Sie sind hier: Home > Sport > Fußball > Champions League >

Lutz Pfannenstiel: Warum Loris Karius über einen Wechsel nachdenken muss

INTERVIEWKult-Torwart über Liverpools Pechvogel  

Warum Karius jetzt über einen Wechsel nachdenken muss

Von Florian Wichert

27.05.2018, 18:16 Uhr
Lutz Pfannenstiel: Warum Loris Karius über einen Wechsel nachdenken muss. Loris Karius erlebte im Champions-League-Finale den wohl bittersten Abend seines Lebens. (Quelle: imago)

Loris Karius erlebte im Champions-League-Finale den wohl bittersten Abend seines Lebens. (Quelle: imago)

Kult-Torwart Pfannenstiel hat noch vor kurzem eine Laudatio für Karius gehalten. Hier erklärt er, warum der 24-Jährige gerade wegen des Dramas in der Champions League noch ein Großer werden kann.

Das unglaubliche Drama um Loris Karius. Bei der 1:3-Niederlage im Champions-League-Finale gegen Real Madrid verschuldete der deutsche Torwart des FC Liverpool zwei Treffer. Der Traum vom Henkelpott? Geplatzt! Weltenbummler und Kult-Torwart Lutz Pfannenstiel hielt noch vor wenigen Wochen im Auswärtigen Amt eine Laudatio für Loris Karius. Der 24-Jährige gewann den Publikumspreis der Initiative Deutscher Fußball-Botschafter vor Favorit Toni Kroos. Pfannenstiel erklärt, warum Karius gerade wegen dieses Dramas ein Großer werden kann – und warum er in Betracht ziehen sollte, die "Reds" zu verlassen.

t-online.de: Herr Pfannenstiel, ist Loris Karius ein guter Botschafter des deutschen Fußballs?

Lutz Pfannenstiel: Natürlich. Das war eine große Überraschung, dass er vor Toni Kroos auf Platz eins gelandet ist. Aber er hat sich bei Liverpool als Nummer eins durchgesetzt, danach eine gute Saison gespielt und ist ein guter Typ. Ich kenne Loris Karius von früher aus Mainz und habe mich natürlich im Zuge der Ehrung intensiv mit ihm beschäftigt. Umso schlimmer fand ich nun zum Teil die Reaktionen nach dem Champions-League-Finale.

Was meinen Sie genau?

Ich fand es einfach schäbig, wie der Umgang mit Karius insbesondere in sozialen Netzwerken war. Dass ein Idiot bei Wikipedia den 26. Mai 2018 als Todesdatum in sein Wikipedia-Profil einträgt und aus der Formulierung "ist ein Profi" die Vergangenheitsform "war ein Profi" macht – oder dass er Real Madrid als Karius' aktuellen Verein nennt, das ist unglaublich. Jedem Fußballfan steht zu, Spieler zu kritisieren. Aber das war nicht nur unter der Gürtellinie, sondern unterirdisch. An mir geht vieles spurlos vorbei, aber das tat mir persönlich weh.

Pfannenstiel entdeckte bei Wikipedia den geänderten Eintrag zu Karius. Mittlerweile ist er wieder korrigiert.

Zum Glück haben nicht alle so reagiert.

Absolut. Zum Beispiel die Liverpool-Fans. Die haben Kosten und Mühen auf sich genommen, um nach Kiew zu kommen – mit dem großen Traum vom Gewinn der Champions League. Dann ist der Traum geplatzt und trotzdem akzeptieren sie die Entschuldigung von Karius und feiern ihn. Das war ganz große Fußball-Romantik. Die Unterstützung der Fans war einzigartig.

Wie bewerten Sie Karius' Blackouts?

Die Szene mit Benzema war kein typischer Torwartfehler. Er hat ganz einfach die falsche Entscheidung getroffen. Er wollte das Spiel schnell machen und ist davon ausgegangen, dass Benzema abdreht und zurückläuft. Das macht der wahrscheinlich auch in 90 von 100 Fällen. In diesem hat er es eben nicht getan. Auch so hätte Karius den Ball höher werfen können, tat es aber nicht.

Die einfachste Lösung wäre wohl der Abwurf nach außen gewesen, wo sein Mitspieler komplett frei stand. Wenn das gegen West Bromwich Albion beim Stand von 2:0 passiert, interessiert es keinen. Leider schaut das Finale der Champions League die ganze Welt. Eigentlich darf sowas nicht passieren.

Karius' erster Aussetzter: Der Liverpool-Keeper schmeißt Benzema den Ball völlig unbedrängt ans Bein. (Quelle: imago/PanoramiC)Karius' erster Aussetzter: Der Liverpool-Keeper schmeißt Benzema den Ball völlig unbedrängt ans Bein. (Quelle: PanoramiC/imago)

Kurz vor der Szene hat Karius den Ellenbogen von Sergio Ramos abbekommen. War das vielleicht der Grund?

Ich kann nicht bewerten, ob das zwei Minuten später einen Einfluss hatte. Aber er trifft Karius mit den Ellbogen an der Schläfe. Ramos ist ein Grenzgänger. Ich will ihm keine klare Absicht unterstellen, aber auch die Szene, in der sich Mo Salah verletzt hat, ist spielentscheidend. Und Ramos ist halt immer mittendrin statt nur dabei.

Zur Szene: Er trifft Loris, ohne dass der Ball in der Nähe ist. Man kann Ramos als Super-Verteidiger sehen oder auch als Riesenarsch. Aber er hat ein gutes Argument: Wenn er wie gestern Titel holt und nach 90 Minuten ohne Gelbe Karte noch auf dem Platz steht, dann ist das nicht sein Fehler.

Karius unterlief ein zweiter, folgenschwerer Patzer.

Um das mal klar zu sagen: Dass du mit dem Benzema-Tor, dem Fallrückzieher von Bale und seinem Flatterball drei solch ungewöhnliche Tore in einem Champions-League-Finale kriegst – da muss Ostern wirklich mit Weihnachten zusammen fallen. Und bei dem Flatterball war es einfach so, dass Karius angefangen hat, nachzudenken. Er hat die Konzentration verloren. Das hat ein Fuchs wie Bale gemerkt – und aus 35 Metern einfach mal draufgehalten. Das war kein platzierter Ball, das war einfach ein Scheiß-Ball, den Karius in 99 von 100 Fällen hält. Aber da war das Spiel auch schon entschieden, da war die Kuh aus dem Stall.

Sie haben getwittert, dass Sie davon ausgehen, dass es das letzte Spiel von Karius für Liverpool gewesen sein könnte.

Liverpool hat sich schon vor dem Champions-League-Finale mit anderen Torhütern beschäftigt, das ist Fakt. Egal ob Oblak, Butland oder Donnarumma. Dass dieses Spiel dann noch einen Einfluss hat, ob ein neuer Keeper verpflichtet wird, ist auch klar. Sollte Liverpool wirklich einen neuen Torwart holen, dann wird es auf jeden Fall ein Königstransfer. Der neue Keeper wird die Nummer eins sein.

Tweet von Pfannenstiel: "Ich denke, es war das letzte Spiel von Karius für Liverpool. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihm die Fans das verzeihen."

Sie haben Ihren Tweet aber eigentlich auf die Fans bezogen.

Die Fans im Stadion haben ihm erstmal verziehen. Aber lassen wir mal den Rauch verziehen. Dann wird die Diskussion wieder hochkommen – und die Szene wird auch bei den Fans in den Köpfen bleiben. Der Verein wird reagieren und dann ist die Frage, ob Karius oder der bisherige Ersatztorwart Mignolet gehen werden, vielleicht sogar beide. Und egal, wer von beiden bleibt: Er wird es schwierig haben.

Keine schönen Aussichten, wenn es so kommt.

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Karius ein guter Torwart ist. Er sollte spielen und nicht die nächsten zwei Jahre auf der Bank sitzen. Wechsel oder der Versuch, sich durchzubeißen? Schwierige Kiste! Aber egal, wie er sich entscheidet: Sollte er aus dieser Situation gestärkt rauskommen, kann Karius ein ganz Großer werden.

Das klingt optimistisch.

Oliver Kahn hat es richtig gesagt: An solchen Abenden sind schon Karrieren zerstört worden. Aber ich sage: An solchen Abenden sind auch schon Helden geboren worden. Es gab auch Torhüter, die solche Fehler gemacht haben – und noch stärker zurück gekommen sind. Kahn selbst ist ein gutes Beispiel. Er hat 2002 im WM-Finale den entscheidenden Fehler gemacht und sich davon erholt. Karius ist erst 24 Jahre jung, das sehen viele nicht.

Warum?

Weil er ein tiefenentspannter Kerl ist. Er schaut über vieles auch mal hinweg, ohne groß darüber nachzudenken. Das wird hier vielleicht nicht in der Form möglich sein, aber er hat auch schon Rückschläge und schwierige Situationen gemeistert. Er kam damals von Manchester City als Riesentalent nach Mainz und war plötzlich nur dritter Torwart. Das war auch nicht angenehm. Aber er hat sich reingehauen, hat gearbeitet, bis er die Nummer eins war.

Wie muss er jetzt in den nächsten Tagen und Wochen damit umgehen?

Er muss sich ausruhen und selbst heilen. Er sollte Zeit mit seiner Familie und Freunden im gewohnten Umfeld verbringen, weit weg von Liverpool. So wenig wie möglich Zeitung lesen. Kein Fernsehen, keine sozialen Netzwerke. Selbst wenn Spieler sagen, es jucke sie nicht: Das zieht dich jedes Mal wieder runter. Jeder Mensch macht Fehler, jeder Fußballer und jeder Torwart sowieso. Es ist trotzdem noch ein Mannschaftssport.

Wenn er jetzt dreimal unter einer Flanke durchgelaufen wäre, dann könnte man sagen: "Der hat eine wahnsinnige Schwäche bei Flanken." Aber diese Gegentore haben für mich nichts darüber ausgesagt, ob er ein guter oder schlechter Torwart ist.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mit 1 GB Datenvolumen im besten D-Netz surfen
das Sony Xperia XA2 bestellen bei congstar
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018