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Magath im Hertha-Drama: Cool und nett in die Relegation

Von dpa
Aktualisiert am 15.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Hertha-Coach Felix Magath baut sein Team auf.
Hertha-Coach Felix Magath baut sein Team auf. (Quelle: Andreas Gora/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Im wei├čen Polo-Shirt und einer beigen Leinenhose stand Felix Magath entspannt und l├Ąssig am Trainingsplatz. Der ber├╝chtigte Schleifer wird bei Hertha BSC in der gro├čen Not zum Mr. Nice Guy.

Die Nervenspiele gegen seinen Herzensclub Hamburger SV in der Relegation vor Augen ├Ąnderte der Berliner Rettungstrainer seine Knallhart-Strategie. Jetzt blo├č die Ruhe bewahren. Und keine Worte mehr ├╝ber die zuletzt noch vorgetragenen Zweifel und Schw├Ąchen beim Big-Krisen-Club.

Gr├Â├čter "Abschnitt meines Fu├čballer-Lebens"

Energisch redete Magath vor dem Training auf seine Spieler ein, lauter wurde es aber nicht. Schon vor dem Ende der ├ťbungseinheit machte er sich auf den Weg nach Darmstadt zur Gegner-Beobachtung. Da hatte der 68-J├Ąhrige kein gutes N├Ąschen. Der Sieg der Lilien gegen den SC Paderborn war nutzlos, denn der HSV gewann in Rostock. Mit der schon lange vorher getroffenen Prognose eines Relegations-Duells mit den Hamburgern lag Magath also richtig. Sein Assistent Mark Fotheringham wird ihm von seiner Spionage-Tour an die Ostsee berichten.

"Der HSV, das steht doch vollkommen au├čer Frage, ist der gr├Â├čte Abschnitt meines Fu├čballer-Lebens. Aber das spielt f├╝r diese beiden Begegnungen ├╝berhaupt keine Rolle", sagte Magath dem "Kicker" am Sonntag in Darmstadt: "Es geht nach wie vor nicht um mich oder meine Vergangenheit mit dem HSV. Es geht einzig und allein um Hertha BSC - um den Klassenerhalt."

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Drama von Dortmund

Seine nach dem Drama von Dortmund und dem sp├Ąten Stuttgarter Tor-Schock am Boden zerst├Ârten Spieler brauchen jedenfalls einen Crash-Kurs in moralischer Aufbauhilfe. Den bekommen sie nun ab Dienstag auch in einem Trainingslager im Olympia-Zentrum in Kienbaum, wie Manager Fredi Bobic ank├╝ndigte. Es geht nur um die Rettung, alles andere muss hinten anstehen. Auch ├╝ber den gro├čen Umbruch und die Zukunft von Magath werde nach der Relegation entschieden, sagte Bobic im Sport1-"Doppelpass".

Schon nach dem 1:2 beim BVB hatte Magath versucht, seine Spieler aufzurichten. "Unsere Mannschaft hat sich hier in Dortmund als Bundesligist pr├Ąsentiert. Deshalb bin ich zuversichtlich. Gegen den Tabellendritten der Zweiten Liga haben wir berechtigte Aussichten, den Klassenverbleib zu schaffen", sagte Magath nach dem maximal schmerzhaften Last-Minute-Absturz auf Platz 16.

Der von Magath gepflegte Zweckpessimismus, mit dem er f├╝r genau diesen Ernstfall verbale Vorleistung betreiben wollte, muss sich jetzt auszahlen. Die Relegation war unausweichlich, jetzt m├╝ssen wir liefern, lautet Magaths Strategie. "Es ist nicht der Worst Case eingetreten. Wir haben es geschafft, von Platz 17 auf 16 vorzudringen. Deshalb haben wir unser Minimalziel erreicht und den direkten Abstieg vermeiden k├Ânnen", zog er eine Zwischenbilanz seiner zwei Monate in Berlin. Zehn Punkte aus acht Spielen sind ordentlich. 1,25 Punkte pro Spiel sind mehr als seine Vorg├Ąnger Pal Dardai (1,16) und Tayfun Korkut (0,69) vorweisen konnten.

Immer lief was schief

Nur in der Berliner Gef├╝hlswelt nimmt das kaum jemand positiv wahr. Dreimal war Hertha BSC praktisch schon gerettet. Aber immer lief noch etwas schief. Die Serie gipfelte im Schock von Dortmund. Und wieder fehlten nur ein paar Minuten. Nach dem 1:1 in Bielefeld und dem 1:2 gegen Mainz wurde es extra dramatisch. Ishak Belfodil (18.) traf zur F├╝hrung, der Ausgleich durch Erling Haaland (68.) war zwar ├Ąrgerlich. Sogar das 1:2 durch Youssoufa Moukoko in der 84. Minute w├Ąre noch zu verschmerzen gewesen. Doch dann kam der Stuttgarter 2:1-Siegtreffer gegen den 1. FC K├Âln in der zweiten Minute der Nachspielzeit.

"Die Jungs sind total fertig und sitzen abgearbeitet in der Kabine", sagte Gesch├Ąftsf├╝hrer Fredi Bobic. "Der eine oder andere hat den Kopf h├Ąngen lassen", erg├Ąnzte Magath. Am Donnerstag steht das Heimspiel in der Relegation an. Vier Tage sp├Ąter f├Ąllt die Entscheidung in Hamburg. Ob Torwart Marcel Lotka dabei sein kann, ist offenbar fraglich. Der 20-J├Ąhrige musste sich am Sonntag nach seinem Pfosten-Crash in Dortmund wegen eines Nasenbeinbruchs und des Verdachts auf eine leichte Gehirnersch├╝tterung untersuchen lassen.

Herthas Erinnerung an die bislang letzte Relegation sind traumatisch. Nach dem 1:2 im Hinspiel gegen Fortuna D├╝sseldorf vor zehn Jahren endete das von Krawall ├╝berschattete R├╝ckspiel in der Nachspielzeit beim Stand von 2:2 mit einem Platzsturm von D├╝sseldorfer Fans. Schiedsrichter Wolfgang Stark erkl├Ąrte das Spiel f├╝r beendet und wurde von w├╝tenden Hertha-Spielern attackiert. Es kam zu Einspr├╝chen und Verhandlungen vor den DFB-Gerichten. Der Hertha-Abstieg blieb bestehen. So viel Drama k├Ânnte auch Felix Magath wohl nicht ertragen.

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