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Eberl-R├╝ckzug mit Tr├Ąnen: "Beende etwas, was mein Leben war"

Von dpa
Aktualisiert am 28.01.2022Lesedauer: 4 Min.
M├Ânchengladbachs Sportdirektor Max Eberl erkl├Ąrt seinen R├╝cktritt aus gesundheitlichen Gr├╝nden.
M├Ânchengladbachs Sportdirektor Max Eberl erkl├Ąrt seinen R├╝cktritt aus gesundheitlichen Gr├╝nden. (Quelle: Christian Verheyen/Borussia M├Ânchengladbach/dpa./dpa)
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M├Ânchengladbach (dpa) - Das Ende der 23 Jahre langen ├ära von Max Eberl bei Borussia M├Ânchengladbach kam einem Hilferuf gleich.

Kein neuer Verein, kein Corona-Frust, kein sportlicher Niedergang seines ins Abstiegsnot geratenen Herzensclub - das Fu├čballgesch├Ąft habe ihn krank gemacht, begr├╝ndete der 48 Jahre alte langj├Ąhrige Sportchef der Borussia seinen sofortigen Abgang. "Es war mir eine Ehre, hier zu arbeiten", sagte Eberl mit Tr├Ąnen in den Augen, fiel zun├Ąchst Vize-Pr├Ąsident Rainer Bonhof um den Hals und umarmte dann weitere langj├Ąhrige Mitarbeiter. "Ich beende etwas, was mein Leben war."

"Ich will einfach raus"

Nach 13 Jahren als Sportdirektor hat Eberl nach eigener Aussage vorerst keine Kraft mehr f├╝r den Job. "Die Person Max Eberl ist ersch├Âpft und m├╝de. Ich habe keine Kraft mehr, diesen Job so auszu├╝ben, wie es der Verein ben├Âtigt", sagte Eberl in bemerkenswerter Offenheit. Immer wieder stockte er und wischte sich Tr├Ąnen aus den Augen.

"Ich will einfach raus, ich will einfach mit diesem Fu├čball gerade nichts zu tun haben. Ich will Spa├č haben. Ich will Max Eberl sein", sagte der Mann, der lange Zeit das Gesicht schlechthin des f├╝nfmaligen deutschen Meisters war, die Borussia nun aber schlagartig kurz vor dem Ende des Transferfensters am 31. Januar verl├Ąsst. Dass dies den Verein zur Unzeit trifft, ist Eberl bewusst. "Zum ersten Mal in meinem Leben denke ich da aber jetzt mal an mich."

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Clubchef Rolf K├Ânigs schaute nicht nur in diesem Moment etwas gequ├Ąlt. "Wir haben das respektiert, nicht akzeptiert. Wir sind traurig", sagte der 80-J├Ąhrige, der nach eigener Aussage zusammen mit seine Vorstandskollegen alles versucht habe, Eberl umzustimmen. "Aber die M├Âglichkeit, die wir ihm angeboten haben, passte nicht zu seiner privaten und beruflichen Lebensplanung", sagte K├Ânigs weiter.

Wie Hape Kerkeling einfach mal weg sein

Aus der Branche bekam Eberl sogleich Zuspruch nach dem emotionalsten Auftritt in Gladbach seit vielen Jahren. "Bei aller Rivalit├Ąt: Respekt f├╝r diese Entscheidung, Max Eberl. Gesundheit steht ├╝ber allem. Der #effzeh w├╝nscht alles Gute f├╝r die Zukunft", twitterte der Gladbacher Erzrivale 1. FC K├Âln und Real Madrids Toni Kroos verbreitete: "Chapeau Max Eberl. ├ťberragender Manager und Typ mit richtig gro├čen Eiern. Gute Erholung, Max!"

Ein neuer Club, ├╝ber den bereits seit dem Vortag spekuliert worden war, als erste Ger├╝chte ├╝ber einen R├╝cktritt Eberls publik wurden, scheidet demnach erstmal aus. "Ich werde mir die Zeit und die Ruhe nehmen", k├╝ndigte Eberl an. "Ich werde wie Hape Kerkeling einfach mal weg sein und dann mal sehen, was die Zukunft bringt."

F├╝r die Borussia kommt der Abgang des 48-J├Ąhrigen, der erst vor gut einem Jahr seinen Vertrag bis 2026 verl├Ąngert und dabei von "Visionen" gesprochen hatte, einer Z├Ąsur gleich. Seit dem Wirken von Helmut Grashoff bis 1991 hat kein anderer Manager den stolzen Club vom Niederrhein so sehr gepr├Ągt wie Eberl. Seit Januar 1999 war er im Verein, zun├Ąchst als Spieler, sp├Ąter als Nachwuchskoordinator und schlie├člich als Sportdirektor und Gesch├Ąftsf├╝hrer. "Alles, was ich hatte, habe ich dem Verein gegeben", sagte Eberl pathetisch.

Sportlich schwierige Monate

Doch das war zum Ende hin offenbar nicht mehr gut genug. Seit der erfolgreichen Relegation 2011 gegen den VfL Bochum machte Eberl zun├Ąchst vor allem mit dem damaligen Trainer Lucien Favre die Borussia wieder zur einer Top-Adresse im deutschen Fu├čball. Dreimal spielte Gladbach seitdem wieder in der Champions League, noch vor einem Jahr stand die Borussia dort unter Trainer Marco Rose im Achtelfinale. Die folgenden Monate waren sportlich schwierig, auch die - offenbar auch interne - Kritik an Eberl nahm zu.

Dass er an Rose trotz dessen angek├╝ndigten Wechsels zu Borussia Dortmund und etlicher Niederlage festhielt, nahm man ihm im Umfeld des Clubs ├╝bel. Im f├╝r 7,5 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt geholten Adi H├╝tter dachte Eberl, den "am besten passendsten Trainer f├╝r Borussia" gefunden zu haben. Stattdessen ist der ├ľsterreicher mit dem teuersten - aber seit gut zwei Jahren nur noch punktuell ver├Ąnderten - Kader seit langem im Abstiegskampf angekommen. In den bevorstehenden wichtigen Spielen gegen die inzwischen direkten Konkurrenten Arminia Bielefeld (5. Februar) und den FC Augsburg (12. Februar) geht es wohl auch schon bereits um H├╝tters Job.

Ein Nachfolger wird gesucht

Zun├Ąchst aber muss der Vorstand einen Nachfolger f├╝r Eberl finden. Eile ist geboten. "Wir geben uns nicht viel Zeit. Wir haben die M├Âglichkeiten intern schon abgesteckt, wir werden uns extern umschauen", k├╝ndigte K├Ânigs an.

Ein aussichtsreicher Kandidat k├Ânnte der ehemalige Trainer Dieter Hecking sein. Mit dem aktuellen Sportvorstand des Zweitligisten 1. FC N├╝rnberg hatte Eberl vor gut drei Jahren in Gladbach erst verl├Ąngert, dann aber die Zusammenarbeit zur Saison 2019/2020 beendet, um Rose zu holen.

Ganz nebenbei m├╝ssen die Borussen ohne Eberl nun bis Montag nach M├Âglichkeit noch wechselwillige Spieler wie Matthias Ginter, Denis Zakaria, Marcus Thuram oder Alassane Plea gegen eine Abl├Âse transferieren. Ginter und Zakaria sind im Sommer abl├Âsefrei. Darum soll sich nun federf├╝hrend Eberls bislang engster Mitarbeiter Steffen Korell k├╝mmern. "Da ist noch Ruhe", berichtete Vize-Pr├Ąsident Rainer Bonhof ├╝ber den Stand der Dinge bei den m├Âglichen Abg├Ąngen.

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