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Gift und Galle zwischen BVB und FCB

Von t-online
Aktualisiert am 05.05.2013Lesedauer: 3 Min.
Jürgen Klopp und Matthias Sammer
Trouble in der Coaching Zone: Jürgen Klopp und Matthias Sammer geigen sich die Meinung. (Quelle: MIS/imago-images-bilder)
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Aus Dortmund berichtet Patrick Brandenburg

Spätestens nach gut einer Stunde kippte das Spiel emotional von einem lockeren Kick mit dem Motto "keine Verletzungen einhandeln" in eine Partie mit Sprengstoff. Bayerns Außenverteidiger Rafinha, einer von acht Münchner Ersatzspielern, die in die Startelf rotiert waren, hatte gerade Dortmunds Jakub Blaszczykowski per Ellbogencheck niedergestreckt. Mit Gelb-Rot durch Schiedsrichter Peter Gagelmann war der Brasilianer noch gut bedient. Doch Rafinha - nie ein Kind von Traurigkeit - streckte seinem Gegenspieler beim Verlassen des Platzes erneut die Hand ins Gesicht. Das rief BVB-Trainer Jürgen Klopp auf den Plan und gipfelte in einem Rededuell mit Münchens Feuerkopf Sammer. In Bissnähe geigten sich die Alphamännchen in der Coaching-Zone die Meinung.

Klopp: "Da war richtig Feuer drin"

"Ich habe zu Rafinha gesagt, dass er die Finger von Kuba lassen soll. Daraufhin hat Sammer zu mir gesagt, dass ich mit dem Spieler nicht sprechen soll. Dann habe ich gesagt: 'Er fasst ihm ins Gesicht.' Dann hat wieder Sammer etwas gesagt und ich bin - falls er mich nicht hören kann – etwas näher ran", sagte Klopp bei LIGA total!.

Der BVB-Trainer konnte der hitzigen Atmosphäre noch Positives abgewinnen. "Das Spiel war sehr intensiv und keiner hat sich verdächtig gemacht, Freundschaftsanfragen stellen zu wollen. Alle waren im Wettkampfmodus, da war richtig Feuer drin. Das ist das, was die Fans erwarten können, wenn sie eine Eintrittskarte kaufen", sagte der 45-Jährige.

Knifflige Situationen für Schiri Gagelmann

Aber auch vorher schon gab es reichlich Diskussionsstoff. Etwa beim Foul von Diego Contento an Ilkay Gündogan (13. Minute), das den Arbeitstag des Letzteren vorzeitig beendete und wohl elfmeterreif war, von Gagelmann jedoch nicht geahndet wurde. Oder beim Handelfmeter, den Jerome Boateng nach einem Schuss von Nuri Sahin verursachte (58.). Die Bayern beschwerten sich lautstark, aber zu Unrecht, denn der Verteidiger wehrte den Ball in Gesichtshöhe ab. Dass Neuer den schwach geschossenen Strafstoß von Robert Lewandowski entschärfte, ließ die Laune auf Münchner Seite wieder steigen - aber nur kurz: bis zum Knatsch um Rafinha. Vier weitere Bayern handelten sich nach harten Fouls Verwarnungen ein. Zum schlechten Schluss zeigte dann auch Dortmunds Julian Schieber unnötig vollen Einsatz, als er einen Traumpass von Marco Reus verspringen ließ und gegen den am Boden liegenden Neuer überhart nachsetzte. Zum Glück blieb der Nationalkeeper hier unverletzt.

Nur die beiden Treffer waren über alle Zweifel, Streit und Nickligkeiten erhaben. Der BVB, der nicht ganz so wild rotierte im Vergleich zum Spiel unter der Woche bei Real Madrid, war durch einen tollen Volley-Schuss von Kevin Großkreutz früh in Führung gegangen (11.). Der FC Bayern kam noch Mitte der ersten Halbzeit durch einen platzierten Kopfball von Mario Gomez zum verdienten Ausgleich (23.).

Sammer: Watzke-Kritik als Kompliment

Der Rest der Partie war ein ordentlicher Fight, der mehr als eine Andeutung darauf gab, was in drei Wochen beim Finale in der englischen Hauptstadt London los sein könnte in Sachen Intensität, Pfeffer und Zweikampfhärte. Auch in der Deutung der Ereignisse wichen die Widersacher von Wembley deutlich voneinander ab und gingen in eine dritte Halbzeit. BVB-Chef Watzke hob die positiven Seiten der fliegenden Giftpfeile hervor. "Wir haben mittlerweile einen solchen Standard erreicht, dass wir bei dieser Partie von einem Clasico sprechen können wie die Spanier beim Duell Real Madrid gegen den FC Barcelona." Dagegen versuchte Karl-Heinz Rummenigge den Ausgang der Partie lieber für seine küchenpsychologische Kriegsführung zu instrumentalisieren und erinnerte an die jüngsten zwei Siege im Supercup und im DFB-Pokal sowie an die beiden Remis in der Bundesliga. "Dortmund scheint sich schwer damit zu tun, gegen uns zu gewinnen. Schon zum vierten Mal in Folge." Sportdirektor Sammer ließ sich sogar im Aktuellen Sportstudio des ZDF dafür loben, das Verhältnis beider Klubs abgekühlt zu haben, was ihm Watzke angesichts der Wechsel-Differenzen um Mario Götze und Robert Lewandowski noch am Morgen per Zeitungsinterview vorgeworfen hatte. "Wenn er das sagt, nehme ich es als Kompliment."

Nur Jürgen Klopp wollte in dieser dritten Halbzeit nicht mehr mitmachen. Den "Wiederholungstäter" hatte wohl auch das erneute eigene hitzige Verhalten im Rededuell mit Sammer erschreckt: "Solltet ihr mich mit Mitte Sechzig immer noch so erwischen, habe ich wirklich einen Lattenschuss", sagte der BVB-Coach entwaffnend und blickte ein wenig neidisch zu Bayerns Trainer-Routinier Jupp Heynckes, der in der Rolle als Elder Statesman gefiel und zu all dem Trubel lediglich dieses von sich gab: "All diese Nebensächlichkeiten interessieren mich nicht."

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