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Hertha BSC in der Krise: "Das Problem war nicht Bruno Labbadia"

MEINUNGDoppel-Rauswurf in Berlin  

Das sind die wahren Gründe für die Hertha-Krise

Hertha BSC in der Krise: "Das Problem war nicht Bruno Labbadia". Bruno Labbadia: Der 54-jährige Trainer musste gehen. (Quelle: imago images/Nordphoto)

Bruno Labbadia: Der 54-jährige Trainer musste gehen. (Quelle: Nordphoto/imago images)

Es rappelt in der Hauptstadt: Die von Europa träumende Hertha befindet sich mitten im Abstiegskampf und feuert Trainer und Manager. Eine der beiden Entscheidungen war überfällig.

Seien Sie ehrlich: Hatten Sie vor der Saison nicht auch Hertha BSC viel weiter vorne in der Tabelle erwartet? Manch einer schätzte die Berliner sogar als Kandidat für die Champions League ein. Doch die bittere Realität sieht anders aus: Nach 18 Spieltagen steht der Klub aus der Hauptstadt mit nur 17 Punkten auf Platz 14. 

Eine ernüchternde Bilanz für einen Verein, der in den vergangenen anderthalb Jahren fast 150 Millionen Euro an Ablösesummen für Spieler ausgegeben hat. Statt vor möglichen Zweitligapartien in Sandhausen oder Heidenheim zu zittern, wollte die Hertha von Reisen nach Lissabon oder London träumen. Wenig überraschend, dass am Sonntag Trainer Bruno Labbadia und Geschäftsführer Michael Preetz gehen mussten.

Wie konnte es trotz dieser hohen Investitionen dazu kommen, dass Hertha sich im Abstiegskampf befindet?

Der Grund liegt in der Chefetage

Die Antwort dafür findet sich nicht an der Seitenlinie, sondern in der Chefetage der Hertha. Die Fehler von Ex-Trainer Bruno Labbadia waren nicht das Hauptproblem der Hertha, es waren die Entscheidungen von Manager Michael Preetz. Seit dem Abgang des früheren Trainers Pál Dárdai im Sommer 2019 machte Preetz zu viele Fehler. 

Besonders bei Transfers griff der "Lange", wie er in Berlin genannt wird, zu oft daneben. Dárdais erster Nachfolger Ante Čović wollte attraktiven, offensiven Fußball spielen lassen. Doch er bekam nicht die Spieler, die er brauchte. Ein Beispiel: Preetz' Königstransfer für Čović war Dodi Lukébakio. Ein Spieler, der durch sein Tempo und seine Abschlussstärke aus dem Lauf für Konterfußball prädestiniert ist. Schnelle Passkombinationen sind nicht seine Stärke.

Ante Čović wurde nach nur 14 Pflichtspielen als Hertha-Trainer entlassen. (Quelle: imago images/Sven Simon)Ante Čović wurde nach nur 14 Pflichtspielen als Hertha-Trainer entlassen. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Und so scheiterte Čović mit einem Kader, der noch auf Dárdais Konterfußball ausgerichtet war. Es folgte Jürgen Klinsmann. Ein Trainer, der zusammen mit seinem Assistenten Alexander Nouri einen Fußball spielen lassen wollte, der dem von Dárdai ähnelte. Unter Klinsmann fing sich die Hertha etwas – und kaufte groß ein. Es kamen Matheus Cunha (18 Millionen Euro), Santiago Ascacíbar (10 Millionen), Krzysztof Piątek (24 Millionen) und Lucas Tousart (25 Millionen, kam aber erst im Sommer).

Teure Investitionen, die zum Spielstil Klinsmanns passten. Ausgenommen Matheus Cunha, der in mehrere Systeme sehr gut passt. Doch in der ersten Ergebniskrise unter Klinsmann krachte es. Der Trainer schmiss hin. Nach ein paar Spielen unter Alexander Nouri kam Bruno Labbadia. Labbadias Spielstil ist aber wieder mehr auf Ballbesitz ausgerichtet, aktiver, offensiver. Das Spielermaterial, das er vorfand, passte nur zum Teil dazu. Bis heute wurde er nur mit Matheus Cunha von den Transfers aus der Klinsmann-Zeit warm. Weder Piątek, noch Tousart oder Ascacíbar konnten überzeugen. 

Michael Preetz lag in seiner Transferpolitik zuletzt zu oft daneben. (Quelle: imago images/Andreas Gora)Michael Preetz lag in seiner Transferpolitik zuletzt zu oft daneben. (Quelle: Andreas Gora/imago images)

Im Sommer 2020 traf Manager Preetz dann mehrere Fehlentscheidungen, die zu der heutigen Krise führten:

  1. Er ließ gleich mehrere Führungsspieler wie Vedad Ibišević, Salomon Kalou oder Per Skjelbred gehen, ohne Ersatz zu holen. Eine Hierarchie war bei Hertha kaum mehr vorhanden. Der Kader besteht aus vielen jungen Spielern, die zwar Talent haben, aber Führung aus der Mannschaft heraus brauchen. Die haben sie dort nicht gefunden. Kein Wunder, dass Bruno Labbadia bis Ende September brauchte, um einen Kapitän zu bestimmen. Zu oft wirkte Hertha auf dem Platz kopflos. Bei Rückstand gab es kein Aufraffen. Die Köpfe wurden hängen gelassen, Vorwürfe nur an den Nebenmann gerichtet. Die öffentlichen Denkzettel für launige Top-Stars wie Matheus Cunha und Dodi Lukébakio kamen nur vom Trainer. Vize-Kapitän Niklas Stark redete in Abwesenheit von Dedryck Boyata sogar noch Spiele wie das 0:0 gegen Mainz oder das 0:0 in Köln gut. Dabei können solche Leistungen nicht der Anspruch der Hertha sein.
  2. Preetz kaufte zu wenig Spieler für Labbadias Spielstil ein. Labbadia wünschte sich einen Wandstürmer, mehrere Flügelspieler, einen neuen Torwart und einen spielstarken Rechtsverteidiger. Dazu Kreativität fürs Zentrum. Er bekam mit Jhón Córdoba einen guten Wandstürmer, mit Alexander Schwolow einen guten Torwart und mit Mattéo Guendouzi die Kreativität fürs Mittelfeld. Doch es kam nicht ein einziger Flügelspieler. Rechts hinten kam Deyovaisio Zeefuik vom FC Groningen, der mehr ein Perspektivspieler war als eine sofortige Lösung.

Und so startete Labbadia einen Versuch, der kaum funktionieren konnte: Eine Mannschaft ohne viele Führungsspieler zu formen, die einen Fußball lernen soll, der nicht zu ihr passt. 

Das heißt nicht, dass Labbadia fehlerfrei war. Mehrmals blieb er stur in seinen Entscheidungen, stellte Spieler auf Positionen, auf denen sie sich nicht wohlfühlten. Doch der Grund dafür, dass Hertha zu einer Lachnummer der Bundesliga geworden ist, ist nicht Labbadia.

Der Grund ist die Kaderplanung von Ex-Manager Michael Preetz.

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