einige Fahrer zu viel Fokus darauf?

Es ist natĂŒrlich eine Vermarktungsmöglichkeit. Die jĂŒngere Generation ist damit aufgewachsen. Es zeigt NĂ€he zu den Fans und ist eine Plattform fĂŒr Sponsoren. Die sind sicherlich aktiver als ich (lacht).

Ist es eine bewusste Entscheidung von Ihnen, wenig von sich zu teilen?

Ich poste ab und zu etwas. Ich bin einfach nicht so mitteilungsbedĂŒrftig und möchte nicht zeigen, was ich gerade zu Mittag esse (lacht).

Sebastian Vettel zog letzte Saison viel Aufmerksamkeit auf sich – auf der Rennstrecke. Wie haben Sie seine Lage bei Ferrari beobachtet?

Seine Aktion in Montreal, als er nach dem Rennen die Schilder fĂŒr den Sieger und den Zweiten ausgetauscht hat, fand ich lustig. Er hat sich ungerecht behandelt gefĂŒhlt und wollte in diesem Moment fĂŒr – in seinen Augen – Gerechtigkeit sorgen. Ansonsten achtet man eigentlich wenig bis gar nicht auf die Situation bei anderen Fahrern. Ich war zu sehr mit mir selbst beschĂ€ftigt, hatte mit Daniel Ricciardo einen starken Teamkollegen – da ist man so im Tunnel, dass man gar nicht darauf schaut, was vorne im Rennen passiert.

Emotionen: Sebastian Vettel tauschte nach dem viel diskutierten Rennen in Montreal die Schilder fĂŒr den Sieger und den Zweitplatzierten aus.
Emotionen: Sebastian Vettel tauschte nach dem viel diskutierten Rennen in Montreal die Schilder fĂŒr den Sieger und den Zweitplatzierten aus. (Quelle: imago-images-bilder)

Schaut man nicht ĂŒber das eigene Cockpit hinaus?

NatĂŒrlich habe ich mir im Nachhinein die Rennen noch mal angesehen, immer direkt am Tag danach. Es interessiert mich, das aus anderen Perspektiven zu sehen: Was ist im Rennen passiert, wie sah das aus anderen Blickwinkeln aus? Aber im Detail bleibt man dann doch bei der eigenen Performance.

Worauf achten Sie da besonders?

Welche Erkenntnisse bietet das Auto? Was kann man da verwerten und den Ingenieuren mit auf den Weg geben? Wo gibt es eventuell Probleme? Am Ende des Tages geht es in der Formel 1 ja nun mal darum, schneller zu werden. FĂŒr mich ist das alles auch Teil der Nachbetrachtung, um das Erlebte zu verarbeiten.

Über sich selbst haben Sie gesagt: "Mir hĂ€tte es geholfen, wenn ich offener und kommunikativer gewesen wĂ€re"


Das ist mir vor ein paar Jahren aufgefallen beim Blick auf mich selbst.

Was genau?

Ich war teilweise zu verschlossen, fast schĂŒchtern. Das ist dann vielleicht auch arrogant rĂŒbergekommen. Das bin ich aber nicht. Im Nachhinein habe ich erst gelernt, wie wichtig das Netzwerken ist und auch ein guter Kontakt zu den Teamchefs und darĂŒberhinaus auch auf sozialer Ebene weg von der Rennstrecke. Da war ich zu reserviert, habe diesen Aspekt einfach nicht wahrgenommen.

Nicht umsonst wird gesagt, in der Formel 1 sei viel Politik im Spiel.

So ist es nun mal. Es gibt verschiedene Interessen hier und da. Ich will ja auch nicht sagen, dass ich nicht mit Leuten kann oder es böses Blut mit irgendjemandem gibt – höchstens mit dem ein oder anderen Fahrer (lacht). Aber ich hĂ€tte frĂŒher einfach mehr in diese Richtung machen können, und das hĂ€tte meiner Karriere sicher nicht geschadet.

Wie erklÀren Sie es sich selbst, dass Sie damals vielleicht solche Scheuklappen aufhatten?

Ich war ein junger Fahrer, der sich komplett nur auf die eigene Performance konzentriert hat. Wenn da was anderes kam, habe ich nur gesagt: Ist mir egal, lass mich in Ruhe damit, ich muss Rennen fahren (lacht). Man lernt dazu, das ist auch ein Teil des Prozesses.

Rennfahrer Nico HĂŒlkenberg (Mitte) mit den t-online.de-Redakteuren Cian Hartung (li.) und David Digili (re.).
Rennfahrer Nico HĂŒlkenberg (Mitte) mit den t-online.de-Redakteuren Cian Hartung (li.) und David Digili (re.). (Quelle: Privat)

2020 fahren Sie keine Rennen in der Formel 1. Welches Angebot zu einem Comeback wĂ€re fĂŒr Sie reizvoll?

Ganz einfach: Es muss sich gut anfĂŒhlen, es muss passen und es muss eine sportliche Perspektive da sein. Es wĂŒrde fĂŒr mich wenig Sinn machen, fĂŒr ein Team ohne wirkliche Chancen zu fahren. Das kommt fĂŒr mich nicht in Frage. Es muss ein Rennstall sein, der Potenzial hat.

Es gab ja GerĂŒchte um ein Engagement bei Williams oder Haas


Ich weiß, dass es diese Berichte gab, aber das war keine Option fĂŒr mich.

Und wenn es mit einer RĂŒckkehr nicht klappt? 2015 haben Sie ja die 24 Stunden von Le Mans gewonnen.

Das steht in den Sternen, und das ist auch gut so, dass da noch nichts definiert ist. Ich genieße diese Freiheit, die Zeit, die ich gerade habe. Das mache ich jetzt ein paar Monate, und dann beschĂ€ftigte ich mich wieder mit der Formel 1 und je nachdem, was sich ergibt, auch mit den Rennserien darĂŒber hinaus.

Triumph: HĂŒlkenberg gewann 2015 mit dem Team Porsche das legendĂ€re 24-Stunden-Rennen in Le Mans.
Triumph: HĂŒlkenberg gewann 2015 mit dem Team Porsche das legendĂ€re 24-Stunden-Rennen in Le Mans. (Quelle: imago-images-bilder)

Auch mit der Formel E?

Die hat sich in den letzten Jahren doch extrem stark entwickelt, da muss ich sagen: Wahnsinn, was die geschafft haben, was die sich auch fĂŒr einen Status erarbeitet haben. Alle deutschen Premium-Hersteller sind dort vertreten. Auf jeden Fall wĂ€re das auch eine interessante Option.

In diesem Jahr ist der Hockenheimring nicht im Rennkalender der Formel 1. Was kann die deutsche Rennsportgemeinde tun, damit die Strecke wieder in den Kalender zurĂŒckkehrt?

Das sind am Ende des Tages immer kommerzielle Entscheidungen, die das Management der Formel 1 mit den Veranstaltern und den Rennstrecken ausmachen. Wie immer wird es dabei ums Geld gehen. Crowdfunding könnte eine Möglichkeit sein.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Rennen?

Die letzten zwei Jahre in Hockenheim waren fĂŒr mich Wahnsinnserlebnisse. Ich habe noch nie so viel SolidaritĂ€t und UnterstĂŒtzung der deutschen Fans fĂŒr die deutschen Fahrer erlebt. Das war wirklich intensiv und krass. Diese Erlebnisse gehören auch zu den schönsten Erinnerungen meiner Karriere.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
  • Melanie Muschong
Von Melanie Muschong
BrasilienFerrariMercedes-BenzNico HĂŒlkenbergPorscheRenaultSebastian Vettel
Motorsport

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website