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Grindel fühlt sich vom DFB verraten: "Hat mich menschlich beschäftigt"

15 Monate nach Rücktritt  

Grindel fühlt sich vom DFB verraten: "Hat mich menschlich beschäftigt"

26.07.2020, 13:08 Uhr | dpa

Grindel fühlt sich vom DFB verraten: "Hat mich menschlich beschäftigt". Reinhard Grindel: Fühlt sich vom DFB verraten.  (Quelle: imago images/Jan Huebner)

Reinhard Grindel: Fühlt sich vom DFB verraten. (Quelle: Jan Huebner/imago images)

Reinhard Grindel war von 2016 bis 2019 Präsident des DFB. Heute fühlt er sich von seinem ehemaligen Verband verraten – zudem kritisiert er das Krisenmanagement des DFB in Corona-Zeiten. 

Der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel hat sich gut 15 Monate nach seinem Rücktritt mit deutlichen Aussagen zu Wort gemeldet. Grindel fühlt sich mit Blick auf sein Aus beim Deutschen Fußball-Bund verraten. "Leider hat es Personen gegeben, die diesen Fehler bemerkt und an die Presse durchgestochen haben, statt mich darauf anzusprechen", sagte Grindel der "Bild am Sonntag" über die Annahme einer teuren Uhr, die im April 2019 zu seinem Rücktritt geführt hatte. "Das hat mich menschlich schon sehr beschäftigt." Das Geschenk im Wert von rund 11.000 Euro hatte er von einem ukrainischen Funktionär erhalten.

"Ich habe einen Compliance-Verstoß begangen, und es war richtig, daraus die Konsequenzen zu ziehen", sagte Grindel. "Mit dem ominösen Uhrengeschenk bin ich völlig transparent und arglos umgegangen. Es wussten ja viele im DFB davon." Er habe nie "einen Hehl aus dem Geschenk gemacht", versicherte der 58-Jährige. "Das mag man naiv nennen, jedenfalls war diese Form der Transparenz das komplette Gegenteil von Korruption."

Grindel kritisiert fehlenden Teamgeist beim DFB

Rückblickend sei das Amt des DFB-Präsidenten gut zu führen, "wenn es an der Spitze Loyalität und Teamgeist gibt". Dies habe es aber nicht von jedem Einzelnen gegeben. Durch seine Tatkraft und Präsenz habe er Einflussstrukturen verändert. "Das hat vielleicht nicht jedem gefallen", sagte Grindel.

In seiner persönlichen Bilanz hebt der CDU-Politiker die erfolgreiche Bewerbung für die EM 2024, das Festhalten an Joachim Löw nach der WM 2018 und den Bau der DFB-Akademie hervor. Die Affäre um das Foto von Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sei einen Tag vor der Kaderbekanntgabe für die WM 2018 zum falschen Zeitpunkt gekommen. "Nur eine Woche früher und wir hätten Zeit gehabt, mit Özil in Ruhe darüber zu reden, dass es eine klare, unmissverständliche Distanzierung von dem Wahlkampffoto geben muss", betonte Grindel, der damals viel Kritik einstecken musste.

Amateurvereine seien durch Corona-Krise zu kurz gekommen 

Für die Zukunft habe der DFB laut Grindel auch durch die EM 2024 glänzende Aussichten. "Was ich mit Sorge sehe, ist die Tatsache, dass in der Corona-Krise nicht genug getan wurde, um unsere Amateurvereine zu stärken. Da muss der DFB alle Kräfte bündeln, um zu helfen", monierte der gebürtige Hamburger, der inzwischen als Unternehmensberater in den Bereichen Politik und Sport arbeitet.

Dass sein Nachfolger Fritz Keller die Sommermärchen-Affäre rund um die WM 2006 noch einmal untersuchen lässt, verfolgt Grindel mit Spannung. An neue Erkenntnisse glaubt er nicht. "Wir haben den Zahlungsfluss lückenlos nachgewiesen. Was mit dem Geld letztendlich gemacht worden ist, weiß der frühere FIFA-Funktionär Bin Hammam, an den das Geld ging, und möglicherweise das ein oder andere Mitglied des damaligen Organisationskomitees. Wenn die aber nichts sagen, sind die Möglichkeiten eines Sportverbandes, die Wahrheit herauszufinden, begrenzt", erklärte Grindel.

50+1-Regel sollte laut Grindel diskutiert werden 

Eine provokante Meinung vertritt Grindel in Sachen 50+1-Regel. "Der deutsche Fußball sollte zumindest diskutieren, Bedingungen und klare Regeln für Investoren festzulegen, bevor die EU-Kommission vollendete Tatsachen schafft", sagte Grindel und betonte: "Für die Vereine, die am ehesten Bayern und Dortmund gefährlich werden können, wirken die 50+1-Regeln ohnehin nicht: siehe Leipzig oder Leverkusen. Insofern kommt man um die Debatte nicht herum, ob es nicht geboten ist, Vereinen, die in diese Phalanx einbrechen wollen, die Einbeziehung von Investoren zu erleichtern." Er habe Zweifel, ob es in der DFL die Bereitschaft gebe, Mehrheitsbeteiligungen zuzulassen, die in der Bundesliga durch die 50+1-Regel untersagt sind.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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