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Triumph-Fahrt mit dem Pott: Frankfurt feiert die Eintracht

Von dpa
Aktualisiert am 19.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Frankfurt-Coach Oliver Glasner (M) auf dem Weg zum Frankfurter Römer.
Frankfurt-Coach Oliver Glasner (M) auf dem Weg zum Frankfurter Römer. (Quelle: Thomas Frey/dpa./dpa)
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Sevilla/Frankfurt (dpa) - Die Heimkehr mit dem Silber-Pott wurde fĂŒr die Euro-Helden von Eintracht Frankfurt zu einer einzigartigen Triumph-Fahrt.

SchĂ€tzungsweise 200.000 Menschen feierten Trainer Oliver Glasner und seine SchĂŒtzlinge am Donnerstag in der Mainmetropole fĂŒr den Gewinn der Europa League und trieben dem einen oder anderen im Eintracht-Tross sogar TrĂ€nen in die Augen. "Wie sich die Menschen freuen ist das Schönste an dem Erfolg", betonte Glasner.

Weit ĂŒber drei Stunden dauerte der Autokorso vom Flughafen zum Frankfurter Römer, wo zigtausende Menschen ihre Lieblinge mit Pyro-Show und GesĂ€ngen feierten. "Man kann Titel gewinnen, indem man viel Geld ausgibt. Man kann aber auch Titel gewinnen, indem man eine Einheit bildet", rief Erfolgstrainer Glasner den begeisterten Fans zu.

"Sprengt alle Grenzen"

Vereinslegende Karl-Heinz Körbel, der 1980 beim zuvor einzigen internationalen Titelgewinn dabei war, schĂŒttelte angesichts des ĂŒberwĂ€ltigenden Empfangs immer wieder unglĂ€ubig den Kopf. "Was hier ablĂ€uft sprengt alle Grenzen. Das geht in die Geschichte von Eintracht Frankfurt ein. Diese Fankultur ist einzigartig", sagte der Bundesliga-Rekordspieler.

Die Profis genossen das Bad in der Menge. "Ich bin ĂŒberwĂ€ltigt", sagte Publikumsliebling Martin Hinteregger, der im Endspiel von Sevilla gegen die Glasgow Rangers verletzt zuschauen musste. Aufsichtsratschef Philip Holzer gestand: "Mir stehen die TrĂ€nen in den Augen, wie viel Freude wir den Menschen bereiten."

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Vor der Mega-Party in Frankfurt hatten die Spieler nach dem mit 5:4 gewonnen Elfmeterdrama gegen den schottischen Vizemeister die Nacht zum Tag gemacht. "Es war feucht-fröhlich und ging bis sechs Uhr in der FrĂŒh", berichtete Vorstandssprecher Axel Hellmann nach der Landung in Frankfurt von der rauschenden Siegesfeier in einem Nobel-Club der sĂŒdspanischen Metropole.

Selbst der sonst so ruhige Glasner - der den Pokal beim Autokorso durch die Stadt kaum aus der Hand gab - mutierte zum Partybiest. "Ich lasse die Sau raus und feiere jetzt bis Samstag durch - und am Sonntag gehe ich in den Urlaub", verkĂŒndete der 47 Jahre alte Fußball-Lehrer aus Österreich.

Eintracht-Helden sprachlos

Die Eintracht-Profis fĂŒhlten sich nach dem zweiten internationalen Titel der Vereinsgeschichte nach dem UEFA-Cup-Sieg vor 42 Jahren wie im MĂ€rchen - sicherten sie sich neben dem massiven Pokal doch auch die erstmalige Teilnahme an der Champions League. Ein sportlicher und finanzieller Quantensprung fĂŒr den Traditionsverein, der vor einigen Jahren noch als "launische Diva vom Main" bezeichnet wurde. "Es wird ein paar Jahre dauern, bis einem die Tragweite bewusst wird", sagte der von einer Kopfwunde gezeichnete Rode. Und Kevin Trapp betonte: "Wir haben immer nach Superlativen gesucht. Aber es gibt einfach kein Wort, um das zu beschreiben."

Der Nationaltorwart war einer der Helden des dramatischen Endspiels. Erst rettete der 31-JĂ€hrige seine Mannschaft mit einer Monsterparade kurz vor dem Ende der VerlĂ€ngerung in das Elfmeterschießen, wo er dann den Versuch von Aaron Ramsey parierte. Danach gab es ein Extra-Lob von Bundestrainer Hansi Flick. "Kevin hat eine tolle und herausragende Leistung gezeigt."

Nachdem Rafael BorrĂ© den letzten Elfmeter eiskalt zum 5:4 verwandelt hatte, herrschte Ekstase pur - auch auf den RĂ€ngen des Estadio RamĂłn SĂĄnchez PizjuĂĄn und in der Heimat, wo knapp 60.000 Fans im und rund um das Frankfurter Stadion beim Public Viewing die Daumen gedrĂŒckt hatten.

Der Erfolg, den fast neun Millionen Menschen vor den TV-GerĂ€ten verfolgten, war die vorlĂ€ufige Krönung einer rasanten Entwicklung in den vergangenen Jahren. 2017 verloren die Hessen gegen Borussia Dortmund das DFB-Pokalfinale, in dem sie ein Jahr spĂ€ter gegen Bayern MĂŒnchen triumphierten. 2019 folgte der Einzug ins Halbfinale der Europa League und nun der ganz große Erfolg mit einer makellosen Bilanz: von 13 Spielen verlor die Eintracht kein einziges.

"Die Marke Eintracht Frankfurt ist in den vergangenen Jahren bereits eine internationale geworden, jetzt hat sie noch einmal an Strahlkraft gewonnen. Die Eintracht ist ein Vorbild fĂŒr viele Clubs nicht nur in Deutschland", wĂŒrdigte DFB-Direktor Oliver Bierhoff die ertragreiche Arbeit am Main.

Internationales Renommee verschafft

Mit ihrem Auftreten in Europa verschafften die Hessen auch der Bundesliga internationales Renommee. Immerhin lag der letzte deutsche Titelgewinn in diesem Wettbewerb schon 25 Jahre zurĂŒck. "Das ist ein herausragender Erfolg fĂŒr Eintracht Frankfurt und gleichermaßen auch fĂŒr den deutschen Fußball", sagte Hans-Joachim Watzke, Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball Liga und GeschĂ€ftsfĂŒhrer beim Vizemeister Borussia Dortmund. "Ich kann nur sagen: Herzlich willkommen in der Champions League."

Einen Vorgeschmack auf die Königsklasse gibt es fĂŒr die Eintracht schon am 10. August beim Supercup. Dann heißt der Gegner in Helsinki entweder FC Liverpool oder Real Madrid. Von Gegnern dieses Kalibers wurde am Main bisher allenfalls getrĂ€umt. Frankfurt habe gezeigt, "was Teamgeist und Begeisterung bedeuten und welche Erfolge dann möglich sind, wenn eine Mannschaft, ein Verein und die gesamte Stadt fĂŒr ein gemeinsames Ziel brennen", stellte Bierhoff fest.

Wenn die Feierlichkeiten vorĂŒber sind, wollen die Eintracht-Verantwortlichen in Ruhe ĂŒber die Strategie fĂŒr die nĂ€here Zukunft beraten. Die Perspektiven sind glĂ€nzend. "NatĂŒrlich tun die zusĂ€tzlichen Einnahmen nach zwei Jahren Corona gut. Das hilft uns extrem fĂŒr die Zukunft", sagte Sportvorstand Markus Krösche. Auch bei VertragsgesprĂ€chen mit Stars wie Filip Kostic. Glasner ist von einem Verbleib des FlĂŒgelflitzers, der im vorigen Sommer mit einem Streik einen Wechsel zu Lazio Rom erzwingen wollte, ĂŒberzeugt: "Er hat noch ein Jahr Vertrag. Ich denke, das war nicht sein letztes Spiel."

Schon jetzt ist klar: trotz aller Wachstumschancen will sich der Verein treu bleiben. "Die Champions League ist natĂŒrlich außergewöhnlich fĂŒr Eintracht Frankfurt, aber wir werden unsere Transferstrategie nicht Ă€ndern", verkĂŒndete Krösche. Und der "unfassbar stolze" PrĂ€sident Peter Fischer bekrĂ€ftigte: "Der Wettbewerb wird hĂ€rter und schĂ€rfer. Aber wir gehen jetzt nicht groß einkaufen, weil wir uns einmal fĂŒr die Champions League qualifiziert haben. In diesem Verein wird es kein Harakiri geben."

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