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Kritik an DFB-Reform: Hans-Joachim Watzke hat seinen Job verfehlt


Dieser Mann hat seinen Job verfehlt


Aktualisiert am 07.09.2023Lesedauer: 3 Min.
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Hans-Joachim Watzke: Der BVB-Boss sieht die Kinderfußball-Reform des DFB kritisch.Vergrößern des Bildes
Hans-Joachim Watzke: Der BVB-Boss sieht die Kinderfußball-Reform des DFB kritisch. (Quelle: IMAGO/Neundorf/Kirchner-Media)

Hans-Joachim Watzke ist nicht nur der Geschäftsführer des BVB, er ist auch einer der mächtigsten Männer bei der DFL und beim DFB. Und in dieser Rolle hat er einen Fehler gemacht.

Der deutsche Nachwuchsfußball hat ein Problem. Das zeigen Entwicklungen der Junioren- und A-Nationalteams des DFB. Verpasste Qualifikationen, frühes Ausscheiden bei Turnieren. Deutschland hat seinen Posten an der Weltspitze des Fußballs verloren. Es braucht einen Kurswechsel. Eine Reform, mit der die Lücke zur Weltspitze um Nationen wie England und Frankreich geschlossen wird. Diese hat der DFB mit Unterstützung aus der Wissenschaft, aus der Basis und dem Ausland entwickelt. 2024 sollte sie in die Tat umgesetzt werden.

Hans-Joachim Watzke, Chef des DFL-Aufsichtsrats und 1. Vizepräsident des DFB, will das nun verhindern. Seine Begründung ist verheerend und legt offen, dass er sich nur oberflächlich mit der Reform auseinandergesetzt hat. Gerade er, als vielleicht mächtigster Mann im deutschen Fußball, sollte sich all die Stimmen jener anhören, die an dieser Reform gearbeitet haben. Das hat er offenbar nicht getan – und damit seinen Job verfehlt.

Was hat Watzke gesagt?

Auf dem DUP Unternehmertag in Essen bezeichnete Watzke die Pläne des DFB als "unfassbar und für mich nicht nachvollziehbar". Er kündigte eine "Reform der Reform" an. "Das haben wir gerade beschlossen."

Genauso wie die Ex-Profis Thomas Helmer oder Dietmar Hamann behauptete er, der DFB würde Ergebnisse im Kinderfußball abschaffen. "Wenn du als Sechs-, Acht- oder Neunjähriger nie das Gefühl hast, was es ist, zu verlieren, dann wirst du auch nie die große Kraft finden, um auch mal zu gewinnen", so Watzke. Zudem sagte er: "Demnächst spielen wir ohne Ball. Oder wir machen den eckig, damit er den etwas langsameren Jugendlichen nicht mehr wegläuft."

Der 64-Jährige gibt damit nichts als Stammtischparolen von sich. Denn im Kinderfußball gibt es in der DFB-Reform nicht weniger Ergebnisse, sondern mehr. Das Ligensystem von der G-Jugend (U7) bis zur E-Jugend (U11) wird abgeschafft und die Teams werden verkleinert. Es sollen viele kleine Turniere, sogenannte "Festivals", stattfinden, an denen die Kinder in kleinen Teams in der Spielform "Funiño" gegeneinander spielen.

Das Leistungsprinzip wird mehr gefördert als bisher

In der G-Jugend bedeutet das beispielsweise ein Drei-gegen-drei. Dazu haben beide Mannschaften zwei Tore zu verteidigen. Das ermöglicht mehr Ballkontakte für alle Kinder sowie mehr Erfolgserlebnisse durch die höhere Anzahl an Toren. Alle müssen verteidigen, alle müssen angreifen, eine ganzheitliche Ausbildung.

Also genau das Gegenteil von dem, was Watzke mit seiner zynischen Behauptung, den Kindern werde bald noch der Ball weggenommen, meint. Er wird ihnen sogar noch mehr gegeben.

Zudem dauern bei den "Festivals" die Spiele nur kurz, bei den Jüngsten werden sieben Minuten pro Partie eingeplant. Der Sieger steigt auf, der Verlierer steigt ab. Die Kinder bekommen also alle sieben Minuten ein Ergebnis und nicht nur eins nach 40 Minuten in einem Spiel mit je sieben Spielern pro Team, bei dem jedes Kind viel seltener am Ball ist und sich weniger schnell entwickelt.

Die Kinder werden im neuen Modus viel mehr gefordert, treffen dazu durch das Auf- und Abstiegssystem bei jedem Festival auf gleich gute Teams, was das Leistungsprinzip und den Wettbewerbsgedanken sogar fördert. Siege und Niederlagen gibt es genauso, aber noch mehr Spaß.

Genau dieser Spaß sollte im Vordergrund stehen. Denn wenn wir wollen, dass mehr Kinder Fußball spielen und Lust darauf haben, neben dem Vereinssport noch auf dem Bolzplatz zu kicken, dann sollten wir die Leidenschaft in ihnen fördern. Dafür brauchen sie keine Tabellen, sondern Spaß mit dem Ball am Fuß. Das haben sie im Modus der Reformpläne mehr als im jetzigen System. Wenn Sie das nicht glauben, fragen Sie gerne mal bei Jugendtrainern im Kinderbereich nach.

Oder Sie schauen sich die Zahlen der Kinder an, die Fußball im Verein spielen. Denn die sind im letzten Jahrzehnt stark zurückgegangen. Laut dem "Kicker" hat der DFB von 2009 bis 2019 18 Prozent seiner Nachwuchsmannschaften verloren und neun Prozent seiner jugendlichen Mitglieder.

 
 
 
 
 
 
 

Wenn wir uns über fehlende Widerstandsfähigkeit der A-Nationalspieler beschweren, sollten wir uns bewusst sein, dass diese im bisherigen System nicht erlernt wurde. Das schlechte Abschneiden bei der WM 2022 geht auf Fehler in der bisherigen Nachwuchsarbeit zurück.

Für die Misserfolge von heute sind nicht die Reformen von morgen verantwortlich.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagentur dpa
  • youtube.com: "ITK 2018 Prof. Dr. Dr. Matthias Lochmann"
  • Teßmann, Leo-Jonathan & Sen, Gora: "Denkfabrik Nachwuchsfußball: Wie können wir es besser machen?", Schau ma moi Verlag, 2022
  • Ankersen, Rasmus: "Der Goldminen-Effekt", Plassen Verlag, 2016
  • dfb.de: "FAQ: WAS SICH IN DER A- UND B-JUNIOREN-BUNDESLIGA VERÄNDERT"
  • dfb.de: "FAQ ZU DEN NEUEN SPIELFORMEN"
  • training.advance.football: "Funino"
  • zeit.de: "Der Straßenfußball ist wieder da"
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