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Schalke-Star Omar Mascarell: Nübel degradiert – jetzt spricht der neue Kapitän

INTERVIEWSchalke-Kapitän Mascarell  

"Nübels Wechsel darf uns nicht aus der Bahn werfen"

10.01.2020, 07:57 Uhr
Schalke-Star Omar Mascarell: Nübel degradiert – jetzt spricht der neue Kapitän. Omar Mascarell: Der Spanier hat sich innerhalb von 18 Monaten vom Bankdrücker zum Kapitän gewandelt. (Quelle: imago images/Chai v.d. Laage)

Omar Mascarell: Der Spanier hat sich innerhalb von 18 Monaten vom Bankdrücker zum Kapitän gewandelt. (Quelle: Chai v.d. Laage/imago images)

Omar Mascarell wurde von Cheftrainer David Wagner zum neuen Kapitän des FC Schalke 04 ernannt. Im Interview mit t-online.de spricht der Spanier über sein Verhältnis zu Vorgänger Nübel, seinen schweren Start bei S04 und seine zwei großen sportlichen Träume.

Omar Mascarell ist die Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben. Der 26-jährige Sechser befindet sich aktuell mit seinem Verein, dem FC Schalke 04, in seinem Heimatland Spanien im Winter-Trainingslager. "Es ist schön, zu Hause zu sein und das altbekannte Klima zu genießen", erklärt Mascarell t-online.de.

Doch es dürfte nicht nur am Wetter liegen, dass Mascarell das seichte Lächeln nicht aus seinem Gesicht kriegt: Cheftrainer David Wagner ernannte ihn nach der Bekanntgabe von Alexander Nübels Wechsel zum FC Bayern München zum neuen Spielführer der Königsblauen. Eine überraschende Beförderung, wie der Mittelfeldspieler im Interview verrät, in dem er auch über Fragen an seinen Vorgänger Nübel, seine Ziele mit S04 und seinem Traum von der EM 2020 spricht.

t-online.de: Herr Mascarell, Sie haben 18 verrückte Monate auf Schalke hinter sich: Sie waren lange verletzt, haben nach Ihrer Rückkehr oft zwischen der Tribüne und der Bank gependelt und sind jetzt plötzlich Kapitän. Sind Sie jetzt erst so richtig auf Schalke angekommen?

Omar Mascarell: Ich wechselte aus Frankfurt nach Schalke mit dem Anspruch, Führungsspieler zu sein. Doch innerhalb kürzester Zeit änderte sich alles. Plötzlich war ich außen vor und erhielt kaum noch Minuten auf dem Platz. Das war eine harte Zeit für mich, in der ich jedoch weiter den Draht zu meinen Mitspielern festigte und dem Verein signalisierte, dass ich die Entscheidungen des Trainerteams respektiere.

Ich habe mich Tag für Tag in die Arbeit geworfen, weil ich fest davon überzeugt war, dass, solange ich meine Leistung bringe und lernwillig bin, meine Chance kommen wird. Es sind gerade diese schweren Monate, aus denen ich das meiste für mich gezogen habe. Sie haben mich zu einem besseren Spieler und besseren Menschen werden lassen.

Wie ist es Ihnen gelungen, in dieser Zeit positiv zu bleiben?

Es war hart, es hat mich viel Kraft gekostet. Aber ich hatte die richtigen Leute um mich. Meine Familie und meine echten Freunde stehen immer zu mir und helfen mir in allen Lebenslagen. Sie haben mir den Glauben gegeben, dass sich meine harte Arbeit früher oder später auszahlen wird. Mit diesem Gedanken im Kopf bin ich jeden Tag ins Training gegangen – und schauen Sie nun, in welcher Position ich bin. Doch das ist erst der Anfang. Ich hoffe, dass ich noch viele Jahre auf Schalke wachsen und erfolgreich sein kann.

Sie wollten sich also auch selbst beweisen, dass Schalke weiterhin der richtige Verein für Sie ist und Sie kein Versager sind.

Kaum jemand hat in meiner ersten Saison auf Schalke an mich geglaubt – und diesen Leuten wollte ich es beweisen. Mir selbst musste ich nichts beweisen. Ich glaube an mich als Fußballprofi, als Mensch. Ich kenne meine Stärken und weiß, dass ich dem Team weiterhelfen kann.

Waren Sie nach dieser persönlich katastrophalen Saison überrascht, dass David Wagner Sie ins Kapitänstrio aufnahm und Sie nun sogar zum Nachfolger von Alexander Nübel ernannte?

Als David Wagner und sein Team zu uns stießen, hat es direkt Klick gemacht. Zwischen uns hat es von Beginn an perfekt gestimmt. Eigentlich gibt es nur ein Wort, dass mir bei David Wagner einfällt: stolz. Ich bin unglaublich stolz, dass er meine harte Arbeit wahrgenommen und anerkannt hat und mir so viel Vertrauen entgegenbringt.

Omar Mascarell (li.): Der Spanier pflegt eine ganz besondere Beziehung zu Trainer David Wagner (re.). (Quelle: imago images/Sven Simon)Omar Mascarell (li.): Der Spanier pflegt eine ganz besondere Beziehung zu Trainer David Wagner (re.). (Quelle: Sven Simon/imago images)

Haben Sie bereits mit Alexander Nübel über Ihre Ernennung zu seinem Nachfolger als Mannschaftskapitän sprechen können?

Zunächst einmal möchte ich betonen, dass Alex nicht nur ein toller Spieler, sondern auch ein herausragender Mensch ist. Wir sind alle froh, dass er Teil dieses Teams ist. Unser Verhältnis ist hervorragend. Ich weiß, dass ich jederzeit mit Fragen auf ihn zugehen kann und er stets hilfsbereit ist – und natürlich hat er mir bei der ein oder anderen Frage zur Kapitänsbinde geholfen.

Sie sind also davon überzeugt, dass er bis zum Saisonende ein wichtiger Teil des Mannschaftsgefüges bleibt.

Er ist es und wird es bis zum Ende der Saison bleiben. Jeder von uns respektiert seine Entscheidung, den Verein zu verlassen, aber wir – und er auch – wissen, dass er bis zum Sommer noch Spieler des FC Schalke 04 ist. Wir gehen nun in die Phase der Saison, wo wir geschlossen auftreten müssen, um Großes zu erreichen. Da darf uns der Wechsel eines Mitspielers nicht aus der Bahn werfen.

Erwarten Sie, dass die Fans Ihre Sichtweise teilen werden – oder auf was wird sich Alexander Nübel in der Rückrunde aus der Kurve gefasst machen müssen?

Alex weiß, dass viele Fans sauer auf ihn sind. Doch im Profifußball gehören solche Entscheidungen zum Geschäft dazu. Bei aller Emotionalität dürfen wir nicht vergessen, was für herausragende Leistungen Alex im Schalker Kasten gezeigt hat. Er weiß, dass wir als Mannschaft hinter ihm stehen – egal, wie die Reaktionen ausfallen werden. Doch, ich wiederhole mich gerne: Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, worum es uns eigentlich geht – und zwar um Schalke 04. Wir müssen als Team agieren, wenn wir diese Saison Erfolge feiern wollen.

Alexander Nübel (li.): Der Schlussmann musste die Kapitänsbinde an Mascarell abgeben. (Quelle: imago images/Sven Simon)Alexander Nübel (li.): Der Schlussmann musste die Kapitänsbinde an Mascarell abgeben. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Dass Sie jetzt Kapitän sind, liegt auch an Huub Stevens, der als Interimstrainer auf Sie setzte. Wie wichtig war er, um Sie wieder näher an Schalke zu binden?

Huub Stevens und Mike Büskens kamen in ihrer ersten Woche als Interimstrainer zu mir und sagten mir: "Du bist ein wichtiger Teil unserer Planung." Ich war total baff und habe mich gefragt, ob die zwei überhaupt wussten, wie wenig Einsätze ich bis dahin für Schalke gemacht hatte (lacht). Doch sie redeten immer weiter auf mich ein und gaben mir damit mein Selbstvertrauen zurück. Schon in der nächsten Woche stand ich in der Startelf und konnte dem Team endlich in seiner misslichen Lage helfen.

Auch wenn ich es den beiden bereits persönlich gesagt habe, muss ich es an dieser Stelle wieder sagen: Danke. Sie haben aus mir erst wieder einen Fußballprofi gemacht – denn was ist schon ein Fußballer ohne Einsätze und Selbstbewusstsein?

Gemeinsam mit Stevens und Büskens trugen Sie dazu bei, dass Schalke sich vor dem Abstieg in die 2. Bundesliga rettete.

Ich kann mir nur vorstellen, wie unsere Fans wegen uns gelitten haben. Wie die Fans den Verein leben, ist einmalig. Deshalb werde ich auch nicht müde, mich bei ihnen persönlich für diese schreckliche Saison zu entschuldigen. Aber dank Stevens und Büskens haben wir aus unserem eigenen mentalen Loch herausgefunden und konnten unter David Wagner diese Erfahrungen in etwas Positives ummünzen. So konnten wir mit dem Wissen in diese Saison starten, dass wir nur erfolgreich sein werden, wenn wir als Team kämpfen und unser Zusammenhalt jede Woche gefragt ist.

Finden Sie Parallelen zwischen Stevens und Wagner?

Hm, das ist eine schwierige Frage – alleine schon, weil sie aus verschiedenen Generationen stammen (lacht). David Wagner war Spieler unter Huub Stevens auf Schalke, er wird sicher einige Dinge für seine eigene Trainerkarriere aus dieser Zeit gezogen haben. Ich bin nämlich der Meinung, dass ein Spieler von jedem Trainer andere Dinge lernt. Sie sind beide tolle Trainer, bei denen der Respekt vor den Spielern ganz oben steht – das imponiert mir sehr.

David Wagner (li.): Der Ex-Spieler sucht noch heute den Rat seines früheren Trainers Huub Stevens. (Quelle: imago images/eu-images)David Wagner (li.): Der Ex-Spieler sucht noch heute den Rat seines früheren Trainers Huub Stevens. (Quelle: eu-images/imago images)

Einige Ihrer Mitspieler sprechen bereits von der Champions League. Was rufen Sie als neuer Kapitän als Saisonziel aus?

Sollten wir es tatsächlich in die Champions League schaffen, wäre das eine tolle Sache. Jeder von uns will dort spielen, schon deshalb, weil es der beste und größte Wettbewerb der Welt ist. Wir sind zwar aktuell in einer guten Position, aber wir dürfen nicht vergessen, dass noch eine harte Rückrunde vor uns liegt. Aber dass der Glaube daran, die Champions League zu erreichen, besteht, stimmt mich bereits positiv, dass wir eine erfolgreiche Rückrunde spielen werden.

Schalke hat Leipzig auswärts geschlagen, auswärts in Mönchengladbach einen Punkt mitgenommen – und dass der S04 weiß, wie man ein Derby in Dortmund gewinnt, haben wir nicht zuletzt in der vergangenen Saison gesehen. Sollten sich diese Erfolge in der Rückrunde wiederholen, ist Schalke doch auch ein Titelkandidat.

Das Gute an dieser Bundesliga-Saison ist, dass das Niveau wesentlich ausgeglichener ist und sich die Tabelle dadurch enger gestaltet. Wir haben ein junges Team, das hungrig auf Erfolg ist – das ist für mich das wichtigste Attribut einer guten Mannschaft, und die haben wir. Deshalb glaube ich, dass wir zusammen mit unserem Trainerteam eine Menge erreichen können. Was unterm Strich dabei herauskommen wird, das sehen wir am Ende der Saison.

Sollte Schalke tatsächlich im Titelkampf ein Wörtchen mitreden wollen, sollten sich Patzer zu Hause, wie das 1:1 gegen Köln und das 3:3 gegen Düsseldorf, nicht wiederholen.

Sie sagen es: Diese Patzer dürfen uns nicht passieren. Gerade zu Hause sind solche Ausrutscher besonders schmerzvoll. In der Rückrunde müssen wir in solchen Spielen den Deckel draufmachen, wenn wir in den Europapokal wollen. Doch wir haben unsere Fehler aufgearbeitet und sind überzeugt davon, dass sie sich nicht wiederholen werden. Behalten wir das im Kopf und bewahren uns unsere Mentalität bei, ist für uns in dieser Saison eine Menge drin.

Sie sind mit Eintracht Frankfurt Pokalsieger geworden, haben Schalke auf dem Weg nach Berlin im Halbfinale geschlagen. Gelingt es Ihnen, den S04 bereits diese Saison als Kapitän ins DFB-Pokalfinale zu führen?

Natürlich träumt man von so etwas, denn der Erfolg mit Eintracht Frankfurt war der größte Moment meiner Karriere, besonders, da wir im Vorjahr noch das Endspiel gegen Borussia Dortmund verloren hatten. Was Schalke angeht, glaube ich, dass die Zeit wieder reif für den Finaleinzug wäre. Wir treffen im Achtelfinale zu Hause auf Hertha BSC, das ist alles andere als ein leichtes Los, aber wir wollen mit unseren Fans den Viertelfinaleinzug feiern. Danach ist alles möglich – auch der Pokalerfolg.

Omar Mascarell nach dem DFB-Pokalerfolg mit Eintracht Frankfurt 2018. (Quelle: imago images/Jan Huebner)Omar Mascarell nach dem DFB-Pokalerfolg mit Eintracht Frankfurt 2018. (Quelle: Jan Huebner/imago images)

Sie sind nicht nur aus menschlicher Sicht wichtig für das Team, auch sportlich spielen Sie unter David Wagner eine Schlüsselrolle. Bemerkenswert an Ihrem Spielstil ist, wie Sie sich zum Spielaufbau zwischen die Innenverteidiger fallen lassen. Wo haben Sie sich dieses Verhalten angeeignet?

Tatsächlich hat mir David Wagner dieses Positionieren zum Spielaufbau nahegebracht. Ich habe sofort gemerkt, dass mir das Fallenlassen liegt und ich mich in dieser Rolle sehr wohl fühle. Habe ich den Ball am Fuß, lasse ich unsere Außenverteidiger aufrücken und sichere ab, während ich gegen den Ball als klassischer Abräumer vor der Abwehrkette agiere. Damit hat das Trainerteam für mich ein neues Bild des Sechsers geschaffen, das mir sehr viel Spaß bereitet.

Dennoch werden Sie oft als Zerstörer vor der Abwehr dargestellt, dabei ist es gerade Ihre Passgenauigkeit, die Sie in der bisherigen Saison so wichtig für Schalke macht. Wird Ihnen in der Außendarstellung Unrecht getan?

Ehrlich gesagt mag ich es sehr, wenn ich als "die Wand" oder "der Zerstörer" bezeichnet werde (grinst). Als Sechser ist es wichtig, aggressiv zu sein und defensiv gut zu stehen. Jedoch muss man – bei dem Fußball, den wir spielen wollen – auf dieser Position auch gut am Ball sein. Du musst dich mit dem Ball am Fuß wohlfühlen, nur so kannst du das Spiel bestimmen. Und wenn es dann doch in Richtung deines Torwarts läuft, packst du eben den Zerstörermodus aus.

Schalke-Kapitän Omar Mascarell mit t-online.de-Reporter Dominik Sliskovic im Mannschaftshotel in Fuente Alamo/Spanien. (Quelle: Privat)Schalke-Kapitän Omar Mascarell mit t-online.de-Reporter Dominik Sliskovic im Mannschaftshotel in Fuente Alamo/Spanien. (Quelle: Privat)

Sie werden im Februar 27 Jahre alt, spielen den wahrscheinlich besten Fußball Ihrer Karriere, sind zum Kapitän eines der größten Vereine Deutschlands aufgestiegen: Sollte Spaniens Nationaltrainer Luis Enrique Sie da nicht für die EM 2020 auf dem Zettel haben?

Sollte es tatsächlich so weit kommen, würde mein größter Kindheitstraum in Erfüllung gehen. Du wächst in Spanien bereits mit dem Gedanken auf, dass du es nur zur Nationalmannschaft schaffst, wenn du in einem der großen Klubs spielst – Real, Barça, in den vergangen Jahren Atlético. Aber ich sehe mich ehrlich gesagt in einer guten Position. Ich bin Stammspieler und nun sogar Kapitän des FC Schalke 04, eines der größten Klubs Deutschlands, wenn nicht sogar Europas, ich bin fit und im besten Fußballeralter. Also warum eigentlich nicht? Ich bin bereit.

Gab es denn bereits eine Kontaktaufnahme vom spanischen Verband? Luis Enrique ist ja bekannt dafür, dass er Spieler außerhalb der von Ihnen genannten drei Großen für die "La Roja" nominiert, genannt seien etwa Mikel Oyarzabola und Santi Cazorla.

Das stimmt, und es lässt mich hoffen, dass vielleicht ein Anruf kommen mag. Doch bisher hat sich noch niemand gemeldet – was ich Luis Enrique auch nicht verübeln kann. Er hat einen unglaublich harten Job, sich über all die großartigen spanischen Spieler einen Überblick zu verschaffen. Sollten sie nicht anrufen, fliege ich im Sommer eben zu meiner Familie nach Teneriffa, feure mit ihr die Nationalmannschaft vor dem TV an, tanke etwas Sonne und komme mit vollen Batterien und neuen Zielen zurück nach Gelsenkirchen.


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