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Die Scheinehe ist geplatzt

Von Benjamin Zurm├╝hl

Aktualisiert am 29.11.2021Lesedauer: 3 Min.
Die gespaltene Hertha-F├╝hrung: Trainer D├írdai (r.) muss gehen, Manager Bobic ger├Ąt unter Druck.
Die gespaltene Hertha-F├╝hrung: Trainer D├írdai (r.) muss gehen, Manager Bobic ger├Ąt unter Druck. (Quelle: Revierfoto/imago-images-bilder)
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Sie stichelten, vertrugen sich und doch schwebte eine dunkle Wolke ├╝ber Hertha-Trainer P├íl D├írdai und Manager Fredi Bobic. Nun entlie├č Bobic D├írdai und stellte damit klar: Im Klub war vieles nur Schein.

Fredi Bobic blieb keine Wahl. Er konnte P├íl D├írdai im Sommer nicht entlassen. Schlie├člich hatte der Ungar die Hertha gerettet. Er hatte mit seinem Trainerteam die Mannschaft zu einer Einheit geformt, die sich mit Ach und Krach in der Bundesliga hielt. Bobic hingegen war neu. Mit Eintracht Frankfurt hatte er als Manager einige Erfolge gefeiert, sollte das in Berlin nun wiederholen. Er sollte alles auf links drehen, hinterfragen, neu machen. Nur einer sollte davon unber├╝hrt bleiben: P├íl D├írdai.


Bundesliga: Herthas Trainer seit 2015

Cheftrainer Pal Dardai (Hertha BSC), Hertha BSC - FC Augsburg, Fussball, Bundesliga, DFL, 27.11.2021 DFB regulations pro
Am 5. Februar 2015 war es soweit: Mit P├íl D├írdai ├╝bernahm eine Vereinslegende des Traineramt beim Hauptstadtklub. Aufstiegstrainer Jos Luhukay musste seinen Hut nehmen. Unter D├írdai spielte Hertha selten berrauschend, aber ├Ąu├čerst erfolgreich. Nach dem Klassenerhalt 2015 (Platz 15) f├╝hrte er Hertha sowohl 2016 (Platz 7) als auch 2017 (Platz 6) in die internationalen R├Ąnge. Nach zwei durchschnittlichen Saisons im Tabellenmittelfeld trennten sich 2019 die Wege. Es ├╝bernahm der U21-Trainer.
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Ein paar Monate und diverse Andeutungen in Interviews sp├Ąter ist D├írdai nun doch weg. Fast aus dem Nichts teilte Hertha BSC am Montag mit, dass er durch Tayfun Korkut ersetzt wird. Bis zum Saisonende soll der 47-J├Ąhrige daf├╝r sorgen, dass die Berliner erstklassig bleiben. Allem Anschein nach hatte Bobic Zweifel daran, dass dies mit D├írdai gelingen w├╝rde. Die Entscheidung offenbart aber auch, dass das Verh├Ąltnis zwischen Bobic und D├írdai nie mehr als eine Scheinehe war. Und die ist nun geplatzt. Es wirkt so, als sei Bobics Gedanke gewesen: Hauptsache nicht D├írdai.

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Denn mehrfach war den beiden anzumerken, dass sie nicht die gleichen Gedanken und Pl├Ąne f├╝r Hertha BSC hatten. Das wurde in verschiedenen Interviews und Medienrunden deutlich:

  • "Du kannst nicht noch einen Umbruch machen. Es geht nicht, dass jetzt wieder acht neue Spieler kommen." ÔÇô P├íl D├írdai am 23. Mai. Anschlie├čend holte Hertha acht neue Spieler und bekam zudem einen Leihspieler zur├╝ck.
  • "Ich h├Ąnge nicht an meinem Sitz, ich helfe gerade aus. Im Sommer hie├č es auch nicht unbedingt, dass ich es mache. Wahrscheinlich sucht Hertha BSC seit Langem einen gro├čen Trainer. P├íl ist ein kleiner Trainer, ein netter Trainer, er hilft aus so lange, wie es sein soll." ÔÇô P├íl D├írdai am 29. August nach einer 0:5-Niederlage beim FC Bayern.
  • "Ich habe mit P├íl sehr lange geredet nach seinem emotionalen Ausbruch am Sonntag, der nicht gut war. Die Emotionalit├Ąt darf nicht ├ťberhand gewinnen. Das war nicht f├Ârderlich f├╝r Hertha BSC. Die Aussagen waren nicht gut. So etwas geht nicht." ÔÇô Fredi Bobic am 2. September.
  • "P├íl hat gemerkt: Er h├Ątte nach drei Niederlagen und seinem emotionalen Fehler eigentlich fliegen m├╝ssen. Wir brauchen Ruhe und Stabilit├Ąt. Fakt ist aber eins: Solche Dinge d├╝rfen in Zukunft nicht zu oft passieren." ÔÇô Fredi Bobic bei DAZN (erschienen am 5. November).
  • "Dieses Spiel hat mir unheimlich viele Erkenntnisse gegeben. Auch f├╝r die Planungen in den n├Ąchsten Wochen, Monaten und Jahren." ÔÇô Fredi Bobic am 20. November nach der Derby-Niederlage gegen Union Berlin.

Es ├╝berrascht nicht, dass die Zusammenarbeit von Bobic und D├írdai nur von kurzer Dauer war. Bobic f├╝hrte laut Berichten der "Sport Bild" immer wieder Gespr├Ąche mit anderen Trainern, auch wenn er diese ├Âffentlich meist dementierte. Was jedoch ├╝berrascht, ist der Zeitpunkt. Auch wenn die Entt├Ąuschung nach der Derby-Pleite und dem sp├Ąten 1:1 gegen Augsburg am Samstag gro├č war, forderten die Fans im Olympiastadion nicht die Entlassung ihres Trainers. Die Ergebnisse waren entt├Ąuschend, der Fu├čball ebenso, aber D├írdai war eine der wenigen Identifikationsfiguren im Verein.

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Bobic wollte ins wilde und chaotische Berlin Ruhe und Konstanz bringen. Bisher hat er das verpasst. Und mit der Entscheidung, D├írdai zu entlassen, setzt er sich selbst unter Druck. Der n├Ąchste Schuss muss sitzen, sonst wird es ungem├╝tlich.

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Ein Kommentar von Benjamin Zurm├╝hl
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