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FC Bayern: Trainer Niko Kovac ist respektlos gegenüber seinen Spielern

MEINUNGKnapper Bayern-Sieg im DFB-Pokal  

Kovac ist respektlos gegenüber seinen Spielern

Ein Kommentar von Constantin Eckner

30.10.2019, 15:59 Uhr
 (Quelle: SID)
Bayern mit Dusel weiter: Kovac kritisiert eigene Mannschaft

Mit Ach und Krach ins DFB-Pokal-Achtelfinale: Bayern München hat sich nur mühsam gegen den VfL Bochum durchgesetzt. Trainer Niko Kovac fand im Anschluss deutliche Worte. (Quelle: SID)

Bayern mit Dusel im Pokal weiter: Niko Kovac richtet danach deutliche Worte an die Mannschaft und kritisiert seine Spieler. (Quelle: SID)


Der FC Bayern duselt sich mit einem knappen Sieg in Bochum ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Nach dem Spiel kritisiert Trainer Niko Kovac die Einstellung seiner Spieler. Damit macht er es sich viel zu leicht.

Nach einem weiteren mageren Auftritt – dieses Mal gegen den Zweitligisten VfL Bochum – attackiert Bayern Münchens Cheftrainer Niko Kovac seine Spieler und wirft ihnen mangelnde Einstellung vor (sehen Sie dazu den Auszug aus der Pressekonferenz nach dem Spiel im Video oben). Kurz zuvor beschwerte sich der 47-Jährige bereits über den fehlenden Respekt vor Trainern. Dabei fehlt in erster Linie doch ihm selbst der Respekt vor seinen Spielern, denn sein taktisches System macht den Fußball der Bayern unnötig eindimensional.

"Dass wir so viele Fehlpässe spielen hat meiner Meinung nach ganz klar irgendetwas mit der Einstellung zu tun", sagte Kovac nach dem 2:1-Sieg in Bochum. Die schlechte Leistung hätte "nichts mit Taktik zu tun". Und genau das ist der Fehler des Bayern-Trainers.

Das Kovac-System macht es den Spielern schwer

Gewiss hinkt der eine oder andere Spieler seiner absoluten Top-Form hinterher, aber Kovac hat ein System kreiert, in dem jeder Pass zum Risikopass werden kann, in dem wenig Absicherung vorhanden ist und in dem keinerlei Kreativität gefragt scheint. Die Spielgestaltung der Bayern bei eigenem Ballbesitz läuft nach dem immer gleichen Schema: Nach einigen Pässen zwischen den Abwehr- und zentralen Mittelfeldspielern geht der Ball auf die Außenbahn. Von dort erfolgt dann der Chipball in die Mitte oder nach einem Dribbling direkt die Flanke in den Strafraum.

Diese Spielzüge sind mittlerweile derart ausrechenbar, dass selbst ein haushoch unterlegener Zweitligist wie Bochum die Passwege zustellen oder die Passempfänger attackieren konnte. Den Bayern fehlt jegliches Überraschungsmoment, weshalb die Pässe ständig unter Druck gespielt werden müssen. Und dann passiert natürlich auch manch individuell herausragendem Münchner ein Fehler. 

Bayern hat ein Kreativloch

Grundproblem ist und bleibt, dass die Spielfeldmitte nicht optimal besetzt wird. Und auch wenn Taktik laut den Aussagen von Kovac keine große Rolle am "Fehlpassfestival" der Bayern hatte, so versuchte er gegen Bochum gerade mit taktischen Änderungen die Wende im Spiel herbeizuführen. Beim Stand von 0:1 stellte er nämlich von 4-2-3-1 auf 4-1-4-1 um. Er brachte die offensiveren Thomas Müller und Philippe Coutinho für Corentin Tolisso und Leon Goretzka und wollte, dass Müller sowie Coutinho die vorderen Zonen besser besetzen.

Das führte zum altbekannten Problem aus den letzten Bundesliga-Partien, als der Abstand zwischen Abwehr und Offensive derart hoch war, dass die Angriffe wieder zum größten Teil über die Flügel erfolgten und sich Gegner darauf einstellen konnten.

Grafik: Das sind die durchschnittlichen Positionen der Bayern-Spieler im aktuellen System. Der Abstand zwischen dem Sechser – in diesem Fall Thiago – und seinen Vordermännern ist um einiges zu groß.Grafik: Das sind die durchschnittlichen Positionen der Bayern-Spieler im aktuellen System. Der Abstand zwischen dem Sechser – in diesem Fall Thiago – und seinen Vordermännern ist um einiges zu groß.

Gerade dieses strukturelle Loch im Zentrum verursacht auch ein kreatives Loch. Abgesehen von Thiago und vielleicht noch Joshua Kimmich übernehmen wenige Bayern-Spieler Verantwortung für den Spielaufbau. Viele wirken allzu austauschbar – gerade im Mittelfeld, wo es ohnehin häufig schlecht aussieht. Allenfalls Robert Lewandowski sticht aus der Masse heraus, weil er aktuell den offensiven Spielmacher geben muss, wie die Vorbereitung zum Ausgleichstreffer gegen Bochum einmal mehr verdeutlichte.

Der Tenor der Bayern am gestrigen Abend war eindeutig. "Das heute Abend kann man nicht analysieren", meinte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. In eine ähnliche Richtung argumentierten auch Manuel Neuer und Thomas Müller.


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Doch genau jetzt braucht es die Analyse. Kovac macht es sich zu leicht, wenn er die Fehler nur bei seinen Spielern sucht. Die großen Probleme des FC Bayern liegen nicht bei ein paar schludrig gespielten Pässen, sondern sind struktureller Natur. Kovac hat ein taktisches System etabliert, dass seine Spieler schlechter macht, als sie in Wahrheit sind.

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