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Benedikt Höwedes zur Corona-Krise: "Wir Deutschen können uns glücklich schätzen"

MEINUNGHöwedes zur Corona-Krise  

"Wir Deutschen können uns glücklich schätzen"

Benedikt Höwedes

Eine Kolumne von Benedikt Höwedes

19.03.2020, 09:15 Uhr
Benedikt Höwedes zur Corona-Krise: "Wir Deutschen können uns glücklich schätzen". Benedikt Höwedes: Der Weltmeister von 2014 schreibt in seiner Kolumne "Alles außer Sport" über das Coronavirus.  (Quelle: imago images/t-online.de)

Benedikt Höwedes: Der Weltmeister von 2014 schreibt in seiner Kolumne "Alles außer Sport" über das Coronavirus. (Quelle: t-online.de/imago images)

In seiner Kolumne auf t-online.de schreibt Benedikt Höwedes über alles, außer seinen Beruf. Dieses Mal geht es um das Coronavirus, das fast die gesamte Sportwelt lahmlegt.

Ein Gespenst geht um in Europa – nicht der Kommunismus, sondern Corona. Das Virus legt ganz Deutschland lahm. Kinos, Clubs und Bars sind geschlossen. Halb Deutschland ist im Home-Office. Und auch der Fußball steht still. Währenddessen schreibe ich euch diese Zeilen aus einem Moskauer Café. Zu meinem Kaffee habe ich eben Desinfektionsmittel gereicht bekommen. Immerhin. Ein paar Einsichten zur Pandemie aus einem "Land vor eurer Zeit". 

In Russland sind nach offiziellen Zahlen bislang erst 114 Corona-Fälle bekannt. Das liegt laut Putin an den strengen vorbeugenden Maßnahmen in den Regionen und auch landesweit in den ersten Wochen der weltweiten Ausbreitung. Auch wer nicht der Hellste ist, erkennt, dass die Dunkelziffer wesentlich höher liegen muss. Denn erst seit dieser Woche gilt ein allgemeiner Einreisestopp für die nächsten zwei Monate.

Und in den Städten? Alles wie immer. Die Cafés sind voll. Die Metros sind voll. Und die Straßen sowieso. Nur langsam kommt auch hier das Virus näher. Offiziell. In Moskau und St. Petersburg dürfen beispielsweise keine Veranstaltungen mit mehr als 5.000 Besuchern stattfinden. Umso überraschter war ich am letzten Sonntag beim Spiel in Rostow. Obwohl es kein Geisterspiel war, schien mir die Atmosphäre trotzdem ein wenig gespenstisch: Das Stadion war ausverkauft. Seit gestern ruht aber nun auch bis mindestens zum 10. April in der russischen Liga der Ball. Aber der Trainingsbetrieb geht vorerst weiter. Wahnsinn.

Virus bekämpfen, Vertrauen erkämpfen

Mit einem Blick auf die Maßnahmen in Deutschland bin ich immer wieder erstaunt, wie gelassen die Menschen hier mit dem Ansteckungsrisiko noch umgehen. Keine Hamsterkäufe, keine Desinfektionsmittel-Knappheit. Kein "Social Distancing". Vielleicht liegt es daran, dass wir – in Corona-Zeiten gerechnet – circa zwei Wochen vor eurer Zeit leben.

Die Menschen denken genau wie in Deutschland vor zwei Wochen noch nicht daran, um jeden Preis zuhause zu bleiben, obwohl ihnen nun auch offiziell empfohlen wurde, ins Homeoffice zu gehen. Erst ab dem kommenden Montag schließen hier die Schulen für drei Wochen. Und ebenso chaotisch bzw. uneinheitlich koordiniert wie hier waren die Maßnahmen noch vor ein paar Wochen auch in Deutschland.

In diesen Zeiten der Krise sind für die Menschen klare Empfehlungen, logische Begründungen und vor allem transparente Informationen am wichtigsten. Diese fehlten den meisten Russen bis Anfang dieser Woche. So oft der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland auch kritisiert wird: Meiner Meinung nach leisten seine Journalistinnen und Journalisten im Moment einen herausragenden Job. Die Einschaltquoten von Tagesschau und Co. bestätigen das. Jetzt ist die Zeit, in der Politik und Medien das in letzten Jahren teilweise verlorene Vertrauen wiedergewinnen können. In Deutschland wie auch in Russland.

Die Populisten verlieren dieser Tage an Wert. Und es zeigt sich, in was für einem tollen Land wir Deutschen Zuhause sind. Wir können uns glücklich schätzen, eine solche Regierung zu haben. Sie handeln besonnen und intelligent, zudem haben wir eines der besten Gesundheitssysteme der Welt.

Doch gegen die Krankheit hilft nur gesunder Menschenverstand.

Um gesund aus der Sache herauszukommen braucht es meiner Meinung nach in erster Linie einen gesunden Menschenverstand. Ich kann nur wie alle anderen appellieren: Bleibt möglichst zuhause, helft Älteren bei Einkäufen und gebt aufeinander acht. Denn eine Hand wäscht zwar die andere – aber trotzdem bitte real nur die eigenen.

Bleibt gesund und passt auf euch auf!
Ich selbst werde ab sofort, wie ihr, die Öffentlichkeit meiden.

Euer Benni


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