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BVB ohne Argumente: RB Leipzig hält der Bundesliga den Spiegel vor

BVB fehlen die Argumente  

Wie RB Leipzig der Bundesliga den Spiegel vorhält

10.09.2016, 12:39 Uhr | tht

BVB ohne Argumente: RB Leipzig hält der Bundesliga den Spiegel vor. Chef-Coach Ralph Hasenhüttl und Sportdirektor Ralf Rangnick haben mit RB Leipzig große Ziele. (Quelle: imago images/Pictures Point LE)

Chef-Coach Ralph Hasenhüttl und Sportdirektor Ralf Rangnick haben mit RB Leipzig große Ziele. (Quelle: Pictures Point LE/imago images)

Immerhin: RB Leipzig gibt es mittlerweile schon so lange, dass der Link des ersten offiziellen Fanklubs auf der Klub-Homepage schon wieder ins Leere führt. Ein erster zarter Hinweis auf Tradition.

Ein Begriff, der den Bundesliga-Aufsteiger noch lange begleiten wird, genauso wie die Diskussion um die voranschreitende Kommerzialisierung des Fußballs.

Am zweiten Spieltag gibt RB Leipzig sein Heimdebüt in der Bundesliga. Ausgerechnet Borussia Dortmund heißt der Gegner (Samstag, ab 18.15 Uhr im Live-Ticker bei t-online.de). Galt doch dieser Klub mit BVB-Boss Hans-Joachim Watzke an der Spitze über Jahre hinweg als Wächter der Traditionsvereine und größter Kritiker des Leipziger Projektes. Mittlerweile hört sich das bei dem 57-Jährigen so an: "Es freut mich für die Fans und die Menschen im Osten. Den Rest muss man nicht mehr kommentieren."

Watzke gibt sich moderater

Will man sich dem Wettbewerb in einer globalisierten Welt stellen, gehen dem einzigen börsennotierten Fußballklub in Deutschland schnell die Argumente aus. Watzke scheint das zu ahnen und weiß um die Schwierigkeit damit umzugehen. "Wir werden im Wissen um einen Spagat zwischen Borsigplatz und Shanghai niemals vergessen, wo wir herkommen", sagte Watzke vor wenigen Tagen.

Doch wer bestimmt wo diese Grenze zwischen Kommerz und Identitätswahrung verläuft? Watzke? Die DFL? Die Fans? Diese gefühlte Grenze dürfte bei jedem Betrachter sicherlich anders verlaufen. Es ist jedenfalls ein ziemlich schmaler Grat, auf dem sich Watzke und der BVB in ihrem Unterfangen bewegen, die Schwarz-Gelben im internationalen Spitzenfußball langfristig zu etablieren.

Spannendes Projekt in Dortmund

Längst rumort es auf der gewaltigen Südtribüne der Westfalen. Und wie immer im Fußball wird es am Ende ganz einfach sein: Solange der sportliche Erfolg da ist, werden die Mahner, die den Bogen der Geldbeschaffung für überzogen halten, nicht gehört. Stimmt die Leistung auf dem Platz nicht mehr, droht Ungemach in Dortmund. Es braut sich was zusammen.

Allerdings hat Dortmund mit Thomas Tuchel einen hochtalentierten Trainer, der auf einen ebenso hochtalentierten Kader bauen kann, um ein solches Schreckensszenario zu vermeiden. Auch aus dieser Perspektive betrachtet ist das Dortmunder Projekt derzeit ein hoch spannendes.  

Der angebliche Unterschied

Solche Probleme hat RB Leipzig nicht. Dieser Klub braucht keinen Spagat zu machen. Dortmund-Fan und Filmemacher Jan-Henrik Gruszecki hat im Interview mit Sport1 den grundsätzlichen Unterschied zwischen den Traditionsklubs und RB Leipzig erklärt. Bei Traditionsklubs werde auch Geld verdient, "aber um Fußball zu spielen. Bei Red Bull spielt man Fußball, um ein Produkt und Lifestyle zu verkaufen. Das ist der elementare Unterschied."

Doch ist das wirklich so? Rechtfertigt diese Betrachtungsweise Fan-Boykotte von Partien in Leipzig, Absagen von Testspielen, das Werfen von einem abgeschnittenen Bullenkopf wie zuletzt beim Pokalspiel in Dresden, das Sprühen von Unkrautvernichtungsmitteln auf den Trainingsrasen sowie allerlei Beleidigungen und Schmähungen auf allen möglichen Kommunikationswegen?

Will Rangnick wirklich nur Dosen verkaufen?

Gut möglich, dass für einige Marketingstrategen in der Firmenzentrale der Mehrverkauf der Dosen mit Energie-Drinks das wahre große Ziel ist. Doch ist es das auch für Sportdirektor Ralf Rangnick? Für Trainer Ralph Hasenhüttl? Für die Spieler und die Leipziger Fans? Oder steht für sie nicht doch der sportliche Erfolg eher im Fokus? Und wie verhält es sich im Umkehrschluss mit den Aktionären des BVB? Beschäftigt sie der Fitnesszustand von Marco Reus oder sind sie nicht eher am Kurs des Wertpapiers interessiert?

Zuweilen hat man das Gefühl, dass die ganzen Aktionen gegen RB Leipzig nur ein Modetrend gewisser Fankreise sind und der Klub ein gefundenes Opfer. Rasenballsport wurde von einem Weltkonzern geschaffen und steht wie kein anderer Klub für den verpönten Kommerz.

Ein Beigeschmack bleibt

Dabei hält RB Leipzig der Konkurrenz nur den Spiegel vor. Der Klub ist schließlich nicht Ursache dieser Entwicklung, sondern markiert lediglich einen zwischenzeitlichen Höhepunkt. Weitere werden folgen. Und so bleibt das Gefühl der Scheinheiligkeit zurück, wenn man die Debatte um RB Leipzig verfolgt.

Aber immerhin: Es gibt eine Debatte. Leipzig sei dank. Und in 500 Jahren so Rangnicks Logik, hat auch RB Leipzig Tradition. Alles nur eine Frage der Perspektive. Und der Zeit. "Der BVB ist dann 500 Jahre alt und wir 400."

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