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FC Bayern | Ex-Kapitän Helmer zu Boateng: "Für beide Seiten ein Risiko"


"Ich weiß nicht, ob er sich das antun sollte"

Von Julian Buhl

Aktualisiert am 04.10.2023Lesedauer: 5 Min.
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Jérôme Boateng, hier bei einem Legendenspiel des FC Bayern im Juli: Rückkehr zum Rekordmeister?Vergrößern des Bildes
Jérôme Boateng, hier bei einem Legendenspiel des FC Bayern im Juli: Rückkehr zum Rekordmeister? (Quelle: IMAGO/Bernd Feil/M.i.S./imago images)

Ex-Bayern-Kapitän Thomas Helmer bewertet im t-online-Interview die im Raum stehende Rückkehr von Jérôme Boateng nach München. Er warnt beide Seiten davor.

Aus Kopenhagen berichtet Julian Buhl vom FC Bayern

Thomas Helmer staunte wohl nicht schlecht, als auf der Abschlusspressekonferenz von Thomas Tuchel vor der Champions-League-Partie des FC Bayern beim FC Kopenhagen (ab 21 Uhr im Liveticker bei t-online) plötzlich sein Name fiel.

In Anspielung auf die im Raum stehende Rückholaktion des 35 Jahre alten Ex-Münchners Jérôme Boateng wollte ein Journalist nämlich von dem Bayern-Coach wissen: "Werden als Nächstes Thomas Helmer oder Lothar Matthäus kommen?"

Tuchel musste grinsen und antwortet gelassen: "Lothar kommt eher nicht, glaube ich." Und Helmer? Auch dem 58-Jährige dürfte allein die Frage danach ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben. Der ehemalige Kapitän plant aber dennoch kein Comeback beim Rekordmeister, wie er im Gespräch mit t-online mit einem Augenzwinkern verriet. Dafür ordnete er aber die Causa Boateng ein und machte dabei die Abwehr als große Baustelle des Rekordmeisters aus.

t-online: Herr Helmer, Jérôme Boateng absolviert momentan ein Probetraining in München. Wie würden Sie zu seiner möglichen Rückkehr mit 35 Jahren zum FC Bayern stehen?

Thomas Helmer: Ich bin kein Freund davon, so etwas auf das Alter zu reduzieren. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Wenn man über 30 ist, kommen automatisch Zweifel. Aber er hatte zuletzt keine Wettkampfpraxis und hat in Lyon wenig gespielt. Das eine ist es, als Profi möglicherweise die körperlichen Voraussetzungen noch zu haben. Doch es ist schon noch mal etwas anderes, bei Bayern spielen zu müssen oder zu dürfen. Ich weiß nicht, ob er sich das antun sollte. Das muss er selbst für sich entscheiden. Wenn er sich bei Bayern fit halten würde, um sich bei einem anderen Verein zu empfehlen, ok. Aber noch mal nach München zu wechseln, wäre für beide Seiten ein Risiko. Aus sportlicher Sicht wäre es für Bayern nicht allzu groß, weil er vereinslos ist und deshalb ablösefrei wäre. Er würde sicher einen sehr leistungsbezogenen Vertrag bekommen. Ich halte es dennoch für schwierig.

Was würde aus Ihrer Sicht dafürsprechen?

Wenn etwas dafürsprechen würde, dann, dass er den Verein kennt. Er weiß, was von einem Spieler bei Bayern erwartet wird. Ein Spieler wie Jérôme, der so viel erlebt und gewonnen hat, braucht grundsätzlich keine große Eingewöhnungszeit. Wenn er die Klasse noch auf Platz bringen kann, kommt alles andere von allein. Damit steht und fällt aber auch alles. Das ist die große, entscheidende Frage: Wie sein Leistungsstand momentan wirklich noch ist.

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Boateng geriet in jüngerer Vergangenheit auch durch Gerichtsverfahren und den schwerwiegenden Vorwurf gewalttätiger Attacken auf seine Ex-Freundin in die Schlagzeilen. Der Prozess wird nun neu aufgerollt. Ist diese Thematik nicht auch für den FC Bayern problematisch?

Erst mal ist es eine persönliche Geschichte. Ich bin da sehr vorsichtig. Heutzutage geht das sehr schnell, dass jemand beschuldigt wird. Ich würde mich da Christoph Freund und Thomas Tuchel anschließen, die darauf verwiesen haben, dass zunächst die Unschuldsvermutung gilt, solange das alles nicht feststeht. Ansonsten würde Bayern das glaube ich auch nicht machen und das nicht akzeptieren.

Gesteht sich der FC Bayern aus Ihrer Sicht mit dem Werben um Boateng Fehler und Versäumnisse in der vergangenen Transferperiode ein?

Ich habe bei Bayern jetzt nicht unbedingt Bedarf in der Innenverteidigung gesehen, nachdem Min-jae Kim geholt wurde. Mit ihm hat Bayern einen der besten Abwehrspieler Europas geholt. Matthijs de Ligt erschien mir schon sehr stabil, auch von Dayot Upamecano halte ich viel. Aber vergangene Saison hatte man auch noch Benjamin Pavard in der Hinterhand, der dann doch noch zu Inter Mailand gewechselt ist und nicht mehr ersetzt wurde. Das holt die Bayern jetzt schon ein bisschen ein. Dass im Pokal in Münster gleich alle drei Innenverteidiger verletzt waren, ist schon sehr ungewöhnlich. Aber auch, als alle drei fit und dabei waren, hat Bayern trotzdem schon sehr viele Gegentore bekommen. Die Defensivleistung ist nicht bayern-like, nicht titelreif.

Die vielen Gegentore gefährden also die Saisonziele der Bayern?

Sie zeigen zumindest, dass die Stabilität noch nicht da ist, die man von Bayern gewohnt ist. Gegen Manchester haben sie drei Gegentore kassiert, gegen Leverkusen und Leipzig jeweils zwei. Beide Mannschaften hatten sehr viele Torchancen. Da gibt es noch einiges zu tun.

Rechnen Sie demnach mit einem engen Meisterschaftskampf?

Leipzig hat schon im Supercup gezeigt, dass sie einen sehr guten breiten Kader haben und Bayern gefährlich werden können. Leverkusen spielt momentan ebenfalls sehr gut. Wenn sie das durchhalten können, wird es schwer, sie zu schlagen. Auch Dortmund sollte man noch nicht abschreiben. Der BVB spielt zwar noch nicht wirklich gut, liefert aber trotzdem die Ergebnisse und ist vorne mit dabei. Es sieht so aus, dass es in diesem Jahr nicht ganz so leicht für Bayern werden könnte, die Meisterschaft zu gewinnen.

Gerade einmal knapp 25 Stunden vor dem Topspiel wurde Max Eberl als Sportvorstand in Leipzig entlassen. Wie ordnen Sie dieses Personalbeben ein?

Die Gründe dafür wurden von dem Klub ja genannt. In der Mitteilung war von "fehlendem Commitment" die Rede. Leipzig hat auch ganz klar ein Zeichen gesetzt, dass sie auch nicht auf irgendeinen Zeitpunkt achten, sondern die Verantwortlichen da sehr konsequent in ihren Entscheidungen sind, wenn sie davon überzeugt sind, dass es nicht mehr geht.

Ist es jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis Eberl zu Bayern wechseln wird?

Ich glaube schon, dass Max Eberl demnächst in München landen wird. Ich halte sehr viel von Max persönlich.

Haben der Wechsel nach Leipzig nach seinem tränenreichen Aus in Gladbach und seine nun erfolgte Entlassung nach so kurzer Zeit seinem Image nicht geschadet?

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Das wird schon Schrammen hinterlassen. Nach seiner langen, erfolgreichen Zeit in Gladbach waren das sehr unglückliche Auftritte und Situationen. Das weiß Max auch.

Zum Abschluss: Der FC Bayern tritt heute Abend am zweiten Gruppenspieltag in Kopenhagen an. Wie stehen die Chancen der Münchner in dieser Champions-League-Saison?

Bayern hat eigentlich die einfachste Gruppe und wird die auch gewinnen. Dann wird man sehen, wer im Achtelfinale noch übrig ist. Da werden sich schon wieder die üblichen Verdächtigen dann tummeln. Ich sehe die Bayern, wenn sie in Topform sind, nicht aussichtslos, da vorne mitzuspielen. Allerdings muss die Defensive dafür besser sein. Dort müssen sie sich wirklich steigern.

Verwendete Quellen
  • Telefonisches Interview mit Thomas Helmer
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