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Sandra Maischberger: "Man kann mich aus der Fassung bringen"

INTERVIEWNeues Talk-Format  

Sandra Maischberger: "Mit weit über 60 stehe ich nicht mehr vor der Kamera"

Von Steven Sowa

18.09.2020, 11:20 Uhr
Sandra Maischberger: "Man kann mich aus der Fassung bringen". Sandra Maischberger: Die Moderatorin startet am 18. September auf Spotify mit "Der Sandra Maischberger Podcast". (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)

Sandra Maischberger: Die Moderatorin startet am 18. September auf Spotify mit "Der Sandra Maischberger Podcast". (Quelle: Monika Skolimowska/dpa)

Seit über dreißig Jahren ist sie ein Gesicht des deutschen Fernsehens: Sandra Maischberger. Jetzt zieht es sie mit einem neuen Projekt zurück zu ihren Radiowurzeln. t-online hat sie davon im Interview berichtet.

Sie war 22 Jahre alt, als sie das erste Mal im Fernsehen eine Sendung moderierte. Als Nachfolgerin von Günther Jauch präsentierte sie das BR-Jugendmagazin "Live aus dem Schlachthof". 32 Jahre später kennt jeder in Deutschland ihren Namen: Sandra Maischberger. Seit allein 17 Jahren ist die gebürtige Münchnerin mit einer eigenen Talkshow im Ersten auf Sendung. Ihr Format, das einst "Menschen bei Maischberger" hieß, läuft inzwischen unter dem Titel "maischberger. Die Woche" – und erreicht seit Oktober 2019 durchschnittlich 1,4 Millionen Menschen.

Ob sie mit ihrem neuen Projekt – dem "Sandra Maischberger Podcast" auf Spotify – ebenfalls einem Millionenpublikum in den Ohren liegt? Im Gespräch mit t-online drängt sich nicht der Eindruck auf, dass es Sandra Maischberger um Reichweite geht. "Intimität" scheint ihr wichtiger zu sein. Warum ihr Kindheitstraum, später mal Detektivin zu werden, sie heute noch prägt und ob sie bald von der Fernsehbühne abtritt, berichtet die Moderatorin im Interview.

t-online: Frau Maischberger, Sie sind seit über 30 Jahren im Fernsehgeschäft tätig. Seit wann fühlen Sie sich angekommen, oder sogar etabliert in Ihrer Branche?

Gar nicht. Ich habe immer auch etwas zu kritisieren an den Fernsehsendungen, die ich mache. Gesprächssendungen, Interviewformate, Talkshows – das sind Formen, die nie zu hundert Prozent präzise sind. Es fehlt immer ein Teil oder es kommt ganz anders, als vor der Aufzeichnung geplant.

Also sind Sie nicht angekommen, weil immer etwas schiefgeht?

Angekommen ist man nie. Auf meiner Seite des Bildschirms erreicht man zwar eine gewisse Fertigkeit bei dem, was man tut. Aber letztlich hängt es immer davon ab, ob die Zuschauer das sehen wollen oder ob der Sender das ausstrahlen will. Das ist kein Stuhl auf dem man sitzt und man hat das Gefühl: Mir kann nie etwas passieren.

Sehnen Sie sich nach diesem Gefühl? Dieses Gefühl der Sicherheit?

Ehrlicherweise nein. Ich glaube, es wäre gar nicht gut, derart selbstgewiss zu sein. Eine leichte Form von 'Ich werde nicht nachlassen' ist immer gut. Sonst wird man faul, saturiert und ist nicht mehr hungrig.

Ihr Karriereweg verlief steil, doch die Frage nach dem Ziel oder dem Ende Ihrer Etappe drängt sich auf. In einem Interview sagten Sie einst über Ihren ehemaligen Kollegen Erich Böhme, mit dem Sie Anfang der Neunziger "Talk im Turm" moderierten: "Wenn ich eines Tages im Böhme-Alter bin, werde ich sicher nicht mehr vor der Kamera stehen." Sehen wir Sie also nur noch rund sechs Jahre im Fernsehen?

(lacht) Vielleicht wird das genauso sein. Ich glaube, das, was ich damals gesagt habe, wird stimmen: Mit weit über 60 werde ich ziemlich sicher nicht mehr vor der Kamera stehen.

Wann wollen Sie von Ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin zurücktreten?

Ich habe mir über meinen Einstieg keine Gedanken gemacht und mache mir jetzt auch keine Gedanken über meinen Ausstieg. Gerade jetzt nicht, wo wir mit unserer Sendung eine sehr spannende neue Form gefunden haben – das ist ja wie ein Neuanfang. Aber ja: Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich in dem besagten Böhme-Alter nicht mehr vor der Kamera stehe. Das halte ich für eine gute Variante. Und wer weiß schon, wie das Fernsehen in zehn Jahren sein wird.

"Talk im Turm" war eine wöchentlich ausgestrahlte Polit-Talkshow auf Sat.1. Meist waren deutsche Politiker oder Personen des öffentlichen Lebens geladen. Sandra Maischberger moderierte die Sendung gemeinsam mit Erich Böhme von 1990 bis 1991. Der 1930 geborene Journalist und Moderator Böhme war zu dieser Zeit 60, später dann 61 Jahre alt.

Sie machen jetzt einen Podcast. Ein Schritt weg vom Fernsehen und ein Standbein außerhalb der Mattscheibe, welches Sie nun mit Blick auf ein mögliches Karriereende in die Tür stellen?

Sie interpretieren zu viele Überlegungen in eine Chance hinein, die sich mir geboten hat und die ich deshalb gerne ergriffen habe, weil sie mich gewissermaßen auch an meine Wurzeln zurückbringt. Als ich als Journalistin anfing, war ich im Radio und was ich am Radio mochte, war die Intimität des Gesprächs – vor allem bei Interviews.

Sie führen im Fernsehen ständig Interviews. Sind Ihnen diese also nicht intim genug?

Auf der Fernsehbühne ist es schwer, diese Art Intimität herzustellen. Die Fernsehkameras, das Scheinwerferlicht, das Publikum: Jeder Gast weiß sofort, er ist auf einer Bühne. Podcasts sind auch deshalb so erfolgreich geworden, weil sie eine entspanntere Gesprächsatmosphäre schaffen, und ich persönlich bin eine begeisterte Podcast-Hörerin. Insofern habe ich gedacht: Das ist eigentlich wie früher im Radio, nur dass es jetzt immer verfügbar ist. Die Möglichkeit, Interviews in einem Podcast zu führen, hat mich sehr gereizt. Meine Entscheidung fiel also vollkommen unabhängig von meiner Fernsehsendung. Ich habe nicht mit dem Podcast angefangen, um mit dem Fernsehen aufzuhören. Ich habe das gemacht, um die eine Form mit der anderen zu ergänzen.

Jörg Thadeusz hat Sie mal als "sympathische Kriminalkommissarin" bezeichnet. Ich meine in Ihrer Reaktion damals in der rbb-Sendung erkannt zu haben, dass Ihnen dieser Vergleich gefallen hat. Warum?

Ich weiß gar nicht, was eine Kriminalkommissarin macht. Ich kenne diese Persönlichkeiten nur aus dem Fernsehen oder aus dem Kino. Aber ich kann Ihnen verraten, dass ich als Kind immer Detektivin werden wollte. Ich hatte immer das Gefühl, das Leben eines Detektivs ist unheimlich spannend. Man macht sich auf die Suche nach einem verborgenen Geheimnis und muss Antworten finden.

Eine Zuschreibung, die durchaus auch manche Journalisten für ihren Beruf wählen würden.

Absolut! Als ich später anfing, Journalistin zu werden, hatte ich das Gefühl, dass es Elemente der Detektivarbeit enthält. Man versucht, einer Sache nachzuspüren. Oft sitze ich Menschen gegenüber, vor allem Politikern und Politikerinnen, die eine Wahrheit wissen, aber sie partout nicht sagen wollen, manchmal auch nicht können. Der Wahrheit im Gespräch dann aber auf die Spur zu kommen, das ist vielleicht die detektivische Seite meines Journalistenberufs.

Kommissare führen Verhöre, Journalisten Interviews. Mit einer gewissen Strenge und der nötigen Beharrlichkeit kann eine solche Befragung in beiden Berufsbildern zum Erfolg führen. Würden Sie sich diese Eigenschaften attestieren?

Ich glaube, Jörg Thadeusz meinte das damals auch mit seinem Vergleich zur Kriminalkommissarin. Er meinte, ich könnte manchmal ein bisschen streng sein. Tatsächlich bekomme ich das öfter zu hören, dass man sich von mir manchmal nicht befragt, sondern verhört vorkommt – jedenfalls in meinen strengen Momenten. Ob ich beharrlich bin? Sagen wir es so: Ich lasse mich nicht so schnell abschütteln, wenn ich das Gefühl habe, auf eine Frage keine Antwort bekommen zu haben.

Sind es auch diese Fähigkeiten und Eigenschaften, die Ihnen in jungen Jahren zur Journalismuskarriere verhalfen?

Der Journalismus war bei mir ein relativ zufälliger Berufsstart. Ich habe mich auf eine Anzeige beworben, und der Bayerische Rundfunk hat mich genommen. Dabei hatte ich gerade einmal das Abitur in der Tasche. Ich hatte im Prinzip nie die Zeit, darüber nachzudenken, was ich im Leben machen will. Als ich dann anfing mit Journalismus, da wurde mir schnell klar: Das ist mein Traumberuf.

Um noch einmal in dem Bild der Kommissarin zu bleiben: Einer Sache auf den Grund gehen, sehen Sie als Parallele. Dafür bedarf es aber viel Arbeit. Oft geraten Ermittler ins Schwitzen, in brenzligen Situationen oder in schwierigen Verhören. Ebenfalls eine Parallele, die Ihnen auch trotz Ihrer großen Berufserfahrung noch oft bewusst wird?

Ganz so ist es nicht. Aber es passieren natürlich ständig unvorhergesehene Dinge. Ich habe kürzlich Richard David Precht interviewt und hatte mir das Gespräch ganz anders vorgestellt, als es dann gelaufen ist. Ich finde seine Gedankenwelt immer sehr interessant, aber nach der ersten Frage schon waren wir plötzlich und für mich ganz überraschend auf Konfrontationskurs. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.

Damit will ich sagen: Ja, es gibt immer noch Momente, in denen ich ins Schwitzen komme. Wenn es die nicht mehr gäbe und ich komplett unerschrocken durch meine Sendungen schweben würde, dann wäre das falsch. Dass man selbst auch noch angefasst werden kann, das finde ich ganz wichtig. Das möchte ich mir gerne erhalten.

Sandra Maischberger: Die Moderatorin im Jahr 1991, zur damaligen Zeit war sie für "Talk im Turm" auf Sat.1 tätig. (Quelle: imago images / teutopress)Sandra Maischberger: Die Moderatorin im Jahr 1991, zur damaligen Zeit war sie für "Talk im Turm" auf Sat.1 tätig. (Quelle: imago images / teutopress)

Welche Beispiele, in denen Ihnen gewissermaßen die Kontrolle entglitten ist, haben Sie noch parat?

Als ich den Entwicklungsminister Gerd Müller zu Gast hatte und wir über das Lieferkettengesetz sprachen, fasste er mir plötzlich an die Schuhe und wollte mir sagen, dass mein Leder vielleicht aus Bangladesch käme und durch Kinderarbeit entstanden sei, und ich wüsste es gar nicht. Dann hat er mir auch noch vor laufender Kamera eine Tafel Faitrade-Schokolade geschenkt. Das kam unvorbereitet und hat mich für kurze Zeit aus dem Konzept gebracht.

Aber diese Momente sind unheimlich wichtig. Sie erinnern uns daran, dass wir in einer Talkshow nicht nach Drehbuch arbeiten. Wenn dieser leichte Twist in eine Situation kommt, ist das etwas, über das ich mich im Nachhinein sehr freue – auch wenn ich in dem Moment schwitze.

Ich erinnere mich auch an einen Moment von Ihnen, als Sie mit dem damaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis aneinandergerieten. Ich habe Sie selten so aus der Haut fahren sehen. Wie schafft man es denn eigentlich, Sandra Maischberger aus der Fassung zu bringen?

Das verrate ich Ihnen jetzt nicht, denn dann würden meine zukünftigen Gäste erfahren, wie es funktioniert. (lacht) Im Ernst: Ich bin in meinen Sendungen sehr kontrolliert und sehr beherrscht. Am ehesten bin ich aus der Fassung zu bringen, wenn ich jemandem mit Empathie begegne, der mich dann aber plötzlich auflaufen lässt. Das ist jedenfalls überraschender, als wenn ich es mit jemandem zu tun habe, bei dem ich von vornherein weiß, dass es ungemütlich wird.

Ich verstehe natürlich, dass Sie das Geheimrezept, wie man Sie aus der Fassung bringen kann, nicht verraten wollen. Aber ein Versuch war es wert ...

Die Wahrheit ist: Man kann mich aus der Fassung bringen. Woran das liegt, mag auch unterschiedliche Gründe haben. Vielleicht liegt es auch an der Tagesform. Vielleicht bin ich manchmal schlichtweg zu müde in der Sendung und dann gelingt es leichter. Es gibt dafür kein Patentrezept. Und es passiert recht selten.

Dennoch wirken Sie selbst in diesen seltenen Momenten der Unbeherrschtheit souverän. Eine Situation scheint Ihnen nie gänzlich entgleiten zu können. Gehen Sie denn privat auch mal an die Decke, wenn Sie etwas aufregt?

Natürlich, alles andere wäre doch unmenschlich. Mein Sohn sagt manchmal: 'Wieso redest du so streng mit mir?' Und ich merke dann, es ist mir überhaupt nicht aufgefallen. Ich habe manchmal so einen leichten Kommandoton, der im Privatleben völlig unangebracht ist.

Im Übrigen gehe ich auch nach der Fernsehsendung manchmal an die Decke. Meine Kollegen haben immer vor dem Moment Angst, bei dem ich mit den Studiogästen danach zusammenstehe und anfange, mit ihnen zu diskutieren. Dann versuchen sie mir immer mit Handzeichen hinter dem Rücken zu verstehen zu geben, dass ich doch bitte die Gäste nicht verschrecken soll. Nach dem Motto: 'Der kommt doch dann nie wieder!'. Das liegt daran, dass ich in der Sendung versuche, meine Meinung komplett außen vor zu lassen. Nach der Sendung ist das anders, da diskutiere ich inhaltlich aus meiner Meinungsperspektive heraus.

Auch für Ihre Sendung gibt es manchmal Kritik. Zuschauer stören sich daran, dass Sie anderen oft ins Wort fallen. Ein Kommunikationsproblem, weil Sie Ihr Studium der Kommunikationswissenschaften bereits nach drei Tagen abgebrochen haben?

(lacht) Sie sprechen einen wunden Punkt an. Wenn ich nach meiner Sendung abends nach Hause komme und meinem Mann ins Gesicht schaue, weiß ich immer ganz genau: 'Mist, heute habe ich die Leute schon wieder zu oft unterbrochen!'

Warum ist das so?

Es ist schwierig. Ich bereite mich sehr gut auf meine Gespräche vor, und vor allem bei Politikern erahne ich schon wenn der Satz anfängt, wie er aufhören wird. Weil ich ihn schon so oft gelesen oder gehört habe. Ich schaue dann auf die Uhr und frage mich, wie ich da rauskomme. Ich möchte keine Standardsätze, keine Phrasen hören, sondern interessante Neuigkeiten. Also unterbreche ich und stelle eine andere Frage. Das ist manchmal falsch, und ich sollte das viel weniger tun. Manchmal werde ich aber auch dafür kritisiert, wenn ich nicht unterbreche. Unter dem Zeitdruck einer liveähnlichen Sendung ist es schwierig, die Balance zu finden. Auch deshalb freue ich mich auf meinen Podcast.

Sie haben Ihr Studium also abgebrochen. Kommen wir darauf kurz zurück. An Personen wie Kevin Kühnert entbrennt oft eine hitzige Debatte darum, dass er keine Ausbildung vorzuweisen hat. Gut, Sie haben eine, denn Sie haben später die Deutsche Journalistenschule besucht, aber verstehen Sie diese Diskussionen?

Bei österreichischen Zuschauern habe ich mich mal sehr unbeliebt gemacht, weil ich Sebastian Kurz gefragt habe, ob er seine Abschlussarbeit irgendwann zu Ende bringen möchte. Dabei war das gar nicht als Kritik gemeint, sondern nur als Neugierde auf seinen Werdegang. Und um zu Ihrer Frage zu kommen: Ich halte das für ausgemachten Quatsch. Mit Blick auf Politiker wäre mir fast wichtiger, dass sie sich mal in einem Bereich beruflich beschäftigt haben, bevor sie eine politische Laufbahn einschlagen. Das wäre wünschenswert, weil man dann Themen und Probleme besser nachempfinden kann und sie nicht nur aus der Aktenlektüre kennt. Also eher eine Berufsausbildung und ein paar Jahre Berufserfahrung. Aber ein abgeschlossenes Studium muss es nicht sein. Es gibt viel zu viele Beispiele von klugen Menschen, die keinen akademischen Hintergrund aufzuweisen haben und dennoch Wegweisendes vollbracht haben. Kurz und knapp: An seinem abgebrochenen Studium sollte man Kevin Kühnert nicht messen.

Sandra Maischberger: Die 54-jährige Fernsehmoderatorin startet auf Spotify einen Podcast, bei dem sie sich laut eigener Aussage auf die "Intimität des Gesprächs" freut. (Quelle: Thomas Kierok)Sandra Maischberger: Die 54-jährige Fernsehmoderatorin startet auf Spotify einen Podcast, bei dem sie sich laut eigener Aussage auf die "Intimität des Gesprächs" freut. (Quelle: Thomas Kierok)

Sie haben schon mit nahezu allen Größen der deutschen Politik und Gesellschaft gesprochen. Jetzt heißt es in der Ankündigung von "Der Sandra Maischberger Podcast": "Sie stellt die interessantesten Menschen aus Kultur, Wirtschaft und Politik vor; und spricht mit ihnen über ihre Leben, und die großen Themen unserer Zeit". Von Dirk Rossmann als Gesprächspartner wissen wir bereits. Jetzt stellt sich angesichts des Superlativs "interessantesten" die Frage: Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Gäste denn aus?

Es ist eine Mischung aus den Dingen, die man im Leben tut und dem, wie man über das Leben und die Welt denkt. Menschen sollten etwas bewirkt haben in ihrem Leben. Sie sollten auch gerne Ecken und Kanten mitbringen, denn das verspricht Reibung. Bei Dirk Rossmann ist es doch interessant: Er gehört – wie Linke sagen würden – zu den Spitzenverdienern oder Mega-Reichen. Und doch ist er nicht schweigsam, er bringt sich im Gegenteil in den öffentlichen Diskurs ein. Das ist sehr ungewöhnlich, denn Menschen, die so viel Geld haben, ziehen sich meistens zurück und wollen nicht in der Öffentlichkeit stehen.

Wer wird noch bei Ihnen zu Gast sein?

Der Regisseur Werner Herzog, die Holocaust-Überlebende Ester Bejarano, die Impfstoffforscherin Marylyn Addo – das sind alles Menschen, die es in meiner politisch aktuellen Sendung eher schwer hätten, über ihr Fachgebiet hinaus etwas zu erzählen. Aber mich interessiert die Biografie der Menschen und darüber werde ich mit meinen Gästen im Podcast ausführlich sprechen können.

Was unterscheidet Ihren Podcast noch von Ihrer Fernsehsendung?

Die Gespräche werden circa eine Stunde lang sein. Im Unterschied zu meiner Fernsehsendung habe ich also ohne den Blick auf die unerbittlich ablaufende Sendezeit genügend Zeit, um mich mit den Menschen zu beschäftigen. Außerdem sind wir wieder bei Ihrer anfänglichen Frage zur Intimität: Im Podcast sind wir sehr viel stärker auf das Gespräch und den Menschen konzentriert. Man spricht im besten Fall so, als würde man vergessen, dass dieses Gespräch am Ende noch Hörer findet, die nicht mit im Raum sitzen. Ich spreche mit meinen Podcast-Gästen so, als wären wir unter uns. Das ist eine spannende Ergänzung zur großen Bühne einer Fernsehsendung.

In der Ankündigung ist auch von den "großen Themen unserer Zeit" die Rede. Was ist für Sie denn, um auch hier den Superlativ zu bemühen, das größte Thema unserer Zeit?

Wir haben vielleicht zwei große, wichtige, globale Themen unserer Zeit. Zum einen ist das soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Armut – ich finde es unerträglich, dass Menschen unter Sklavereibedingungen arbeiten müssen und dass es so unfassbar viele Kinder auf der Welt gibt, die Hunger leiden. Zum anderen ist es die Veränderung unserer Natur, die Klimakrise. Die Auswirkungen des sich radikal verändernden Klimas auf unserer Welt und dass wir darauf noch keine richtigen Antworten gefunden haben.

Einerseits habe ich erwartet, dass Sie diese Themen nennen. Aber ich bin zugleich verwundert, dass Sie die Bedrohung der Demokratie – auch global betrachtet – durch Extremismus nicht mit auf Ihre Liste setzen.

Unser Wunsch nach Demokratie und reaktionäre Kräfte, die in vielen Teilen der Welt immer mehr die Oberhand zu gewinnen scheinen, ist ein ebenso brisantes, wie wichtiges Thema. Oft wird einem das Gefühl vermittelt, wir rutschen zurück in eine Zeit, in der die Aufklärung noch gar nicht stattgefunden hat. Dass die universellen menschlichen Werte, die wir durch die Aufklärung gelernt haben, plötzlich von radikalen Kräften zur Disposition gestellt werden, beschäftigt mich auch sehr.

Aber meine anderen Punkte betreffen ganz existenzielle Fragen, um Leben und Tod. Die Frage nach Demokratie ist eine politische, deshalb habe ich sie anfangs nicht genannt. Ich glaube, dass der Aufstieg der Rechten weltweit aber mit den beiden anderen beschriebenen und nicht gelösten Problemen zu tun hat

Kommen wir zur Abschlussfrage. Sie haben sich im Laufe Ihrer Karriere mit so vielen Personen unterhalten. Was macht für Sie persönlich einen Menschen interessant?

Das erste Kriterium ist für mich: Weiß jemand mehr über eine Sache als andere? Das ist in der Corona-Krise zum Beispiel aufgefallen, weil wir uns so viel mit Wissenschaftlern beschäftigt haben wie nie zuvor. Zweitens ist es für mich immer spannend, wenn ein Lebensweg Wendungen genommen hat, über die es etwas zu erzählen gibt. Und drittens freue ich mich immer, jemandem gegenüber zu sitzen, der Freude am Reden hat und über ein wenig rhetorische Fähigkeiten verfügt.

Spotify startet mit "Der Sandra Maischberger Podcast" ab dem 18. September. Den Anfang macht Dirk Rossmann, in der zweiten Folge wird die SPD-Politikerin und Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, zu Gast sein. Neben den im Interview genannten Persönlichkeiten werden außerdem der aktuelle Gesundheitsminister Jens Spahn, der einstige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sowie der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, mit Sandra Maischberger sprechen.

Verwendete Quellen:

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