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Fall Peng Shuai: China reagiert mit UnverstÀndnis auf Kritik

  • Melanie Muschong
Von Melanie Muschong

Aktualisiert am 03.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Peng Shuai: Die chinesische frĂŒhere Tennisspielerin verschwand nach ihrer Kritik kurzzeitig, noch immer wird ihr Wohlergehen in Frage gestellt.
Peng Shuai: Die chinesische Tennisspielerin verschwand nach ihrer Kritik kurzzeitig, noch immer wird ihr Wohlergehen in Frage gestellt. (Quelle: Imagechina/imago-images-bilder)
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Der Fall der Tennisspielerin Peng Shuai sorgt fĂŒr Wirbel. Die Damen-Tennistour WTA hat alle ihre Turniere aus China abgezogen. Es ist eine bislang beispiellose Eskalation. Und weitere könnten folgen.

Es war ein Beitrag in den sozialen Netzwerken mit womöglich schwerwiegenden Folgen: Kurz nachdem die frĂŒhere chinesische Weltklasse-Tennisspielerin Peng Shuai einen Missbrauchsvorwurf gegen einen ranghohen chinesischen Politiker teilte, war sie plötzlich verschwunden.

Tagelang gab es von der Doppelspezialistin kein Lebenszeichen. Und selbst als sie dann endlich auftauchte, löste das weltweit Irritation aus, denn das Statement, das Peng gab, geschah nach Meinung vieler Experten nicht aus freien StĂŒcken. Was mit der 35-JĂ€hrigen passiert ist, wo sie sich derzeit aufhĂ€lt, ist nach wie vor unklar.

Als Konsequenz aus dem Verschwinden Pengs kĂŒndigte die Tennisspielerinnenvereinigung WTA am Mittwoch einen TurnierrĂŒckzug aus China an. Der Sportverband setzte damit ein deutliches Zeichen der SolidaritĂ€t mit seiner langjĂ€hrigen Spielerin – und fĂŒr die Menschenrechte.

Der Serbe Novak Djokovic, die weltweite Nummer eins bei den Tennis-Herren, befĂŒrwortete diesen Schritt: "Ich unterstĂŒtze die Haltung der WTA voll und ganz, weil wir nicht genug Informationen ĂŒber Peng Shuai und ihr Wohlergehen haben."

Peking schaltet sich offiziell ein

Es ist das erste Mal, dass ein einflussreicher Sportverband ein derart deutliches Zeichen fĂŒr Menschenrechte in China setzt. Der WTA könnten damit Einnahmeverluste in dreistelliger Millionenhöhe drohen. Das Land selbst reagierte mit UnverstĂ€ndnis. Man sei strikt gegen Maßnahmen, mit denen der Sport "politisiert" wĂŒrde, sagte ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums am Donnerstag.

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Doch genau das könnte nun in einer noch weitreichenderen Form passieren, meint Simon Chadwick. Der Direktor des Zentrums fĂŒr die eurasische Sport-Industrie an der Emlyon Business School in Frankreich sagt zu t-online: "Ich habe den Verdacht, dass der Fall Peng von einigen Akteuren in den USA dazu genutzt wird, um einen Boykott der Olympischen Winterspiele zu rechtfertigen." Die Winterspiele werden Anfang Februar in Peking stattfinden. Deren Vergabe an China war von Anfang an umstritten.

"Die Biden-Administration und einige US-VerbĂŒndete haben schon einen diplomatischen Boykott der Veranstaltung ins Spiel gebracht", sagt Sportökonom Chadwick. "Der nun erfolgte Schritt der WTA könnte bedeuten, dass inzwischen auch ein kompletter Boykott der USA und einiger VerbĂŒndeter nicht mehr ausgeschlossen ist."

Olympia-Boykott? "Frankreich in schwieriger Lage"

TatsĂ€chlich hatte US-PrĂ€sident Joe Biden Mitte November bereits mitgeteilt, einen sogenannten diplomatischen Boykott der Winterspiele in Peking zu erwĂ€gen. Grund hierfĂŒr sind die schwerwiegenden VorwĂŒrfe von Menschenrechtsverletzungen in der Volksrepublik China, unter anderem im Zusammenhang mit der Minderheit der Uiguren.

Offenbar gestaltet sich die Suche nach entsprechenden Alliierten fĂŒr einen Olympia-Boykott nicht so einfach. Wenngleich die Briten wohl nicht abgeneigt sein dĂŒrften, Biden in der Angelegenheit zu folgen, dĂŒrfte es etwa fĂŒr die Franzosen schwierig werden, sich zwei Jahre vor den Sommerspielen in Paris an einer solchen Maßnahme zu beteiligen. Das wĂ€re dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wohl kaum zu vermitteln. Ein Boykott wĂŒrde nicht nur einen sportlichen, sondern auch einen politischen Eklat bedeuten.

Doch auch das IOC hat den Ernst der Lage offenbar erkannt. So fĂŒhrte der deutsche IOC-PrĂ€sident Thomas Bach nun ein weiteres Video-GesprĂ€ch mit der chinesischen Tennisspielerin. "Wir haben sie umfassend unterstĂŒtzt, werden mit ihr in regelmĂ€ĂŸigem Kontakt bleiben und haben bereits im Januar ein persönliches GesprĂ€ch vereinbart", teilte der Verband am Donnerstag mit.

China sei ein unsicherer Ort

Am 21. November hatte Bach bereits ein erstes GesprĂ€ch mit Peng Shuai gefĂŒhrt – wofĂŒr es jedoch viel Kritik gab (mehr dazu lesen Sie hier). Auch am Donnerstag betonte der Verband, dass man auf "stille Diplomatie" setze, weil dies in solchen FĂ€llen den meisten Erfolg verspreche.

FĂŒr das IOC kommt der Fall so kurz vor den Spielen zur Unzeit, sagt der Asien-Experte Chadwick. "Thomas Bachs Onlinemeeting mit Peng zeigt doch, wie ernst diese Angelegenheit auch vom IOC genommen wird – ein Boykott erscheint mir daher zunehmend als plausible Option fĂŒr einige LĂ€nder."

Seiner Meinung nach steigt die Wahrscheinlichkeit eines Olympia-Boykotts. "Ich denke, dass einige Nationen behaupten könnten, dass China kein sicherer Ort mehr fĂŒr ihre Athleten ist. Sie könnten auch sagen, dass eine Teilnahme an den Spielen fĂŒr sie nicht mehr infrage kommt, weil sie sich nicht zum Komplizen der chinesischen Regierung und ihren Werten machen möchten."

Amnesty International fordert Untersuchung

Auch Menschenrechtsorganisationen nehmen den Fall sehr ernst. So sagte Amnesty International zu t-online: "Amnesty International ist besorgt ĂŒber die Situation von Peng Shuai. Die Menschenrechtsorganisation fordert von den chinesischen Behörden, dass sie die Sicherheit sowie Unversehrtheit von Peng Shuai garantieren und eine unabhĂ€ngige Untersuchung ihrer VorwĂŒrfe, laut denen sie sexuell belĂ€stigt wurde, einleiten."

Shuai hatte Anfang November in dem Twitter-Ă€hnlichen Medium Weibo berichtet, vom ehemaligen chinesischen Vizepremier Zhang Gaoli sexuell missbraucht worden zu sein. Der Eintrag wurde ebenso gelöscht wie zahlreiche InterneteintrĂ€ge ĂŒber Peng, von der danach mehr als zwei Wochen jede Spur fehlte. SpĂ€tere Äußerungen wertete die WTA als unter Zwang getĂ€tigt.

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Amnesty International begrĂŒĂŸt in diesem Zusammenhang den Schritt der WTA, alle Turniere bis auf Weiteres aus China abzuziehen: "Wir sind davon ĂŒberzeugt, dass öffentlicher politischer Druck notwendig ist, um eine Verbesserung der Menschenrechtssituation in der Volksrepublik China herbeizufĂŒhren und konkret den Versuch der chinesischen Behörden zu beenden, jegliches Engagement fĂŒr #MeToo zu unterdrĂŒcken."

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