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MĂŒllers Tor reicht nicht zum Sieg: Flicks Serie reißt

Von dpa
Aktualisiert am 30.03.2022Lesedauer: 5 Min.
Thomas MĂŒller (r) in Aktion gegen den NiederlĂ€nder Teun Koopmeiners.
Thomas MĂŒller (r) in Aktion gegen den NiederlĂ€nder Teun Koopmeiners. (Quelle: Federico Gambarini/dpa./dpa)
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Amsterdam (dpa) - Hansi Flick und Louis van Gaal klatschten sich zufrieden ab, und auch auf dem Rasen herrschte nach dem Fußball-Klassiker unter den DFB- und Oranje-Stars ausgelassene Stimmung. Denn der Auftritt machte Mut.

Auch wenn Flicks Siegesserie gerissen ist, bleibt der Glaube an eine erfolgreiche Fußball-WM bleibt bestehen. Nach einem lange dominanten Auftritt im Prestigeduell mit Erzrivale Holland war das 1:1 (1:0) in Amsterdam am Ende ein gerechtes Ergebnis. Nach dem 43. LĂ€nderspieltor von Thomas MĂŒller (45.+1) hĂ€tte David Raum gleich nach der Pause bei einer Großchance auf 2:0 erhöhen können.

Flick: "FĂŒr die Zuschauer war es ein Topspiel"

Als die NiederlĂ€nder dann aufdrehten, brauchte die deutsche Mannschaft auch GlĂŒck. Kurz nach dem Ausgleich durch Steven Bergwijn (68.) nahm der englische Schiedsrichter Craig Pawson nach Videobeweis etwas glĂŒcklich einen Foulelfmeter zurĂŒck. Thilo Kehrer hatte Hollands Angreifer Memphis Depay im Strafraum beim KlĂ€rungsversuch am Fuß getroffen. Das Unentschieden war am Ende glĂŒcklich.

"FĂŒr die Zuschauer war es ein Topspiel mit hoher IntensitĂ€t", sagte Flick und lobte seine Mannschaft: "Es ist schön, wie sie Fußball spielt. Die Art und Weise ist erfrischend. Sie ist mutig. Mit dem 1:1 können wir zufrieden sein. Das Unentschieden ist gerecht."

Auch wenn Flick in seinem neunten Spiel als Bundestrainer erstmals keinen Sieg bejubeln konnte, kann er der Auslosung der WM-Gruppen am 1. April in Katars Hauptstadt Doha entspannt entgegenblicken. Vier Jahre nach dem Vorrunden-Aus in Russland muss das DFB-Team, das nach Portugals Weiterkommen nur in Lostopf zwei einsortiert ist, auch eine schwere Gruppe nicht fĂŒrchten.

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Neuer: "Wir sind auf einem sehr guten Weg"

"Die Richtung stimmt. Man hat gemerkt, dass wir nicht nur mithalten, sondern auch dominieren können. Das GefĂŒhl an sich ist gut", sagte TorschĂŒtze MĂŒller und ergĂ€nzte: "Wir wollten natĂŒrlich gewinnen. Wir mĂŒssen nach der Halbzeit das 2:0 machen. Ab der 60. Minute haben wir bis zur 85. die Kontrolle verloren. Das ist ein bisschen Ă€rgerlich, aber auch logisch auf dem Weg, wo wir hinwollen."

Auch KapitĂ€n Manuel Neuer zog ein gutes Fazit. "Auf dem Weg Richtung Katar mĂŒssen wir jeden Test nutzen. Es war die erste große Mannschaft, gegen die wir gespielt haben und das ĂŒber weite Strecken ordentlich. Wir hĂ€tten auch als Sieger vom Platz gehen können. Wir hatten eine halbe Stunde, wo wir nicht die Oberhand hatten", sagte Neuer: "Wir haben einen guten Charakter, wir sind selbstbewusst. Ich denke, wir sind auf einem sehr guten Weg."

Beim ersten großen WM-Test vor rund 50.000 Zuschauern steckte das deutsche Team auch hochkarĂ€tige AusfĂ€lle lange weg. So fehlten aus dem Bayern-Block in Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Niklas SĂŒle und Serge Gnabry vier potenzielle StammkrĂ€fte. Flick kreierte neue Optionen wie die U21-Europameister Nico Schlotterbeck und David Raum in der Abwehr oder Jamal Musiala. Das Bayern-Talent spielte auf der Kimmich-Position im defensiven Mittelfeld frech auf und bereitete auch das Tor von MĂŒller vor. Der 32-JĂ€hrige zog in der ewigen DFB-TorschĂŒtzenliste mit EhrenspielfĂŒhrer Uwe Seeler gleich.

Musiala ĂŒberzeugte als Vertreter von Kimmich

"Wir wollen zurĂŒck an die Weltspitze", hatte Flick sein Anspruchsdenken vor dem "Gradmesser" gegen den ewigen Rivalen formuliert und einen mutigen Auftritt gefordert. Den bekam der Coach auch von seinem Team geboten. Der frĂŒhere Bayern-Coach bekam aber auch vor Augen gefĂŒhrt, dass die deutsche Mannschaft unter Druck durchaus fehleranfĂ€llig ist.

Von einem Freundschaftsspiel konnte keine Rede sein. In einem intensiven Spiel agierte die in schwarz spielende DFB-Auswahl zunĂ€chst hochkonzentriert. Mit hohem Pressing wurden die fĂŒr ihre OffensivqualitĂ€ten oft gerĂŒhmten HollĂ€nder ein ums andere Mal am eigenen Strafraum festgesetzt. Oranje lauerte stattdessen - ganz ungewohnt - auf Konter. Das Signal hatte Flick bereits mit seiner Aufstellung gegeben. Der offensiv ausgerichtete Musiala vertrat Kimmich auf der Sechserposition und wusste dabei sehr zu ĂŒberzeugen.

Der 19-JĂ€hrige leitete nicht nur den FĂŒhrungstreffer ein, sondern löste seine Aufgabe - mal technisch, mal körperbetont - sehr geschickt. Mehr Bayern-Power hatte der Bundestrainer dem deutschen Spiel im Vergleich zum 2:0 gegen Israel verordnet. Im Tor stand wieder Manuel Neuer, dazu kehrten MĂŒller und Leroy SanĂ© in die Startelf zurĂŒck. MĂŒller und SanĂ© sorgten nach feinem Zusammenspiel auch gleich fĂŒr die erste Torchance des DFB-Teams in der zwölften Minute.

43. LĂ€nderspiel-Tor fĂŒr MĂŒller

Trotz aller BemĂŒhungen boten die Oranje-Abwehrstars um Virgil van Dijk nicht viele RĂ€ume. Der Lattentreffer von Timo Werner hĂ€tte wegen vermeintlicher Abseitsposition ohnehin nicht gezĂ€hlt (21.). So brachte erst die letzte Aktion im ersten Durchgang die DFB-FĂŒhrung. Werner setzte Musiala in Szene. Dessen scharfe Hereingabe klĂ€rte Tyrell Malacia in die Mitte, wo MĂŒller mal wieder goldrichtig stand. Mit seinem 43. LĂ€nderspiel-Tor zog MĂŒller mit Seeler gleich und liegt nun auf Platz acht der ewigen DFB-TorjĂ€gerliste. Deutscher RekordtorschĂŒtze ist Miroslav Klose mit 71 Treffern.

Und Oranje? Die Gastgeber wirkten oftmals ratlos, was der Miene von van Gaal anzusehen war. Auch der Dortmunder Donyell Malen agierte glĂŒcklos. Bei einer guten Konterchance spielte der Angreifer einen zu steilen Pass auf Malacia (19.), einen weiteren Schuss setzte er neben das Tor (35.). Die deutsche Defensive machte es aber auch lange gut. Antonio RĂŒdiger sorgte in seinem 50. LĂ€nderspiel fĂŒr StabilitĂ€t und Schlotterbeck wusste auch seine zweite Chance innerhalb von vier Tagen zu nutzen. Der Freiburger gehört zu den Gewinnern des ersten LĂ€nderspielblocks im WM-Jahr.

GlĂŒck - nicht gegebener Elfmeter

Akzente setzte auch der Hoffenheimer David Raum, sogar das erste LĂ€nderspieltor war fĂŒr den Außenverteidiger möglich. Nach einem Traumpass von SanĂ© vergab Raum allerdings freistehend vor dem Freiburger Oranje-Keeper Mark Flekken eine Riesenchance (47.). Aber mit der FĂŒhrung im RĂŒcken war das deutsche Spiel noch gefĂ€lliger, noch prĂ€gnanter. Die DFB-Elf wollte das Ergebnis nicht verwalten, sondern suchte die Entscheidung.

Die mangelnde Konsequenz im Abschluss sollte sich aber rĂ€chen. Nach einem langen Ball setzte Denzel Dumfries per Kopfball-RĂŒckgabe den eingewechselten Bergwijn in Szene, der den Ball ins Tor hĂ€mmerte. Danach hatte der viermalige Weltmeister sogar GlĂŒck, dass der englische Schiedsrichter Pawson einen Foulelfmeter fĂŒr die HollĂ€nder zurĂŒcknahm (73.). Denn Kehrer hatte bei seinem KlĂ€rungsversuch erst Depay am Bein, dann den Ball leicht getroffen. "FĂŒr mich ist es ein Elfmeter", urteilte ARD-Experte Bastian Schweinsteiger. Bei einer weiteren niederlĂ€ndischen Großchance rettete Schlotterbeck auf der Linie (82.). Es war eine knifflige Phase fĂŒr die DFB-Auswahl, die dem Bundestrainer einige Erkenntnisse geliefert haben dĂŒrfte.

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