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Hermann Gerland bei der U21: In der Krise zieht der DFB seinen Joker

Ein Experte für den Nachwuchs  

In der Krise zieht der DFB seinen Joker

13.10.2021, 16:24 Uhr
Hermann Gerland bei der U21: In der Krise zieht der DFB seinen Joker. Hermann Gerland: Der 67-Jährige denkt nicht ans Aufhören. (Quelle: imago images/Team 2)

Hermann Gerland: Der 67-Jährige denkt nicht ans Aufhören. (Quelle: Team 2/imago images)

Auf dem Platz werden die Leistungen der DFB-Teams besser, die Sorgenfalten auf der Stirn der Verantwortlichen kleiner. Dazu trägt auch ein Mann bei, den viele schon im Ruhestand gesehen haben.

Mit einer Stoppuhr um den Hals und einem Kaugummi im Mund bewaffnet betritt Hermann Gerland 40 Minuten vor dem Anpfiff in Paderborn den Rasen. Der "Tiger", wie er genannt wird, schaut sich um in der Benteler-Arena, in der gleich sein Debüt stattfindet. Auch im Alter von 67 Jahren feiert Gerland noch ein erstes Mal. Und zwar als Co-Trainer der U21-Nationalmannschaft. Das Spiel gegen Israel an jenem Donnerstagabend ist seine Premiere an der Seite von Chefcoach Antonio Di Salvo.

Gerland begutachtet das Grün und folgt seinen Kollegen aus dem Trainerstab. Die Erwärmung übernimmt Fitnesscoach Christian Schwend, die anschließenden Spielformen Co-Trainer-Kollege Daniel Niedzkowski. Gerland steht aufmerksam daneben und beobachtet die Talente bei den Übungen. Er stellt sich zu Einzelspielern oder Zweiergruppen und gibt Anweisungen. Er korrigiert Fehler und lobt gelungene Aktionen. Es sind zwar nur wenige Minuten, doch sie geben Aufschluss darüber, wie Gerland seine Rolle im Trainerteam interpretiert. Er setzt auf individuelle Kommunikation, will die Spieler einzeln fördern und verbessern. Dort hat er seine Stärken. Schließlich haben unter ihm Spieler wie Philipp Lahm, Thomas Müller und Mats Hummels den Schritt zum Fußballprofi geschafft. 

"Er tut uns unheimlich gut"

Daher ist es wenig überraschend, dass Antonio Di Salvo Gerland als seinen Vize haben wollte. "Als ich überlegt habe, wie mein Trainerteam aussehen kann, haben wir geschaut, was im Trainerteam enthalten ist – und was noch fehlt. Es fehlte Erfahrung in diesem Bereich und Hermann Gerland hat, glaube ich, über 35 Jahre Profierfahrung als Trainer, hat mit vielen tollen Spielern zusammengearbeitet, sie entwickelt. Dazu hat er unter den besten Coaches der Welt als Co-Trainer gearbeitet und dieser Erfahrungsschatz ist auch für mich als Trainer sehr wertvoll", erklärte Di Salvo seine Entscheidung auf der Pressekonferenz vor dem Israel-Spiel. Der 42-Jährige merkte auch schon positive Effekte nach wenigen Wochen: "Mit seiner Art, geradeaus zu sein und immer offen und ehrlich seine Meinung zu sagen, tut er uns unheimlich gut."

Antonio Di Salvo (vorne) hat sein Team im Blick, Hermann Gerland (2.v.l.) ebenfalls. (Quelle: imago images/Team 2)Antonio Di Salvo (vorne) hat sein Team im Blick, Hermann Gerland (2.v.l.) ebenfalls. (Quelle: Team 2/imago images)

Seit 1985 ist er fast ununterbrochen als Fußballtrainer tätig. In Bochum, Nürnberg, Ulm, Bielefeld, Berlin und natürlich beim FC Bayern war er angestellt. Der "Tiger" arbeitete mit Louis van Gaal, Jupp Heynckes, Pep Guardiola und auch Hansi Flick zusammen. Ex-Spieler schwärmen von ihm, bezeichnen ihn als "einen der wichtigsten Wegbegleiter" (Mats Hummels) oder ihren "Lieblingstrainer" (Thomas Müller). Gerland ist nicht nur einer der bekanntesten, sondern auch einer der beliebtesten Köpfe im deutschen Nachwuchsfußball. Und auch einer der fachlich stärksten.

Hilfe in der Krise

Dass der DFB ihn für sich gewinnen konnte, war ein wichtiger Coup zu einer schwierigen Zeit. Denn die Nachwuchskrise des deutschen Fußballs ist noch nicht überwunden, auch wenn die U21 im Sommer Europameister wurde. DFB-Akademiechef Tobias Haupt sagte bei der Veranstaltung "Sportbuzzer Network Light" am Donnerstag in Hamburg: "Wir werden die nächsten sieben oder acht Jahre eine Mannschaft haben, die um Titel mitspielen kann. Danach wird es etwas dünner."

Damit diese "dünnere" Kaderlage noch abgewendet werden kann, braucht der DFB eine zeitnahe Trendwende. Das "Projekt Zukunft" soll dabei helfen. Bundestrainer Hansi Flick sagte bereits, dass er davon Teil sein wolle. Hermann Gerland als enger Freund Flicks wird dabei auch mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Hansi Flick (r.) und Hermann Gerland pflegen ein gutes Verhältnis. (Quelle: imago images/Sven Simon)Hansi Flick (r.) und Hermann Gerland pflegen ein gutes Verhältnis. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Bis dahin leistet er seinen Teil bei der U21 und arbeitet individuell mit den Nationalspielern von morgen. Einer von ihnen ist Frederik Jäkel vom KV Oostende (Belgien). Der Innenverteidiger berichtete bei einer Medienrunde in der vergangenen Woche von seinen ersten Tagen mit dem "Tiger": "Im ersten Gespräch hat er mir empfohlen, mir Videos von meinen Gegenspielern vor den Partien anzuschauen, um herauszufinden, was sie für spezielle Bewegungen machen oder auf welchen Fuß sie sich den Ball legen."

Es sind einfache Ratschläge, die bei den Spielern Wirkung zeigen. Denn einem Mann, der so viele Weltmeister und Nationalspieler ausgebildet hat, hören die jungen Talente zu. Und das kann helfen, um einen weiteren Schritt aus der Nachwuchskrise zu machen.

Verwendete Quellen:

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